REGION: Fürs Spazieren, Joggen und Biken bezahlen?

Waldeigentümer im Werdenberg sollen ihre Forstflächen bewirtschaften. Weil der Holzpreis tief liegt, ­können die Erntekosten kaum gedeckt werden. Über kurz oder lang muss eine vernünftige Lösung her.

Drucken
Teilen
Die Waldbewirtschaftung ist kaum kostendeckend. (Bild: Manuel Lopez)

Die Waldbewirtschaftung ist kaum kostendeckend. (Bild: Manuel Lopez)

Im Kanton Thurgau kam kürzlich eine mögliche Gebühr für Waldnutzer zur Sprache. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des kantonalen Forstamtes, dem Verband der Waldeigentümer und dem Verband Thurgauer Gemeinden möchte einen «Aktionsplan für die Inwertsetzung von Waldleistungen» erarbeiten. Und auch im Kanton Luzern wurde über eine vorgezogene Gebühr für die Nutzung des Waldes beim Kauf eines Mountainbikes diskutiert. Denn die Holzbranche steckt seit Jahren in einer Krise. «Der Markt wird mit billigem Importholz überschwemmt», sagt Heini Senn aus Buchs, Präsident des Verbandes St. Galler Ortsgemeinden und der Ortsgemeinde Buchs. Wegen des tiefen Holzpreises können die Waldeigentümer mit den ­Erträgen aus ihren Wäldern kaum noch die Kosten für die Bewirtschaftung decken. Das hat zur Folge, dass sie rote Zahlen schreiben.

In der Region Werdenberg sind 80 bis 90 Prozent des Waldes im Besitz der Ortsgemeinden. Den Rest teilen sich unter anderen Landwirte, Alpkorporationen und politische Gemeinden. Im Toggenburg sind rund 80 Prozent Privatwald, informiert Heinz Engler, Geschäftsführer Waldwirtschaft St. Gallen und Liechtenstein. Die defizitäre Holzernte ist auch in der W&O-Region ein Problem für die Waldeigentümer. Im Buchser Wald wird wegen der ­hohen Laubholzbestände vor­wiegend Brennholz geerntet. Die Nadelholzbäume der umliegenden Wälder werden durch den Forstbetrieb Grabus (Ortsgemeinden Grabs, Buchs, Sevelen) geerntet, in einer regionalen Sägerei zersägt und zugeschnitten. «Damit wird die Wertschöpfungskette in der Region sichergestellt», sagt Senn. «Früher wurden mit dem Ertrag aus der Holzernte auch sämtliche Annehmlichkeiten wie schöne Waldstrassen und Vita-Parcours bezahlt. Der Wald­nutzer hat diese Tatsache immer genossen», sagt Engler. «Mit den heutigen tiefen Holzpreisen können aber mittlerweile nur noch knapp die Erntekosten gedeckt werden.»

Gebühren sind im Kanton zurzeit kein Thema

«Die Bevölkerung möchte alle Leistungen kostenlos wie bis ­anhin haben», erzählt Engler. Zu den Leistungen gehört unter anderem ein gepflegter Wald ohne Gefahr des Umfallens morscher Bäume. «Wir können nicht den Wald sperren, damit die Holz­ernte günstiger kommt, weil somit zur Sicherheit keine Absperrungen und aufwendige Holzerei gemacht werden müssten.» Auch dürfe der Wald nach Gesetz nicht grossflächig abgeholzt werden – auch wenn dies kostengünstiger wäre. Erwin Rebmann, Regionalförster des Werdenbergs und Rheintals, sagt dazu: «Leistungen des Waldes werden von allen kon­sumiert, der Waldbesitzer geht dabei aber leer aus.»

Gebühren seien für den Kanton St. Gallen zurzeit aber kein Thema. Waldeigentümer machen sich aber seit längerer Zeit Gedanken darüber, wie diese «fehlende Wirtschaftlichkeit des Waldes» aufgehoben werden kann. Einig sind sich alle: Es müssen Lösungen gesucht werden, damit Waldbesitzer für ihre Leistungen entschädigt werden können. Vor rund zehn Jahren gab es von­seiten des Waldwirtschaftsverbandes Überlegungen für einen «Waldfünfliber», weiss der Ortsgemeindepräsident. Für die Pflege des Schutzwaldes würden aber von Bund und Kanton Beiträge geleistet und die Idee wurde nicht weiterverfolgt.

«Eine kostengünstige Lösung kann nur über die Gemeindesteuer etwas bringen», ist sich Heinz Engler sicher. Die Erträge sollen aber nicht im Verwaltungsaufwand versickern. «Das Geld muss an die Eigentümer fliessen.» Heini Senn gibt bei diesem Lösungsvorschlag zu bedenken, dass zusätzliche Abgaben in der Regel bei der Bevölkerung nicht unbedingt beliebt seien.

Kommenden September finden die «Tage des Schweizer ­Holzes» statt. «Damit möchte man die Bevölkerung sensibilisieren, bei Bauvorhaben vermehrt wieder auf Schweizer Holz zu setzen», in­for­miert Heini Senn. Dies würde den Waldeigentümern, und schlussendlich den Waldnutzern zugutekommen.

 

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch