REGION: Fleissiger Wahlkreis Toggenburg

Die SP war einst die stärkste Partei im Werdenberg, mittlerweile dominieren FDP und SVP den Wahlkreis. Diese und andere Erkenntnisse liefert statistisches Zahlenmaterial der Kantonsratwahlen 2004 bis 2016.

Armando Bianco
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Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

Bei den Parteistärken im Kantonsrat gab es von 2004 bis 2016 einen deutlichen Gewinner, die SVP hat von knapp unter 25 Prozent auf knapp unter 30 Prozent zugelegt. Verliererin ist die CVP, welche von rund 28 Prozent im Jahr 2004 auf knapp mehr als 20 Prozent im 2016 abgerutscht ist. Leicht steigern konnte sich die FDP von 18 Prozent auf etwas mehr als 20 Prozent. Verluste eingefahren hat auch die SP, welche rund zwei Prozent auf rund 16 Prozent nachgegeben hat. Weitere Parteien wie EVP, Grüne, GLP, BDP bewegen sich zwischen 2 und 6 Prozent. Das sind die Zahlen auf kantonaler Ebene, welche das Amt für Statistik kürzlich veröffentlicht hat.

FDP ist die Aufsteigerin im Wahlkreis Werdenberg

In der Region Werdenberg ist es nach der Verkleinerung des Kantonsrats (von 180 auf 120 Sitze) im Jahr 2008 schwieriger geworden, einen neuen Sitz zu gewinnen. Die bedingte grössere Veränderung der politischen Verhältnisse senkt zudem für kleinere Gruppierungen den Anreiz, eigene Listen aufzustellen. Mit neun Sitzen ist das Werdenberg aktuell der kleinste Kreis im Kanton, an der Spitze liegt der Wahlkreis St. Gallen mit satten 29 Sitzen.

Das Werdenberg war bis 2004 die Region, in der die SP ihre höchsten Wähleranteile im Kanton erreichte. 2004 war sie hier sogar stärkste Kraft, rutschte bis 2016 aber unter einen Anteil von zwanzig Prozent. Markant ist die Zunahme der Parteistärke der FDP im Wahljahr 2016, wo sie auf mehr als dreissig Prozent Stimmenanteil kam und die SVP überholte. Bei zehn Prozent oder etwas darunter liegen die CVP und die EVP. Für letztere stellt dies bei weitem den höchsten Stimmenanteil in einem Wahlkreis dar, ändert aber nichts daran, dass die Partei nach den Wahlen letzten Herbst aus dem Parlament ausgeschieden ist.

BDP, Grüne und GLP, welche im Kantonsrat eine Fraktion bilden, liegen bei etwa 3,5 Prozent.

Potenzial für Parteilose in der Region Toggenburg

Die SVP hat die früher dominierende CVP als stärkste politische Kraft im Toggenburg abgelöst und zuletzt fast einen Drittel Stimmenanteil erreicht, währenddem die CVP nun etwas weniger als einen Viertel der Stimmen auf sich vereint. Auch die FDP als drittstärkste Partei verliert Stimmen und ist erstmals seit langer Zeit unter die 20-Prozent-Marke gefallen. Die SP bewegt sich stabil zwischen 11 und 13 Prozent. Bemerkenswert ist im Toggenburg das Potenzial für kleinere, wechselnde Gruppierungen, die im Bericht des kantonalen Amtes für Statistik unter «Diverse» zusammengefasst sind. 2016 errang gar ein Parteiloser (Martin Sailer, Unterwasser), wenn auch auf einer Liste der SP, einen Sitz im Kantonsrat.

Die Wahlbeteiligung ist im Kanton St. Gallen in den letzten Kantonsratswahlen von 34,5 Prozent im Jahr 2004 auf 37,6 Prozent im Jahr 2012 angestiegen, um dann im Jahr 2016 45,3 Prozent zu erreichen. Unter den Wahlkreisen wies das Toggenburg an allen Wahlen die höchste Wahlbeteiligung auf, 2016 nahm fast die Hälfte aller Wahlberechtigten teil. Der Wahlkreis Werdenberg lag in allen vier Wahlen stets im Mittelfeld. Meistens am «wahlfaulsten» ist die Region See-Gaster.

Augenfällig ist auch die Untervertretung der Frauen. Ihr Anteil an der wahlberechtigten Bevölkerung betrug Ende 2015 51,7 Prozent, bei den Kandidierenden 2016 waren es 29,1 Prozent.