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REGION: Erstaunlich viele Vögel leben mitten unter uns

Haussperling, Amsel und Co. haben längst den Siedlungsraum als «Wohnraum» entdeckt. Doch auch andere Artgenossen suchen sich zunehmend ihren Platz in die Nähe der Menschen.
Heidi Aemisegger,
Jungvögel der Haussperlinge bleiben, nachdem sie flügge geworden sind, einige Tage an den gelblichen Schnabelwülsten erkennbar. (Bild: Harald Bühler)

Jungvögel der Haussperlinge bleiben, nachdem sie flügge geworden sind, einige Tage an den gelblichen Schnabelwülsten erkennbar. (Bild: Harald Bühler)

Es ist erstaunlich, wie viele Vögel mitten unter uns im Dorf leben. Ein Baum, wenig Sträucher und ein kleines Stück Wiese oder Rasen locken sie an. Alles verspricht Futter oder einen Nistplatz.

Die Amsel ist die bekannteste von allen. Sie sammelt Würmer, um damit zum verborgenen Nest zu fliegen. Aus den Sträuchern ertönt das wohlklingende Lied der Mönchsgrasmücke. Sie dringt immer weiter in den Siedlungsraum vor. Der Hausrotschwanz war schon immer Gast auf den Häusern, um dort einen geschützten Winkel für sein Nest zu finden. Ungeliebte Elstern und Raben lassen sich schwer vertreiben. Sie suchen auch Balkone nach Futter ab.

Der häufigste Vogel in Menschennähe ist der Haussperling. Selten alleine, meist in verschieden grossen Trupps taucht er dort auf, wo es etwas zu picken geben könnte: auf Pausenplätzen, bei Parkbänken, Gartenrestaurants, auf dem Bahnhof. Sein Gefieder ist unauffällig, der Rücken braun mit dunklen Längsstreifen, die Vorderseite grauweiss. Das Männchen hat eine graue Kopfplatte und einen schwarzen Fleck an Kehle und Brust.

Auffällig ist das laute Tschilpen

Nach E. Bezzel haben sich die Haussperlinge vor 10000 bis 15000 Jahren den Menschen angeschlossen. Als dieser mit Ackerbau begann, war der Tisch auch für die Spatzen gedeckt. Bis heute kennt der Haussperling wenig Scheu vor den Menschen, bleibt jedoch wachsam, um blitzschnell wegfliegen zu können, vielleicht nur wenige Meter weit. Er frisst beinahe alles: Insekten, Samen, Früchte, Knospen und liegengelassene Essensreste. Sein Nestplatz ist ebenfalls in Menschennähe. Als Höhlenbrüter schlüpft er unter Ziegel und in Mauerlöcher. Beliebt sind Nisthilfen jeder Art und die Röhren der Strommasten. Haussperlinge sind oft etwas schmuddelig, da sie auf der Strasse leben, jedoch drollige Kerlchen.

Es gibt auch die Feldsperlinge. Sie sind etwas kleiner, Rücken und Vorderseite sind sehr ähnlich wie bei den Haussperlingen. Die Kopfplatte ist braun. Auf den hellen Wangen ist ein dunkler Fleck. Dies ist das beste Merkmal. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.

Sie bewohnen den Rand der Siedlungen, gerne Hecken und Waldränder. Zur Nahrungssuche fliegen sie im Schwarm auf Äcker und Felder. Sie brauchen weder Brot noch Kuchen. Zum Brüten mögen auch sie Nistkästen, jedoch solche am Waldrand. Sie suchen Baumhöhlen oder Schlupflöcher in Gartenhäuschen oder Schöpfen. Die Strommasten sind auch beliebt.

Die Piepmätze verraten sich

21.6. Die zweite Brut der Kohlmeisen in einem Nistkasten auf einem Balkon kommt zum Abschluss. Sechs Jungvögel verlassen den Nistkasten. Nun wird aus allen Sträuchern gepiepst und nach Futter gebettelt. Sie betteln mit durchdringenden, leicht klagenden «Dä, dä, dä»-Rufen. Da die Jungen asynchron innerhalb ein bis fünf Tage schlüpfen, befinden sich noch weitere Piepmätze im Kasten, die gefüttert werden müssen. So trägt ein Paar für seine Brut 10000 bis 15000 Futterportionen heran! (BirdLife CH) Nach dem Ausfliegen bleibt die Familie noch etwa drei Wochen zusammen. Eine gefährliche Zeit für alle Jungvögel.

23.6. Das Munzenriet in Wildhaus ist wohl eines der am tiefsten gelegenen Brutgebiete für Braunkehlchen und Baumpieper im Kanton St. Gallen. Leider ist es als Schutzgebiet zu wenig klar bezeichnet. Ob dies eine Entschuldigung ist für Hundehalter, die ihre Tiere mitten in diesen Lebensraum zum Spielen hineinschicken? Auch für Blumenfreunde lohnt sich im Sommer ein Spaziergang, natürlich auf den Wegen.

Heidi Aemisegger,

Edith Altenburger

redaktion@wundo.ch

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