REGION: Ein lebensgefährlicher Schwitzkasten

Das Kreisgericht hat einen Mann schuldig gesprochen, der mehrfach seine Erregungen nicht unter Kontrolle hatte. Jetzt muss er sofort ins Gefängnis, wenn er seine Therapie abbricht.

Drucken
Teilen

Die vier Vorfälle, welche zur Beurteilung anstanden, schienen so unnötig wie sinnlos. Das schwerwiegendste Ereignis entwickelte sich aus einer spontanen Nachbarschaftshilfe heraus. Denn weil der Beschuldigte ein schweres Möbel verrücken musste, suchte er Unterstützung im Umfeld. Ein freundlicher Nachbar sprang zur Hilfe bei, nach geglücktem Manöver gab’s zwei Flaschen Wein. Doch die Stimmung wurde bald gereizter, vor allem, als der Nachbar ein Hundehalsband sah und kritisierte, weil es nicht artgerecht sei und es schliesslich wegsteckte.

Da attackierte der Angeklagte in spontaner Wut den Nachbarn, rang ihn zu Boden, schlug und würgte ihn, bis jener blau im Gesicht war und zeitweise bewusstlos. In all dem Chaos forderte er die Rückgabe des Halsbandes. Erst einer nach einer halben Stunde herbeigeeilten Frau gelang es, mit wenigen Worten den Furor zu beenden. Das Opfer trug Blutergüsse, Schürf- und Bisswunden davon. Vor allem aber hatte es wegen einer Nichtigkeit in Lebensgefahr geschwebt, so der Staatsanwalt.

Mehr als nur eine einfache Körperverletzung

Die Vorgehensweise sei skrupellos, egoistisch und krass unverhältnismässig gewesen, hiess es weiter. Hautabdrücke und Wunden am Hals des Opfers belegten, dass eine konkrete Lebensgefahr bestanden habe, kann doch eine «fortdauernde Halskompression», wie der Schwitzkasten juristisch korrekt heisst, zu unumkehrbaren Hirnschäden und zum Tod führen. Darum sei hier nicht nur einfache Körperverletzung zu bestrafen, sondern auch die so genannte Gefährdung des Lebens nach Artikel 129 des Strafgesetzes. Wenig souverän hatte sich der Angeklagte auch bereits wenige Monate zuvor beim Besuch einer sozialen Geschäftsstelle verhalten.

Dort arbeitete seine Beiständin, die er in einer Finanzsache zur Rede stellen wollte. Weil er aber, nicht zuletzt wegen negativer Vorerfahrungen, dort keinen Zutritt bekam, riss er in seiner Wut zwei Infotafeln zu Boden. Der Sachschaden betrug 210 Franken. Dramatischer entwickelte sich ein Angriff auf die Mitarbeiterin einer anderen Dienststelle. Diese nahm er ohne erkennbaren Anlass bei der Begrüssung in den Schwitzkasten. Zwei erfahrene Fachleute, die ihn begleiteten, klärten die Lage zwar binnen Sekunden, das Opfer musste gleichwohl in ärztliche Behandlung. Die Anklage forderte 22 Monate Haft unbedingt, zusammen mit der Anordnung einer ambulanten, fachärztlichen Behandlung. Die Haft sei allenfalls zu Gunsten der Behandlung aufzuschieben. Die Verteidigung plädierte auf 16 Monate Haft, jedoch nur bedingt und allenfalls zu Gunsten der Behandlung aufzuschieben. Der eigentliche Schuldspruch war an sich eine klare Sache, befand das Gericht, denn letztlich waren die Taten unbestritten, auch vom Beschuldigten nicht. Dies galt namentlich für den schwersten Vorwurf, jenen der Gefährdung des Lebens, aber auch für die einfache Körperverletzung, versuchte Nötigung und Drohung wie Gewalt gegen Behörden.

Schwieriger gestaltete sich die Frage, welche Strafe dafür angemessen sei. Denn der Täter sei zwar laut Gutachten voll schuldfähig, hiess es, weise aber dennoch psychische Einschränkungen auf und befinde sich deshalb auch schon bisher in Behandlung.

Knast, falls Therapie abgebrochen wird

Das Gericht sprach letztlich ein Strafmass von 16 Monaten aus, dies aber unbedingt. Allerdings wird der Vollzug aufgeschoben, so lange der Mittvierziger regelmässig seine Therapie besucht. Bricht er sie ab, muss er umstandslos in den Knast, schrieb ihm das Gericht ins Stamm­- buch. Immerhin hat er bereits rund fünf Monate abgesessen, durch ­Untersuchungshaft und Unterbrin­gungen.

Zu Buche dürften auch die Verfahrenskosten schlagen, die sich auf fast 34000 Franken belaufen. Der Verurteilte liess eher kleinlaut durchblicken, dass er sich an die Regeln und an seine Auflagen halten werde. (rem)