REGION: Diese Goldschrecke gibt es nur auf den Churfirsten

Botanisch gesehen hat die Region Werdenberg und Obertoggenburg sehr viel zu bieten: Die Pflanzenvielfalt ist so hoch wie fast nirgendwo sonst in der Schweiz. Auch manch seltenes Tier gibt es nur noch hier.
Kupferrote Variante des Weibchens der Schweizer Goldschrecke auf dem Chäserrugg. (Bild: René Güttinger)

Kupferrote Variante des Weibchens der Schweizer Goldschrecke auf dem Chäserrugg. (Bild: René Güttinger)

Ursula Wegstein

Botanisch gesehen gehört der Kanton St.Gallen zu den reichhaltigsten Gebieten der Schweiz. In den Regionen Werdenberg und Sarganserland ist die Pflanzenvielfalt so hoch wie fast nirgendwo sonst im nationalen Vergleich. Die höchste Anzahl mit 1400 Arten verzeichnet die Kartierfläche Buchs.
Die besondere Vielfalt führt Rudolf Staub von der Botanisch-Zoologischen Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg auf das grosse Spektrum an Lebensräumen in dieser Region zurück. «Wir haben von den Tallagen auf 400 Metern bis hin ins hoch alpine Gebiet auf 2,500 bis 3,000 Metern ein breites Spektrum an Lebensräumen: Hochlagen und Tallagen, Hochmoore und trockene Magerwiesen, sonnenexponierte Lagen und fönbegünstigte Lagen, Nordlagen und Südlagen. Zudem habe es eine Vielzahl guter Botaniker in diesem Gebiet, die das Gebiet untersucht und entsprechende Entdeckungen gemacht hätten.

Goldschrecke, Tagfalter und Feldhase

Hier findet sich eine beträchtliche Anzahl von Arten, für deren Erhalt die Schweiz und der Kanton eine besondere Verantwortung tragen, wie die Schweizer Goldschrecke, die weltweit ausschliesslich auf dem Gamser- und dem Chäserrugg und einigen weiteren Gipfeln der Churfirsten vorkommt. Diese Heuschreckenart mag es kalt und tarnt sich gerne. Diese seltene Schweizer Goldschrecke – Podismopsis keisti – ist nach ihrem Entdecker, dem Arzt Bruno Keist aus Ebnat-Kappel benannt.
Wichtige Refugien für national gefährdete Pflanzenarten befinden sich laut der Strategie besonders zwischen Sargans und Grabs. Einen grosser Bestand an Tagfaltern findet sich in den Flach- und Hochmooren der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann. Während in der übrigen Schweiz nur wenige «Grosse Wiesenvögelchen» anzutreffen sind, gibt es dort noch Populationen mit über 900 Individuen.

Im Rheintal findet sich die schweizweit zweitgrösste Population der Bachmuschel, einer vom Aussterben bedrohten Grossmuschel. Auch die Anzahl der Feldhasen sei im St.Galler Rheintal erfreulich hoch.

Biologische Vielfalt nimmt massiv ab

Ziel der Biodiversitätsstrategie ist es, die biologische Vielfalt im Kanton langfristig zu erhalten. Der aktuelle Zustand der Biodiversität sei generell ungenügend. Seit dem Jahr 1900 hat die biologische Vielfalt in der Schweiz massiv abgenommen. Gründe hierfür sind hauptsächlich die intensivere Landnutzung in den Tallagen, die Zerstörung von Lebensräumen, die Zunahme der Bevölkerung und die Ausdehnung des Siedlungsraumes sowie der Infrastrukturanlagen.

Die biologische Vielfalt ist für den Menschen von grosser Bedeutung, sind doch die Lebensräume und die darin existierenden Arten Bestandteile von Trinkwasser, Nahrung, Energie, Kleidung und Medizin.

Zudem bieten natürliche Lebensräume Schutz vor Lawinen, Steinschlag, Hochwasser und Erosion. Indem sie Kohlenstoff speichern, tragen natürliche Lebensräume zum Klimaschutz bei. Durch die Sauerstoffproduktion, die Bodenbildung und die Aufrechterhaltung des Nährstoff- und Wasserkreislaufs sorgen Ökosysteme für fruchtbare Böden.

Verlust von Fauna und Flora irreversibel

Die derzeitige Entwicklung der weltweiten kontinuierlichen Abnahme an biologischer Vielfalt bewirkt der Biodiversitätsstrategie zur Folge nicht nur einen irreversiblen Verlust von Flora und Fauna, sondern birgt auch weitere Risiken für den Menschen und die Wirtschaft als Ganzes.
Vor dem Hintergrund, dass die biologische Vielfalt künstlich nicht ersetzt werden kann und die heutige Wissenschaft nicht weiss, welche Funktion die meisten Arten im Ökosystem einnehmen, sieht die Biodiversitätsstrategie eine grosse Dringlichkeit, eine Trendwende beim Biodiversitätsverlust herbeizuführen. Die Strategie zeichnet alles andere, als ein rosiges Bild: Fast die Hälfte aller Lebensräume gilt als gefährdet. Arten werden seltener, genetische Vielfalt geht laufend verloren. Im Flachland verschwinden immer mehr Pflanzenarten.

Rund 14 Franken je Einwohner gab der Kanton St.Gallen zusammen mit den Gemeinden bisher jährlich für die Erhaltung der Biodiversität aus. Weitere 67 Franken pro Kopf und Jahr investierte zusätzlich der Bund. Die Umsetzung der Massnahmen kostet den Kanton 1.30 Franken zusätzlich pro Einwohner und Jahr.

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