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REGION: Die Tücken der E-Bikes

Die Verkehrsunfallstatistik fiel 2016 positiv aus. Das E-Bike bleibt ein Sorgenkind unter den Fortbewegungsmitteln. Im Werdenberg ist es beliebt. Doch die Unterschiede zum Velo werden im Verkehr unterschätzt.
Mengia Albertin
Für langsame E-Bikes mit Tempo unter 25 km/h gelten die gleichen Regeln wie für herkömmliche Velos. Für schnelle E-Bikes bis 45 km/h (Motor mit einer Nennleistung des Elektroantriebs von 500 Watt) gilt bei den abgebildeten Strassenschildern: Motor abschalten. (Bild: PD)

Für langsame E-Bikes mit Tempo unter 25 km/h gelten die gleichen Regeln wie für herkömmliche Velos. Für schnelle E-Bikes bis 45 km/h (Motor mit einer Nennleistung des Elektroantriebs von 500 Watt) gilt bei den abgebildeten Strassenschildern: Motor abschalten. (Bild: PD)

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

Viele Radfahrer nutzen die Unterstützung des Elektromotors, um auch an den herrlichen Herbsttagen das Radfahren noch zu geniessen. Doch die schweren Unfälle mit E-Bikes, auch auf den Strassen der W&O-Region, machen die Gefahren dieser Gefährte offensichtlich (siehe W&O vom 13. Oktober). Im Kanton St. Gallen ist die Zahl der E-Bikes im vergangenen Jahr um 14 Prozent gestiegen, und auch bei den regionalen Velohändlern ist die Nachfrage nach wie vor gross.

Die Zahl der Unfälle habe sich aber im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, sagt der Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, Florian Schneider. Dabei sei vor allem die ältere Generation beim Fahren mit den E-Bikes gefährdet. Die Kantonspolizei zeigt sich besorgt. Die Unterschiede eines herkömm­lichen Velos und eines E-Bikes werden von den Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern offensichtlich unterschätzt.

«Ungefähr 30 Prozent unserer Verkäufe sind E-Bikes. Der Grossteil davon sind immer noch Alltags-E-Bikes. Steigend sind die Verkäufe von E-Mountainbikes», sagt Othmar Ehrenzeller von ­Ehrenzeller Velos Motos in Buchs. Bei Beat Sport in Buchs machen die E-Bikes bei den verkauften Erwachsenen-Velos gar 50 Prozent aus.

Beide Velohändler weisen die Käufer von E-Bikes jeweils auf die potenziellen Gefahren hin. «Unsere Kunden bekommen Informationen zum Velo, und das Helmtragen gehört für uns zum E-Bike dazu», sagt Othmar Ehrenzeller. «Wir empfehlen bei Per­sonen, die nicht mehr so agil sind, Rückspiegel anzubringen. Das ­erleichtert das Retour­schauen», sagt Bruno Singer von Beat Sport.

Fahren mit dem E-Bike will geübt sein

Die Verursacher von Unfällen sind einerseits die E-Biker selbst, andererseits aber auch die rest­lichen Verkehrsteilnehmer, sagt der Mediensprecher der Kantonspolizei. Autofahrer und andere Velofahrer sehen ein entgegenkommendes Velo und unterschätzen dabei die Geschwin­digkeit eines E-Bikes. Viel ­schneller als vermutet treffen dann die ­beiden Gefährte auf­einander, und dies kann zu Missverständnissen oder gar Unfällen führen.

Die in E-Bike-Unfälle verwickelten Personen gehören in den meisten Fällen zur mittleren bis älteren Generation. «Die Gruppe im Alter ab 45 Jahren ist oft auch Unfallverursacher», sagt Florian Schneider. «Viele sind den ­Strassenverkehr nicht gewöhnt, weil sie vorher wenig Velo fuhren, da es zu anstrengend war. Sie ­bewegen sich nun unsicher auf der Strasse.» Wichtig sei in solchen Fällen, einen E-Bike-Kurs zu ­besuchen, bevor man sich aufs Pflaster wagt.

So sieht das auch Hansueli Litscher, Präsident der TCS-Regionalgruppe Sargans-Werdenberg-Fürstentum Liechtenstein. Kurse seien dringend nötig. «Das E-Bike reagiert einfach anders als ein Velo. Das realisieren viele Leute nicht.»

Das Tempo des elektronischen Fahrrads wird zum Beispiel unterschätzt – und damit auch der Bremsweg. Weil das E-Bike mehr Gewicht hat, legt es bei einer ­steilen Abwärtsfahrt ausserdem schneller an Tempo zu. Zudem ist die Bremswirkung stärker als bei einem herkömmlichen Velo. Das kann zu unerwartet starken Stopps führen. «Unfälle geschehen zum Beispiel auch, weil die Fahrt verlangsamt werden möchte und die Fahrer mit Treten aufhören. Aber das E-Bike fährt wegen des Motors weiter, als dies ein normales Velo tun würde.» In den angebotenen E-Bike-Einsteigerkursen des TCS wird über diese Tücken informiert, und zum Abschluss kann ein Parcours absolviert ­werden.

Wegen zu geringer Nachfragen laufe bezüglich der TCS-Kurse im gesamten Kanton St. Gallen aber wenig. Die Pro Senectute Rheintal-Werdenberg-Sarganserland möchte in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsclub Schweiz im Frühling einen Kurs zur Fahrsicherheit mit dem E-Bike an­bieten. «Wir stellen fest, dass im ­Alter verschiedene Fähigkeiten zurückgehen können. Beispielsweise das Sehen, Hören, die Reaktion oder das Gleichgewicht. Das ist aber immer sehr indivi­duell», sagt Gertrud Burtscher, Leitung Kurse und Gruppen der Regionalstelle von Pro Senectute. «Im Kurs soll in Theorie und ­Praxis gelernt werden, wie mit dem E-Bike umgegangen werden muss.»

Ausweisentzug nach alkoholisierter Fahrt

Welche Verkehrsregeln für die E-Bikes gelten, scheint nicht allen klar zu sein. «Langsame E-Bikes mit einer Geschwindigkeit unter 25 Kilometern pro Stunde werden im Strassenverkehr wie herkömmliche Velos behandelt. Aber schnelle E-Bikes mit einem Tempo bis zu 45 Kilometern pro Stunde und einem Motor mit einer Nennleistung des Elektroantriebs von 500 Watt gelten als Motorfahrrad. Bei ausgeschilderten Velowegen müssen sie den Motor abstellen», sagt der Mediensprecher der Kantonspolizei.

Bei einigen der Unfälle mit E-Bikes war übrigens auch Alkohol im Spiel. Hier ist wichtig zu wissen, dass E-Bikern mit einem Promille-Wert ab 0,8 oder 0,4 Milligramm Alkohol pro Liter bei ­Kontrollen an Ort und Stelle der Fahrausweis entzogen wird. Denn es handelt sich sowohl beim langsamen als auch beim schnellen E-Bike um ein motorisiertes Gerät, das wie ein «Töffli» eingestuft wird.

«Im Gegensatz dazu wird bei einem Velo nie an Ort und Stelle der Fahrausweis entzogen», informiert Florian Schneider. Ab 0,55 Milligramm pro Liter – 1,1 Promille – gibt es aber eine Busse. Das Velo kann zur Sicherheit beschlagnahmt werden. «Erst im Nachgang wird der Fahrausweis in einigen Fällen entzogen.»

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