REGION: «Die Rüfe fragt leider nicht: Seid ihr bereit oder nicht»

Seit jeher kämpft das Land Liechtenstein gegen schwere Rüfenniedergänge. Auch bei dieser Gefahrenquelle zeigt sich: Trotz intensiver Verbauung kann ein Vorfall wie im Jahr 1995 nie ausgeschlossen werden.

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Im Hochsommer 1995 wurden Teile der Gemeinde Triesenberg von einer Schlamm- und Gerölllawine überrollt. (Bild: PD)

Im Hochsommer 1995 wurden Teile der Gemeinde Triesenberg von einer Schlamm- und Gerölllawine überrollt. (Bild: PD)

Während in früheren Jahrhunderten die Verbauung der Rüfen mehr oder weniger eine private Angelegenheit war, griff der Staat nach mehreren schweren Rüfenniedergängen Anfang des 19. Jahrhunderts in die Sache ein. Trotzdem kam es immer wieder zu ­verheerenden Ereignissen. Besonders in Erinnerung sind die schweren Vorfälle in den Jahren 1970 und 1995.

1970 war von ausserordentlich schweren Rüfenniedergängen fast überall im Land gekennzeichnet. Ohne die in den Jahren zuvor realisierten Verbauungen wären in verschiedenen Gebieten wohl katastrophale Folgen zu erwarten gewesen. Am 28. Juli ging um 19.15 Uhr im Gebiet des Gips­berges ein sehr konzentriertes Gewitter nieder, das der Mühleholzrüfe den stärksten Rüfengang seit Jahrzehnten brachte (Quelle: Schaaner Heimatbuch).

Mehrere bekannte Rüfenzüge wurden nach diesem verheerenden Tag intensiv verbaut beziehungsweise mit Kiessammlern versehen. Und heute hofft die Bevölkerung, dass das lose Gestein in unseren Bergen bei einem Gewitter nicht in einem Schub herunterkommt.

Millionenschäden nach «Jahrhundert-Unwetter»

Das Jahr 1995 dürfte noch vielen in Erinnerung sein: Am 31. Juli wurden die Gemeinden Triesen und Triesenberg zwischen 20 und 22 Uhr von einem schweren Unwetter heimgesucht. In beiden Gemeinden mussten wegen Rüfenniedergängen, Erdrutschen und Überschwemmungen die Feuerwehren ausrücken.

Die Landstrasse zwischen Triesen und Balzers sowie die Auffahrten nach Triesenberg wurden zeitweilig gesperrt. Der Weiler Sütigerwies in Triesenberg wurde von einer Schlamm- und Gerölllawine überrollt, sodass acht Häuser evakuiert werden mussten. Von dort bewegten sich die Schlamm- und Wassermassen teils über die Land­strasse nach Triesen, wo die Ortsteile Runkels, Poska, Haldenweg und Bächlegatter stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Rund 80 Telefonanrufe wegen Wasserschäden gingen ein. In Teilen von Triesenberg waren auch die Telefonverbindungen unterbrochen.

330 Feuerwehrleute, 20 Polizisten, 20 Samariter und zehn Personen des Tiefbauamtes waren insgesamt im Einsatz. Das «Jahrhundert-Unwetter» hat Schäden in Millionenhöhe hinterlassen.

Desirée Vogt

redaktion@wundo.ch