REGION: Die Milch als Zankapfel

Die Schweizer Landwirtschaft steht unter Druck. Suizide von jungen Bauern und der Streit um den Milchpreis verdeutlichen die schwierige Lage.

Hanspeter Thurnherr
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Der Milchpreis führt immer wieder zu Reibereien zwischen den Produzenten und den Abnehmern im Milchmarkt. (Bild: Urs Jaudas)

Der Milchpreis führt immer wieder zu Reibereien zwischen den Produzenten und den Abnehmern im Milchmarkt. (Bild: Urs Jaudas)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

Zwei Themen rund um die Landwirtschaft machten in den letzten Wochen und Monaten Schlag­zeilen und warfen ein düsteres Licht auf die mögliche Zukunft der Branche. Einerseits gibt es immer mehr junge Bauern in der Schweiz, welche dem Druck nicht mehr standhalten und Selbstmord begehen.

Andererseits scheint die Situation zwischen den Produzenten und Abnehmern im Milchmarkt zu eskalieren. Stichwort: Streit innerhalb der Branchenorganisation Milch (BOM), welcher im angekündigten Austritt der Migros aus der Organisation gipfelt. Nicht zuletzt wurde der Konflikt befeuert durch einen Boykott­aufruf aus bäuerlichen Kreisen gegen den «orangen Riesen». Interessant sind in diesem Zusammenhang Zahlen und Aussagen des Schweizer Bauernverbandes von Anfang Juli. In einer Medienmitteilung fordert der Verband sämtliche Milchabnehmer auf, den festgelegten Richtpreis von 65 Rappen für Milch der höchsten Wertschöpfungsstufe und 47,9 Rappen für B-Milch zu bezahlen sowie ungerechtfertigte Abzüge einzustellen. Der Verband spricht denn auch von einer «ungenügenden Wertschöpfung für die Bauernfamilien» und einer «äusserst prekären wirtschaftlichen Situation auf den Milchbetrieben».

«Preise sind für einen Drittel der Bauern ruinös»

Für viele Milchbauern schwer nachvollziehbar ist, dass sie nur etwa 60 Rappen pro Kilogramm Milch erhalten, dies bei einem Verkaufspreis von rund 1.50 Franken. Sie verstehen auch nicht, dass die Abnehmer die geforderte Erhöhung von 3 Rappen pro Kilogramm Milch nicht zugestehen wollen. Und dies, obwohl die Milchmenge sinke und die Preise im Ausland anzögen.

In einer Übersicht schätzt der SBV den Produzentenpreis (als Mischpreis aus anteilmässiger A- und B-Milch) per 1. Juli, den die vier grossen Abnehmer Emmi, Cremo, Hochdorf und Elsa (Migros) bezahlen. Den besten Preis bietet dabei die Migros mit 61,1 Rappen, gefolgt von Hochdorf mit 57,95 Rappen, Emmi, 57,8 Rappen und Cremo 52,9 Rappen. Cremo trägt das Schlusslicht vor allem, weil sie weniger A-Milch abnimmt, dafür mehr von der billigeren B-Milch.

Wie Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten, kürzlich ausführte, kann ein Drittel der Milchbauern mit den aktuellen Preisen gut und ein Drittel akzeptabel leben. Für den letzten Drittel seien sie «ruinös tief». Wie ein junger Milchbauer im Werdenberg die Lage und die Zukunftsaussichten einschätzt, erfragte der W&O auf dem Grabser Erlenhof bei Roland Eggenberger.5