REGION: «Der Käfer kam immer wieder»

Der Kartoffelkäfer hat die Felder im Werdenberg dieses Jahr stärker befallen als in den Vorjahren. Schuld daran ist das warme und trockene Wetter. Kleinere Kartoffelernten sind die Folge davon.

Corinne Hanselmann
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Auch die Larven des Kartoffelkäfers richten Schaden an. Sie fressen die für das Wachstum der Knollen wichtigen Blätter ab. (Bild: Daniel Luther)

Auch die Larven des Kartoffelkäfers richten Schaden an. Sie fressen die für das Wachstum der Knollen wichtigen Blätter ab. (Bild: Daniel Luther)

Corinne Hanselmann

corinne.hanselmann@wundo.ch

Im Jahr 1937 erreichte der aus Übersee nach Europa eingeschleppte Kartoffelkäfer die Schweiz. 1943, während des Zweiten Weltkriegs, verbreitete er sich über alle Landesteile. Auch das Werdenberg blieb nicht verschont. Bekämpft wurde der Schädling, der die Kartoffelfelder kahl frass und die Ernte ausfallen liess, indem man die Larven und Käfer einsammelte. Eine müh­selige Arbeit, für die auch Schüler eingesetzt wurden.

Auch heuer frassen sich der Kartoffelkäfer und dessen Larven durch die Äcker der Region Werdenberg und dies mehr als in den Vorjahren. Der Käfer komme eigentlich jedes Jahr vor, ver­breite sich aber unterschiedlich stark, weiss Daniela Marschall von der Fachstelle Pflanzenschutz am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. «Dieses Jahr war der Befall ziemlich stark, weil das Wetter dem Schädling beste Bedingungen für die Entwicklung bot. Es ist bei Insekten generell so, dass sie sich bei warmem und trockenem Wetter schneller entwickeln, stärker vermehren und verbreiten», sagt die Fachfrau auf Anfrage des W&O.

Ohne Fotosynthese keine Kartoffeln

Den Schaden richtet dabei nicht nur der Kartoffelkäfer, sondern vor allem auch seine Larve an. Diese frisst sich an den Blättern der Kartoffelpflanze satt, bevor sie sich im Boden verpuppt, nach zwei Wochen als Käfer schlüpft und weiterfrisst. Wenn die Blätter abgefressen werden, bildet die Pflanze im Boden keine oder nur kleine Knollen aus, weil die Fotosynthese ohne Blattmasse nicht stattfinden kann. Die Käfer überwintern im Boden und legen im Frühling orangefarbene Eier an die Unterseite der Kartoffelblätter. Aus diesen schlüpfen innert 10 bis 14 Tagen die Larven. Diese sind leuchtend rot und werden bis zu einem Zenti­meter gross. Bei warmen Temperaturen wird diese Entwicklung deutlich beschleunigt.

Besonders häufig kommt der Schädling vor, wenn auf der­selben Fläche oder in unmittel­barer Nähe schon im Vorjahr Kartoffeln angepflanzt wurden. Eine gute Grundlage für die Vermehrung bieten dem Kartoffelkäfer die sogenannten Durchwuchskartoffeln. Diese gibt es, wenn beim vorhergehenden Anbau bei der Ernte Kartoffeln im Feld liegen blieben und im neuen Jahr austreiben. Im Frühling werden sie gerne von den Käfern, die im ­Boden überwinterten, befallen. «Sie vermehren sich und besiedeln danach anliegende Kartoffelfelder», erklärt Marschall.

Natürlich macht der Kartoffelkäfer auch vor privaten Schrebergärten nicht Halt. Wird ihm dort keine Beachtung geschenkt, ­können sich ungestört Popu­lationen aufbauen. Diese ver­breiten sich dann in umliegenden ­Feldern.

Bekämpft wird der Schädling heute, zumindest in der Land­wirschaft, nicht mehr indem man ihn einsammelt, sondern mit Insektiziden, die gespritzt werden. Diese werden erst eingesetzt, wenn eine bestimmte Befallsschwelle überschritten ist.

Felder werden regelmässig nach Käfern abgesucht

Vom «Leptinotarsa decemli­neata», wie er mit wissenschaftlichem Namen heisst, betroffen waren auch die Kartoffel-Produzenten der Müller Azmoos AG. «Vor allem kam der Käfer in diesem Jahr immer wieder», sagt René Gabathuler, stellvertretender Leiter Anbau und erster Ansprechpartner für die produ­zierenden Landwirte der Müller Azmoos AG. Reichte in anderen Jahren eine einzige Behandlung, bildeten sich dieses Jahr immer wieder neue Populationen, die bekämpft werden mussten, ergänzt er.

Da befallene Pflanzen nur ganz kleine Kartoffeln bilden, wird die Ernte kleiner. «Im Ex­tremfall kann der Ertragsausfall 80 Prozent betragen», so Ga­bathuler. Meistens beginne der Befall am Rand eines Kartoffelackers. Von dort aus fresse sich der Schädling dann durchs Feld. Um dies frühzeitig zu bemerken, werden regelmässig Kontrollgänge durch die Felder gemacht. Auch zum jetzigen Zeitpunkt sei man noch auf der Hut und mache Kontrollen. Gefährlich werden können die Käfer jetzt aber kaum noch. Die Ernte der frühen Lagerkartoffeln beginnt Anfang August.

Die derzeitigen Sommer­gewitter setzen dem Schädling zu, wie Daniela Marschall sagt: «Starke Niederschläge wie die vom Mittwochabend schwemmen die Käfer und die Larven von den Pflanzen runter, weshalb sich die Situation danach entspannt, bis eine neue Population aufgebaut wird.»