REGION: Den Naturkapriolen ausgesetzt

Am Mittwochabend zog ein Gewitter mit Böen und Hagel durchs Rheintal. Vom Hagel betroffen war besonders der Feldhof, Oberriet. Die Rebberge von Frümsen und Sax haben ebenfalls Schaden genommen.

Heidy Beyeler
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Der gereifte Salat kann kaum mehr auf den Markt gebracht werden. (Bilder: Heidy Beyeler)

Der gereifte Salat kann kaum mehr auf den Markt gebracht werden. (Bilder: Heidy Beyeler)

Heidy Beyeler

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Hans Graf, Feldhof Gemüse AG, hat seit gestern ein Problem: Er kann seine Kunden – grössere ­Detaillisten – im Moment nicht zufriedenstellen, ausser er geht auf Einkaufstour bei seinen Kollegen. Auf seinen Feldern in Oberriet und Rüthi wurden Salate wie Eisberg, Kopf- und roter Endivien-Salat sowie Lauchzwiebeln, Broccoli, Blumenkohl usw. Opfer eines länger andauernden Hagelniedergangs. Hans Graf spricht von einem Totalverlust. «Ja, das ist eben die Natur. Dagegen ist kein Kraut gewachsen und damit müssen wir umgehen können. Ein viel grösseres Problem haben wir aber, wie wir nun die Grosskunden zufriedenstellen, mit denen wir klare Verträge abgeschlossen haben», sagt Graf etwas gedämpft.

Es gibt sie allerdings auch ­Regionen in der näheren Um­gebung, die vom Hagel nicht betroffen wurden wie etwa Haag, Ruggell oder Bendern. Hansjürg Rohner vom Gemüsebetrieb Hilti’s Au in Haag hatte Glück, denn dort hat es nicht gehagelt. Hans Graf aus Oberriet wird da und dort auf seiner Einkaufstour nicht erfolgreich sein, weil auch seine Kollegen Verträge mit Abnehmern abgeschlossen haben. Und wenn es eng wird mit Lieferungen, wird auch der Preis sprunghaft reagieren. Ein Thema, mit dem sich die landwirtschaftlichen Produzenten von Nahrungsmitteln in der Schweiz immer wieder auseinandersetzen müssen. Denn die Konsumenten wollen ihre ­Salate und ihr Gemüse zu jeder Zeit einkaufen – egal, welche Kapriolen die Natur macht.

Die Rebberge in der Gemeinde Sennwald hat es auch erwischt. Nicht so drastisch zwar wie den Feldhof mit seinem bald ernte­reifen Gemüse. Winzer Otto ­Rohner, Sax, sagt zufrieden: «Ausser den Spitzentrieben wurden die bereits gut entwickelten Trauben nicht in Mitleidenschaften gezogen. Ja, es hat sich gelohnt, dass ich insbesondere an expo­nierten Stellen einen Hagelschutz angebracht habe, auch wenn es nicht so schön aussieht.»

Hagelschäden an den Traubenbeeren

Winzer Stefan und Anita Hörner waren gestern im Wingert. Sie waren überrascht, als sie die Hagelschäden an den heranwachsenden Traubenbeeren feststellten, die ohnehin durch den Frost im Frühjahr bereits dezimiert wurden. Stefan Hörner schätzt den Schaden grosso modo auf 20 Prozent; genaue Angaben kann er aber noch nicht machen. «Wir werden sehen», sagt er zuversichtlich, in Anbetracht dessen, dass nach dem Frost sowieso mit einem geringeren Ertrag zu rechnen ist. Stefan Hörner befasst sich ebenfalls mit der Möglichkeit, vorsorglich in einen Hagelschutz zu investieren. «Was hilft es, wenn wir in die Hagelschutz-Versicherung investieren und die ganze Ernte ist im Eimer?»

Im Staatswingert in Frümsen hat Betriebsleiter Mario Eggenberger gestern sofort präventive Massnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass zerplatzte Trauben­beeren wegen der zerstörten ­Beerenhaut durch Pilze und andere Einflüsse Schaden erleiden. Wie gross der Schaden sein werde, konnte er noch nicht abschätzen. Ihm war es wichtig, den Schaden zu begrenzen. Insgesamt kamen die Winzer im nördlichen Werdenberg wohl vorerst mit einem blauen Auge davon. Was ihnen die nächsten Monate noch bescheren werden, wissen sie freilich nicht.