REGION: Den Nachschub stoppen

Hobbyzüchter lassen viel zu viele Schildkröteneier ausbrüten. Keine Freude daran haben Vereine und Organisationen, die sich um das Wohl der Tierart kümmern.

Hanspeter Thurnherr
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Anfangs klein und «herzig», können Schildkröten rasch gross werden – und sehr lange leben. (Bild: Raphaela Birrer)

Anfangs klein und «herzig», können Schildkröten rasch gross werden – und sehr lange leben. (Bild: Raphaela Birrer)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

«Unzählige Schildkröten werden jedes Jahr in Tierheimen und Auffangstationen abgegeben, weil die Besitzer ihrer überdrüssig geworden oder mit der Haltung überfordert sind.» Dies schreibt die Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz (SIGS) zum Internationalen Tag der Schildkröten, der kürzlich stattfand. Diese Erfahrung macht auch Andrea Wellenzohn, Präsidentin des Tierschutzvereins Wartau. Auf der Internetseite des Vereins spricht sie gar davon, dass die Anzahl der Findel- oder Verzichtsschildkröten in den letzten Jahren «ein unerfreuliches Ausmass angenommen hat». Dabei ist das Aussetzen verboten und hat strafrechtliche Folgen.

Vor allem Wasserschildkröten verschiedenster Sorten landen zuhauf in der Wartauer Schildkröten-Station. Aber auch bei den Landschildkröten gibt es viele Fundtiere. «Und dies jedes Jahr vor allem auf die Sommerferien hin», weiss Andrea Wellenzohn und nennt die Gründe: Unüberlegte Anschaffung und die Vermehrung, kleine Wasserschildkröten, die im Aquarium zu gross werden, Arbeitsaufwand und Kosten werden unterschätzt. «Schildkröten sind zudem keine Tiere, die für Kinder geeignet sind. Denn die Freude geht schnell verloren. Da wäre eine Katze besser», rät Andrea Wellensohn.

Tipps und Merkblätter helfen weiter

Rund die Hälfte der Wasserschildkröten werden der Station zudem vom kantonalen Veterinäramt zugewiesen, weil sie wegen schlechter Haltung bei den Besitzern beschlagnahmt wurden. Deshalb ist sie überzeugt: «Wenn Besitzer eine Haltebewilligung haben müssten, würde die Lage bessern.» Doch eine solche ist nur für gewisse Arten nötig, obwohl die meisten Schildkrötenarten geschützt sind und strengen Handelsbestimmungen unterliegen.

Andrea Wellenzohn gibt möglichen künftigen Besitzern gerne Tipps und hilft mit den Merkblättern der SIGS. Zum Beispiel, wie eine Schildkröten-Anlage gebaut wird, wie die Tiere ernährt oder überwintert werden. Und dass ohne Wasserteich keine Wasserschildkröten gehalten werden sollen.

In der Medienmitteilung zum Tag der Schildkröte fordert die SIGS: «Stopp dem massenhaften Ausbrüten von Schildkröteneiern.» Dem stimmt auch Wellenzohn bei: «Der Markt für Landschildkröten ist gesättigt, es braucht keine Züchtungen.» Schuld ist der Handel mit Jungtieren an Börsen und übers Internet. Während sich die Züchter mit dem Ausbrüten von Schildkröteneiern ein hübsches Taschengeld verdienen, müssen von den Auffangstationen und Organisationen wie SIGS grosse Summen aufgebracht werden, um deren Betreuung sicherzustellen.

Der Aufruf am Internationalen Tag der Schilddkröte an die Bevölkerung: Keine solchen Jungtiere kaufen! «Die ‹Endlagerung› von Schildkröten in Auffangstationen kann nur eine Notlösung sein. Notwendig ist eine Unterbrechung des stetigen Nachschubs an niedlichen Jungtieren, welche Käufer zur Anschaffung von Schildkröten animieren, ohne Gedanken daran, ob sie die nötigen Einrichtungen bereitstellen und den langlebigen Tieren eine Perspektive für viele Jahre oder gar Jahrzehnte geben können», schliesst die SIGS ihren Appell.