REGION: Das Bibbern vor dem Hagel

Die Rebstöcke und Obstbäume tragen nach den Frostschäden massiv weniger Früchte als üblich. Noch bleibt den Bewirtschaftern die Hoffnung, dass das Wetter keine negativen Überraschungen mehr bringt.

Thomas Schwizer
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Beni Dürr bei den Himbeeren, die nach einem «Neustart» als Folge der Frostnächte von Ende April nun bestens gedeihen. (Bild: Ursula Dürr)

Beni Dürr bei den Himbeeren, die nach einem «Neustart» als Folge der Frostnächte von Ende April nun bestens gedeihen. (Bild: Ursula Dürr)

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch

Rebbauer Eugen Bärtsch, der im Raum Mels–Sargans zahlreiche Rebgüter besitzt, erwartet dieses Jahr nach den Frostschäden von Ende April an den frühen Trieben lediglich einen Drittel der üblichen Traubenmenge (siehe Titelseite). In den Rebbergen von Bärtsch Weine rechnet er pro Quadratmeter lediglich mit durchschnittlich 200 bis maximal 300 Gramm Rebgut. In normalen Jahren sind es, nach dem Zurückschneiden für eine gute Qualität, rund 900 Gramm.

Ein Trost für ihn und die anderen Rebberg-Bewirtschafter ist: Das Wachstum der nicht erfrorenen Triebe ist bisher dank guter Wetterbedingungen positiv verlaufen. Die Entwicklung der Trauben verläuft also vielversprechend.

Auch der kantonale Rebbaukommissär Markus Hardegger stellt fest, dass bisher ausser dem Frost keine anderen negativen Einflüsse die Kulturen beeinträchtigten. Die Rebbauern hoffen, dass das im Sommer und Herbst so bleiben wird.

«Arbeit wird schwieriger und aufwendiger»

Sorgen bereiten Eugen Bärtsch kräftige Gewitter mit Hagelschlag. Diese Gefahr ist an heissen Sommerabenden mit labiler Druckverteilung gegenwärtig. Er ist ein gebranntes Kind: Just in einem seiner Rebberge, der vergleichsweise wenig Frostschäden aufwies, habe ein lokaler Hagelschauer kürzlich rund 16 Prozent des Behangs vernichtet, sagt Bärtsch. Entsprechend bibbert er bei «heiklem» Wetterbericht jeweils – erst recht beim eh schon geringen Behang. Denn je näher die Trauben der Reife und dem Farbumschlag kommen, desto verletzlicher sind sie.

Generell würden die Wetterextreme zunehmen, stellt Bärtsch fest. Das mache die Arbeit der Winzer schwieriger – und auch aufwendiger. Schon bisher gelte in diesem Jahr, dass der massiv geringere Ertrag bei gleichem Aufwand den Kostendruck verstärke. Heuer sei das Kosten-Ertrag-Verhältnis tiefrot, stellt Eugen Bärtsch fest.

Trotzdem denkt er positiv. Wenigstens seien wegen des Frostes von Ende April keine Rebstöcke «eingegangen». Insgesamt seien die Voraussetzungen für einen Spitzenjahrgang 2017 gegeben. Wenn die Witterung für den weiteren Wachstums- und Reifeprozess bis zur Ernte positiv bleibt, würde letztlich eine hohe Qualität über die ausserordentlich geringe Erntemenge hinwegtrösten.

Starke Ertragsunterschiede je nach Lage

Rebbaukommissär Markus Hardegger weiss, dass je nach Lage der Rebberge die Ernteausfälle stark unterschiedlich sind. Es gebe an einigen Orten rund zwei Drittel des durchschnittlichen Jahresbehangs, an anderen Orten massiv weniger.

Neben dem Rebbau muss auch der Obstbau in diesem Jahr hohe Ernteeinbussen in Kauf nehmen. «Bei den Äpfeln sind die Befürchtungen von Ende April eingetroffen», stellt Andreas Gantenbein aus Grabs fest. Interessant sei, dass der Ernteverlust durch erfrorene Triebe bzw. Blüten je nach Lage sehr unterschiedlich ausfalle. Auffallend sei, dass diese Unterschiede schon bei nahe beieinanderliegenden Kulturen beträchtlich sind. So werde es in einer Plantage an der Fabrikstrasse in Grabs gar keine Äpfel geben. Gleich oberhalb des Dorfes, nur wenig höher gelegen, sehe es dagegen besser aus – doch auch hier gebe es Ausfälle gegenüber durchschnittlichen Jahren. Insgesamt schätzt Gantenbein seine Ernteausfälle auf 30 bis 50 Prozent.

Obstbauer Florian Vetsch aus Grabs war als Ernteschätzer im Kanton St. Gallen unterwegs. Ein einheitliches Bild betreffend der Frostschäden gebe es nicht, stellt er fest. «Bei einem Bauern ist eine Sorte weniger betroffen, beim anderen die gleiche Sorte dagegen mehr.» Zudem sei in der gleichen Obstanlage ein Teil der Blüten erfroren, ein anderer dagegen deutlich weniger. Sehr stark betroffen seien Zwetschgen.

Generell stellt Vetsch fest, dass frühe Obstsorten sehr stark betroffen waren, jene mit späteren Sorten teils nur wenig Frostschäden aufweisen. Hinzu kämen einzelne Frost-Folgeschäden an der Frucht, beispielsweise betreffend der Form.

Florian Vetsch bestätigt, dass die Ernte von Ostschweizer Obst insgesamt deutlich kleiner als üblich ausfalle. «Es gibt aber trotz der Frostschäden keinen Totalausfall», betont er. Es gebe auch von der Ernte 2017 Äpfel, Zwetschgen und Birnen aus der Region Werdenberg-Rheintal und auch aus dem Kanton Thurgau.

Kaum betroffen seien das Wallis und der Kanton Waadt. Dort seien Berieselungsanlagen weit verbreitet, die als Vorbeugung gegen Frostschäden genutzt werden können. Vetsch hat in den Frostnächten einen Teil seiner Obstplantagen berieselt und oder mit Frostkerzen «befeuert». «Dort war es etwas besser», stellt er fest. Trotzdem erwartet er aus seinen Plantagen nur 30 Prozent des normalen Ertrages.