REGION: Das Bauernhofsterben hält an

Innert Jahresfrist hat die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe im Werdenberg erneut um drei Prozent abgenommen. Wer überleben will, setzt auf grössere Flächen und mehr Hühner.

Ruben Schönenberger
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Es werden immer mehr Nutzhühner gehalten. Seit 2010 hat sich die Anzahl Hühner im Werdenberg verdoppelt. (Bild: Mareycke Frehner)

Es werden immer mehr Nutzhühner gehalten. Seit 2010 hat sich die Anzahl Hühner im Werdenberg verdoppelt. (Bild: Mareycke Frehner)

Ruben Schönenberger

Corinne Hanselmannredaktion@wundo.ch

327 Landwirtschafsbetriebe gab es Ende des vergangenen Jahres im Werdenberg noch. 51 Bauernhöfe sind seit dem Jahr 2010 verschwunden (–13,5 Prozent). Zwischen Ende 2015 und Ende 2016 sind es zehn Betriebe weniger geworden. Für Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbands, liegt die Ursache in erster Linie darin, dass viele Bauern keine Nachfolge finden. «Wenn ein Betriebsleiter in Pension geht und innerhalb der Familie keinen Nachfolger findet, ist das oft gleichbedeutend mit der Schliessung», sagt er. Teilweise seien die Betriebe schlicht zu klein, als dass sie jemand übernehmen wolle. «Das ist eine Art natürlicher Strukturwandel», erklärt Widmer.

Dies zeigen auch die Zahlen der landwirtschaftlichen Strukturerhebung: Während 2010 erst 11 Prozent der Betriebe über 30 Hektaren Land bewirtschafteten, sind es heute 17 Prozent. Der Anteil der kleinen Betriebe mit unter 10 Hektaren ist von 31 auf 28 Prozent geschrumpft, mehr als jeder fünfte kleine Betrieb ist verschwunden. Mittelgrosse Betriebe mit 10 bis 30 Hektaren Nutzfläche machten im Jahr 2010 58 Prozent aller Bauernhöfe aus, heute noch 54 Prozent. Die durchschnittliche Fläche, die von einem Betrieb bewirtschaftet wird, ist von 17,3 auf 19,5 Hektaren gewachsen.

Seit 2014 ist die Fläche noch wichtiger

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Toggenburg. Dort wuchs die durchschnittliche Nutzfläche pro Betrieb von 15,9 auf 17,8 Hektaren. Auch dort nahm die Anzahl der grossen Betriebe zu, die der mittleren und kleinen Höfe sank.

«Der Boden steht als wichtigste Ressource im Zentrum», sagt Widmer. Mit der neuen Agrarpolitik gelte das seit 2014 noch verstärkt. «Seither ist das Direktzahlungssystem eng an die Fläche gekoppelt.» Nicht nur die Grösse ist entscheidend für das Fortbestehen eines Betriebes, sondern auch seine Ausrichtung. Schweine werden seit 2010 immer weniger gehalten. Von damals 12005 Schweinen sank der Bestand im Werdenberg auf 9680 (–19,4 Prozent). Beim Rindvieh ging der Bestand um 6,5 Prozent zurück – es werden rund 12000 dieser Tiere im Werdenberg gehalten. Die grösste Veränderung ist bei den Nutzhühnern zu beobachten. Ihre Anzahl steigert sich kontinuierlich. Seit 2010 hat sie sich verdoppelt auf rund 53000 Tiere. Etwa ein Viertel dieser Hühner wird in der Statistik als Lege- beziehungsweise Zuchthühner ausgewiesen. Die restlichen rund 38500 fallen in die Kategorie der übrigen Nutzhühner. Darin enthalten sind die Mastpoulets.

Mehr Poulet und weniger Import

Bei diesen Mastpoulets ortet Widmer denn auch die Ursache für das Wachstum. Es seien einige Ställe gebaut worden. «Der Trend im Markt geht in diese Richtung. Die Konsumentinnen und Konsumenten essen heute mehr Poulet», erklärt er. Zusätzlich würde heute auch weniger importiert als noch vor einigen Jahren. Der Trend hin zur Hühnerhaltung könnte sich im Werdenberg bald nochmals verstärken. In Frümsen ist gerade ein Betrieb in Entstehung; in Gams wurde erst kürzlich ein mobiler Stall in Betrieb genommen (der W&O berichtete). Widmer sieht derzeit auch keine Anzeichen einer Trendumkehr. «Es gibt noch weiteres Potenzial für die Geflügelhaltung», ist er sicher.

Die Milchproduktion wird aufgrund der schlechten Preise auch im Werdenberg weiter zurückgehen. Die Landwirte werden im Grünlandgebiet alternative Formen in der Rindvieh- haltung suchen und Betriebe umstellen. «Auf den guten Böden wird eine Entwicklung hin zu mehr pflanzenbaulicher Produktion stattfinden», prophezeit Widmer.

Mit der abnehmenden Anzahl Betriebe erstaunt es wenig, dass auch die Anzahl der Beschäftigten weiterhin abnimmt. 2016 arbeiteten noch 865 Per­sonen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, ein Minus von fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.