REGION: Baumkrankheit schreitet voran

Eine ernstzunehmende Pilzkrankheit befällt die Bäume in der gesamten Schweiz. So auch im Werdenberg. Betroffen ist die zweitwichtigste Laubbaumart in unseren Wäldern: die Esche.

Mengia Albertin
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Befallene Eschen weisen Welke-Symptome auf. Dies können braune Flecken auf den Blättern sein oder ­abgestorbene Triebe. (Bild: PD)

Befallene Eschen weisen Welke-Symptome auf. Dies können braune Flecken auf den Blättern sein oder ­abgestorbene Triebe. (Bild: PD)

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

Innerhalb von wenigen Jahren hat sich die Pilzkrankheit «Eschentriebsterben» in der Schweiz ausgebreitet. Auch im Werdenberg, insbesondere in Gams, sind die Eschen betroffen, bestätigt Erwin Rebmann, Regionalförster Werdenberg-Rheintal. Wie die Staatskanzlei St. Gallen in einer Medienmitteilung von Mittwoch verlauten liess, nehme die Sicherheits­problematik wegen herunter­fallender Äste zu. Das Eschensterben ­werde das Waldbild verändern. Im Schutzwald sei sie eine kaum ersetzbare Baumart und aus ökologischen, wie auch wirtschaftlichen Gründen sehr wertvoll.

«Die Lage in unserer Region unterscheidet sich in keinster Weise von der unguten Situation im gesamten Kanton St. Gallen», sagt Rebmann. Besonders betroffen vom Eschentriebsterben sei Jungwald. Auch alte Bäume werden durch die Krankheit angegriffen, diese haben aber eine stärkere Widerstandskraft. Die Laubbäume sind in der gesamten Region Werdenberg in tiefen bis mittleren Lagen anzutreffen und werden allesamt durch die Pilzkrankheit bedroht.

Die Esche bevorzugt lehmige, feuchte Böden, wie sie in Gams, im Wartau und in Grabs vor­kommen. Weniger beliebt sei ­beispielsweise der eher trockene ­Boden in Sennwald. «Ein Grossteil der Eschen ist besonders nach grösseren Sturmereignissen im vergangenen Jahrhundert auf den daraus entstandenen Böden gewachsen. Die Laubbäume haben sich selbstständig verbreitet und sind auf den ‹Sturmflächen› dominant.»

Baum stirbt durch Befall ab und fällt um

Durch das Eschentriebsterben sterben Äste oder ganze Baumkronen ab. Der gesamte Baum stirbt in der Regel im Laufe der Jahre dadurch vollständig ab. Ist die Esche durch den Pilz befallen, haben es auch sogenannte Sekundärschädlinge, wie zum Beispiel andere Pilzarten, einfacher, in den Baum einzudringen. Wie die Staatskanzlei schreibt, wurde die Baumkrankheit in der Schweiz zum ersten Mal 2008 im Raum Basel festgestellt. Bis ins Jahr 2014 hatte sich die Pilzkrankheit über die ganze Schweiz ausgebreitet.

Ursprünglich stammt das Eschentriebsterben aus Ostasien. In Europa wurde es in den 90er-Jahren in Polen zum ersten Mal nachgewiesen. Problematisch wird diese Pilzkrankheit nebst dem Wegfall des ökologischen Werts dann, wenn die abgestorbenen Äste oder gar ganze Bäume auf Wanderwege, Strassen oder Plätze niederfallen.

Die Krankheit lässt sich nicht bekämpfen

Ist die Gefährdung von Menschen durch den Befall ersichtlich, muss der Baum entfernt werden. «Wenn diese Gefährdung nicht besteht, sollte der Baum nicht abgeholzt werden. Totholz unterstützt die Biodiversität», sagt der Regionalförster Rebmann. «Wenn der Baum tot ist, hat der Pilz ohnehin keine Lebensgrundlage mehr.» Es sei unmöglich, das Eschentriebsterben in der Natur zu bekämpfen. Der Pilz über­wintert im Laub auf dem Boden und ver­breitet sich im darauf­folgenden Jahr mit Sporen über die Luft. Es ist weder möglich noch sinnvoll, das ganze Laub zu sammeln oder alle Eschen abzuholzen.

Fünf bis zehn Prozent der Eschen scheinen gegenüber der Krankheit aber resistent zu sein. Darin sieht Rebmann eine grosse Chance: Er hofft auf natürliche Resistenzen. Die widerstands­fähigen Eschen sollten geschont und gefördert werden. «Die ­befallenen Bäume hingegen, werden im Sommer gekennzeichnet, weil die Krankheit dann am besten sichtbar ist. Abgeholzt werden sie anschliessend erst im Winter.»

Die Staatskanzlei weist darauf hin, dass der Eschenholzmarkt ohnehin schon Anzeichen der Übersättigung aufweist. Rebmann meint dazu, dass das Eschenholz vielerorts einsetzbar ist. So auch bei Möbeln und ­Balken. Er appelliert an die Bürger, diese Tatsache zu nutzen und das Eschenholz vermehrt zum Bauen zu gebrauchen.