REGION: Auf das Haustier ist Verlass

Die Liebe von Haustieren ist wohl kaum zu ersetzen, und Tierhalter investieren viel Zeit und Geld in ihre Liebsten. Die Tiere wiederum sind treu und vertreiben Einsamkeit. Für viele Besitzer sind Katze, Hund, Hamster und Henne Familienmitglieder.

Mengia Albertin
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Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

In der Schweiz leben rund 1,4 Millionen Katzen und eine halbe Million Hunde. Dabei sind enge Beziehungen zu den Tieren nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Wie der «Beobachter» schreibt, geben 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer als Grund, warum sie ein Tier haben, «Tierliebe» an. Jeder Fünfte soll ein Haustier besitzen, weil es «Gesellschaft leistet». Haustiere werden vielerorts wie Familienmitglieder behandelt. Für einige Besitzer steht das Tier an absolut erster Stelle.

Aufgrund ihrer Beobachtungen in der Praxis vermutet Gianina Guetg, dass sich die Beziehung von Mensch und Haustier per se nicht verändert hat. Sie ist Tiermedizinische Praxisassistentin der Tierarztpraxis Sutter & Sutter in Buchs. «Die Möglichkeiten, Tiere zu halten, zu verwöhnen und medizinisch zu versorgen, sind ganz klar gewachsen. Früher hätte man eine Katze mit einem Beinbruch eher eingeschläfert. Heute hat man sehr gute Chancen, so einen Bruch zu reparieren und man nimmt die Chance wahr». So sieht das auch der Tierarzt ­Adrian Schweizer. «Es ist viel mehr Wissen vorhanden als vor 30 Jahren. Mittlerweile werden Chemotherapien und Herz­operationen an Tieren durch­geführt.» Schweizer betreibt mit seiner Frau die Tierarztpraxis Kreuzberg in Gams.

Die starke Bindung der Tierhalter zu ihren Tieren merke man sofort. Bei gesundheitlichen Problemen von Hund und Katze ­seien immer starke Emotionen im Spiel und die Halter sind sehr besorgt. Bei Einschläferungen sei ein schöner Abschied oftmals sehr wichtig. Der Tod eines Haustieres kann eine sehr empfindliche Sache sein. Von den Tierärzten ist dabei höchste Sensitivität gefragt. «Manchen Besitzern geht der Tod eines geliebten Tieres so nahe wie der eines Familienmitglieds», sagt Silvia Gentilcore der Kleintierpraxis Werdenberg. Dabei besteht sogar die Möglichkeit, das Tier kremieren und sich die Urne in Herz-, Stern- oder Katzenform zuschicken zu lassen. «Wie man mit dem Tod seines Tieres umgeht, ist jedem selbst überlassen», sagt Tierärztin Gentilcore.

«Enge Bindung ist zu jedem Tier möglich»

Die Leute machen viel für ihre Tiere und scheuen oftmals keine Kosten, damit es ihnen besser geht. Das gilt für Besitzer von Hund, Katze, Vogel, Kuh und Reptil genauso wie für Fans von Pferd, Schwein, Hamster, Henne oder Ratte. «Eine enge Bindung kann man zu jedem Tier haben», sagt Adrian Schweizer.

In der Praxis beobachtet er ­einen Unterschied von Nutztieren und Haustieren. Denn bei Nutztieren spielt auch oft der wirtschaftliche Faktor eine Rolle. Trotzdem hätten viele Bauern eine enge Bindung zu ihren Kühen. Die Lieblingskuh des Sohnes oder die älteste Kuh im Stall wollen zum Beispiel viele trotz hoher Kosten und nicht vorhandenem wirtschaftlichen Nutzen behalten.

Ein Haustier bringt für den Menschen physische wie auch psychische Vorteile. Mit dem Hund ist man unterwegs an der frischen Luft und bewegt sich. Auf dem Spaziergang kommt man dank dem Tier schneller ins Gespräch mit anderen Menschen. Aber auch mit Pferden, Hennen oder Kühen hält man sich draus­sen auf. Mit dem Haustier ist ein Gefühl des Gebrauchtseins da und man wird motiviert, den Tag zu gestalten. Gerade bei kranken Menschen kann dies ein Vorteil sein. Gleichzeitig können Hund und Katze den Menschen auch aus dem Alltagstrott heraus­holen, findet Gianina Guetg. «Zum Beispiel wenn die Katze sich abends auf den Bauch legt und uns zum Liegenbleiben und Pausemachen zwingt.» Tiere können in Krisenzeiten Trost spenden und ungewollte Ein­samkeit erträglicher machen. Sie sind äusserst sensibel, wenn es um den Gemütszustand des Halters geht. «Besonders Hunde merken schnell, wenn etwas nicht stimmt und kommen auf ihr Herrchen zu», sagt Schweizer. Die Beziehung zu einem Tier ist ausserdem stabil und ver­lässlich. Die Wahrscheinlichkeit, enttäuscht oder verlassen zu ­werden, ist klein. Weil Tiere nie wütend oder nachtragend sind, entsteht weniger Frust. «Die bedingungslose Liebe, die Treue und Freundschaft, welche unsere Tiere uns geben, machen sie zu wichtigen Begleitern für uns», sagt Guetg.

Tier als Partnerersatz

Gibt es auch Tierliebe, die dem Tier schaden kann? In einigen Fällen müssen Tierärzte bei ­verliebten Tierhalter oftmals Auf­klärungsarbeit leisten.«Ich denke, die Gefahr, das Tier als Partnerersatz zu sehen, führt häufig zu einer gewissen ‹Ver­mensch­lichung›», sagt Gianina Guetg dazu. In solchen Fällen sei dann eine artgerechte Tier­haltung oft nicht mehr gegeben. Ein Beispiel dafür gibt Adrian Schweizer: «Nur weil ich gerne Schokolade habe, muss es nicht auch gut für meinen Hund sein». Im Gegenteil, die Schokolade ist in diesem Fall sogar giftig für die Niere.

Gerade Hundehalter meinen es gut mit ihren Tieren, sollten diese aber auch «Hund sein lassen». Ein Hund soll dreckig sein dürfen und nicht vom Spielen mit anderen Tieren zurückgehalten werden. Silvia Gentilcore beobachtet bei Schosshunden, dass die Besitzer sie in ihren Taschen, und nicht mit anderen Hunden interagieren lassen. Schwierig werde es auch, wenn die Tiere über­gewichtig werden, weil sie beispielsweise Essen vom Tisch bekommen. «Der Hundeblick am Esstisch ist berechnend und entsteht nicht wegen einem knurrenden Magen», sagt Schweizer.

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