REGION: Alles dreht sich um Handkreisel

«Pokemon Go» war gestern. Heute sausen die Fidget Spinners zwischen den Fingerspitzen. Die neueste Modeerscheinung der Spielzeugwelt versetzt Kinder und Jugendliche überall in Verzückung.

Ursula Wegstein
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Mit etwas Geschick gelingen mit einem Fidget Spinner alle möglichen Kunststücke. (Bilder: Ursula Wegstein)

Mit etwas Geschick gelingen mit einem Fidget Spinner alle möglichen Kunststücke. (Bilder: Ursula Wegstein)

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@wundo.ch

Bis vergangenen Donnerstag war die Welt noch in Ordnung. Wie aus dem Nichts tauchte an diesem Tag der erste Fidget Spinner auf dem Pausenplatz der Tochter auf und der Run nach so einem Wunderstück nahm seinen Anfang. So ein Ding musste her. Möglichst schnell.

In den Geschäften kommt der Nachschub zurzeit nicht schnell genug an. Eltern verzweifeln, Lehrer schimpfen. Es ist immer wieder ein Phänomen: Plötzlich taucht etwas auf, ein absolutes «must-have», das jeder und jede sofort haben will. Der momentane Spielzeug-Hype bei Primar- und Sekundarschülern heisst «Fidget Spinner».

Ein Kugellager in der Mitte und etwas, das sich aussen herum dreht, ist sicherlich keine Hexerei. Das ist schon alles. Manche Fidget Spinners erzeugen beim Drehen Muster, blitzen auf oder leuchten im Dunkeln. Mehr ist es nicht. Ab etwa 5.90 Franken ist so ein Teil zu haben. Nach oben besteht kein Limit.

Mit Kunststücken gegen die Langeweile

Die Frage nach dem Sinn und Zweck einer solchen Modeerscheinung, welche man sich als Erwachsener stellt, besteht als Kind überhaupt nicht. Im Gegenteil: Vielleicht ist es genau das, was die Anziehungskraft eines solchen Spielzeugs für ein Kind ausmacht. Dass sich einfach so ohne Sinn daran herumdrehen lässt.

Immerhin lässt sich damit bestens die Langeweile vertreiben und mit etwas Geschick alle möglichen Kunststückchen erlernen, wie auf den zahlreichen Videos auf Youtube zu erleben ist. Fidget Spinners lassen sich auch übereinanderstapeln oder eignen sich auch zu mehreren als Wurfspiel, wie auf einem Pausenplatz in Buchs von Kindern der Mittelstufe mit viel Ehrgeiz vorgeführt wurde.

Will man dem Marketingstil Glauben schenken, soll so ein Fidget Spinner angeblich bei ­Autismus, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts­störung), Nagelkauen, Nervosität oder überschüssiger Energie in jeder Form für mehr Konzentration sorgen.

Wie es zu so einem derartigen Hype kommt, wie er momentan auch in der Region um diesen Handkreisel besteht, lässt sich schwerlich sagen.

Was es zu einem Hype braucht

Relevant ist sicher, ob der Kaufpreis sich leicht aus dem Sackgeldbudget bezahlen lässt. Eine Rolle spielt daneben auch, dass das Produkt sowohl Mädchen als auch Buben anspricht und klein genug ist, dass es in der Jacke, ­Tasche oder dem Schulthek mit in die Schule genommen werden kann.

Wie lange hält sich der Zauber so einer Modeerscheinung? Im Zweifel bis zu den Sommer- ferien. Die Begeisterung für Fidget Spinners wird irgendwann genauso abflauen, wie bei Pokemon Go, den knalligen Armbändern von letztem Jahr (Looms), Tamagotchis oder dem Zauberwürfel damals Anfang der 80er-Jahre.

Hoffentlich lässt sich bis dorthin noch rechtzeitig einer für die Tochter auftreiben.

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