Quitten werden immer seltener

Die schweren gelblichen Früchte sind in diesen Tagen erntereif. Weil es stetig weniger gesunde Bäume gibt, wurde ein Inventarisierungsprojekt mit einem Aufruf an die Bevölkerung gestartet.

Heini Schwendener
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Quitten gleichen aussen wie innen Äpfeln und Birnen und schmecken, zu Konfitüre verarbeitet, herrlich. (Bild: Heini Schwendener)

Quitten gleichen aussen wie innen Äpfeln und Birnen und schmecken, zu Konfitüre verarbeitet, herrlich. (Bild: Heini Schwendener)

Quittenkonfi schmeckt köstlich, ist beliebt und weckt Erinnerungen an Grossmutters Zeiten. Auch die gebrannten Wasser, die in lokalen Brennereien aus den urtümlich anmutenden Früchten produziert werden, liegen im Trend – wie so vieles, was Assoziationen an die guten alten Zeiten weckt oder Heimatverbundenheit ausdrückt.

Darum sind Quitten, die entweder wie Äpfel oder wie Birnen aussehen, wieder beliebter als auch schon.

Alte, krankheitsrobuste Quittensorten

Allerdings sind bei uns die Quitten wegen fehlender Wirtschaftlichkeit, der Verstädterung sowie der Pflanzenkrankheiten bedrohter denn je und könnten in ferner Zukunft sogar von der Bildfläche verschwinden. Fructus, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, will diese Entwicklung stoppen. Pomologen (Obstbaumkundler) erhoffen sich Abhilfe von alten, krankheitsrobusten Quittensorten.

Pro Arbore, das Bauminventar der Schweiz, macht sich darum auf die Suche nach solchen Quittenbäumen. Michel Brunner, der das Projekt Pro Arbore betreut, hat festgestellt, dass die mächtigsten und ältesten Quittenbäume – von wenigen Ausnahmen abgesehen – immer in wärmeren Gegenden wie beispielsweise im Rheintal oder in der Region Basel stehen. Brunner wendet sich daher mit einem Aufruf an die Bevölkerung im W&O-Gebiet, ihm Standorte solch alter Quittenbäume zu melden (vgl. Seite 3). Denn je älter ein Quittenbaum ist, desto grösser ist die Chance, dass es sich um eine seltene Sorte handelt.

Mit seinem Aufruf sollte Michel Brunner von Pro Arbore in unserer Region eigentlich auf offene Ohren stossen. Denn hier ist das Interesse und das Verständnis für alte Kulturpflanzen durchaus vorhanden.

Erfahrung mit Nüssen und Kirschen

Man denke nur an das Nussdorf Frümsen mit seinem umfangreichen Sortengarten. Oder an den Chriasi-Sortengarten in Sevelen. Dank dieses Projekts haben erst kürzlich Untersuchungen alter Kirschbäume in der Gemeinde zur Entdeckung einiger bisher unbekannter Kirschensorten geführt. Vielleicht passiert das nun auch mit Quittenbäumen. 3