QUARTEN/BUCHS: Die Fahrbahn war schuld

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland spricht einen Sportwagenfahrer frei, der sich in einem Tunnel gefährlich gedreht hatte. Ein Rechtsüberholer aus Buchs hingegen wird in einem zweiten Fall bestraft, obwohl er meinte, alles richtig gemacht zu haben.

Reinhold Meier
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Spektakulärer Autosalat: Drei Sportwagen krachen ineinander, der Sachschaden liegt bei 10 (Bild: Kapo)

Spektakulärer Autosalat: Drei Sportwagen krachen ineinander, der Sachschaden liegt bei 10 (Bild: Kapo)

Reinhold Meier

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Im ersten Fall hatte die Anklage einem 51-jährigen Fahrer vorgeworfen, zu schnell auf der nassen A3 bei Quarten unterwegs gewesen zu sein. Der Mann reiste mit zwei Kollegen und ihren insgesamt drei Sportwagen in Richtung Sargans, als er, vorne fahrend, herunterschaltete und Gas gab, um einen Car zu überholen. Dabei brach das Heck seines Wagens auf der rutschigen Fahrbahn aus. In der Folge schleuderte er erst nach links, dann nach rechts gegen den Randstein und rammte schliesslich den Car.

Der erste der beiden nachfolgenden Sportwagen konnte noch anhalten, der zweite nicht mehr. Vielmehr schob er den mittleren in den ersten Unfallwagen, so dass letztlich alle Fahrzeuge beschädigt wurden. Es gab Sachschaden von über 100 000 Franken, eine Totalsperrung des Tunnels und entsprechenden Stau.

Pikantes Video beweist «Glatteis»

Die Anklage forderte eine Busse über 400 Franken wegen nicht-angepasstem Tempo, die Verteidigung Freispruch. Pikant: Die Fahrbahn im Tunnel war schon vorher als aussergewöhnlich schlüpfrig bekannt, Zeitungen berichteten darüber. Auch hatte das Bundesamt für Strassen, Astra, Messungen vorgenommen und die Gefahr im Prinzip erkannt. Doch sei die Fahrbahn in allen Abschnitten sicher, selbst in den am stärksten betroffenen Abschnitten, hiess es. Gleichwohl wurde sie derweil saniert.

Ein Video belegte jedoch noch am Tatort die aussergewöhnliche Schlüpfrigkeit, schlitterten die Unfallfahrer doch wie auf Glatteis über viele Meter hin weg mit grosser Leichtigkeit durch den Tunnel. Das Gericht sprach den Angeklagten denn auch frei. Das Astra habe nur alle 100 Meter gemessen, hiess es. An diesem konkreten Ort sei die Autobahn jedoch extrem glitschig gewesen, so glitschig, dass auch bei vorsichtigster Fahrweise der Unfall nicht zu vermeiden war. Den Staat kostet der Freispruch rund 10 000 Franken. Der Mann darf sein Billett behalten.

In einem zweiten Fall erhielt ein 55-jähriger Automobilist eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 80 Franken, also insgesamt 14 400 Franken, bedingt auf drei Jahre, dazu Verfahrenskosten von 2300 Franken. Er hatte auf der A13 bei Buchs einen Zivilpolizisten korrekt überholt und war dann nach rechts auf die Normalspur geschwenkt, weil auf der Überholspur zwei langsamere Fahrzeuge fuhren. An diesen fuhr er rechts vorbei und setzte sich dann wieder auf die Überholspur.

Der Angeklagte hatte geltend gemacht, es habe sich um drei Autos gehandelt. An dieser «Kolonne» sei er lediglich «vorbeigerollt», das sei erlaubt. Doch das Gericht nahm ihm das nicht ab, denn es habe weder gestaut, noch hätte es verschiedene Richtungsfahrbahnen gegeben. Erschwerend kam hinzu, dass der fahrerische Leumund des Lenkers mehr als eingetrübt schien. Selbst im Zentralregister Flensburg hat er zahlreiche Einträge. Eine bedingte Vorstrafe des Untersuchungsamtes Altstätten über 7000 Franken wurde denn auch widerrufen und zum Vollzug angeordnet.

Verteidigung beantragte Sistierung

Verurteilt wurde der Mann zudem, weil er AHV-Beiträge seiner Mitarbeiter in Höhe von über 25 000 Franken zwar abgezogen, nicht aber an die kantonale Sozialversicherung weitergeleitet hatte. Die Verteidigung hatte beantragt das Verfahren zu sistieren, weil der Mann die Beträge ja inzwischen nachzahle. Zudem liege eine Desinteresse-Erklärung der Versicherung vor. Darauf konnte das Gericht aber nicht eingehen, weil es sich um ein Offizialdelikt handelt. Dieses ist in jedem Fall zu verfolgen, auch wenn es keiner der Beteiligten wünscht.