Projekt mit Pionierfunktion

Das Projekt zur Verbesserung des Rheintaler Ribelmaises soll helfen, moderne Züchtungstechniken für alte Landsorten zu entwickeln. Von dieser Pionierarbeit könnten auch die alten Sorten in Zentral- und Südamerika profitieren.

Hanspeter Thurnherr
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Diskutieren die Feldversuche zur Verbesserung der Sorte Ribelmais: Maiszüchtungsexperte Mathias Menzi, Barbara Oppliger (Rheinhof Salez), Roland Peter (Saatgutfirma KWS), Professor Karl Schmid (Uni Hohenheim) und Hans Oppliger (von links). (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Diskutieren die Feldversuche zur Verbesserung der Sorte Ribelmais: Maiszüchtungsexperte Mathias Menzi, Barbara Oppliger (Rheinhof Salez), Roland Peter (Saatgutfirma KWS), Professor Karl Schmid (Uni Hohenheim) und Hans Oppliger (von links). (Bild: Hanspeter Thurnherr)

SALEZ. «Die Verbesserung der alten Landsorte Rheintaler Ribelmais ist zwingend nötig, um den Fortbestand dieser regional bedeutenden Kulturpflanze auch in Zukunft zu ermöglichen», sagt Hans Oppliger, Geschäftsführer des Vereins Rheintaler Ribelmais. Eine Landsorte sei eine «Populationssorte». Jede einzelne Pflanze weise im Gegensatz zu den heute üblichen Futtermaissorten je einen einzigartigen genetischen Charakter auf. Oppliger zieht einen Vergleich mit den Menschen, wo jedes Individuum unterschiedliche Eigenschaften hat. Heute bezeichne man dies als «Vielfalt oder Biodiversität der Gene».

Den Mais fit machen

Das vom Verein gestartete Projekt (siehe Frontseite) will den Rheintaler Ribelmais fit machen für die Anforderungen des Marktes und des Klimas. «Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten deutlich, das heute alte Sorten aufgrund der seit einigen Jahren vorherrschenden Maiskrankheiten an die neuen Bedingungen angepasst werden müssen», erklärt Oppliger.

Doch diese Verbesserungszüchtung muss vorsichtig angegangen werden, um nicht die wertvollen Eigenschaften der Sorte zu gefährden. Diese Aufgabe fordert Professor Karl Schmid vom «Lehrstuhl für Pflanzenzüchtung und Biodiversität» der Universität Hohenheim in Stuttgart heraus. Denn er möchte am Beispiel des Rheintaler Ribelmaises auch moderne Züchtungstechniken für alte Landsorten entwickeln. Dies könnte später zur Verbesserung von weiteren Mais-Landsorten, etwa in den Ursprungsländern von Mais in Zentral- und Südamerika, angewendet werden.

«Eine besondere Eigenschaft des Ribelmaises ist seine Toleranz gegenüber kühlen Temperaturen im Frühling», sagt Mathias Menzi. Der Maiszüchtungsexperte und ehemalige Mitarbeiter an der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz ist als Berater am Projekt beteiligt. «Wenn es gelingt, dieses Potenzial von den Fehlern abzukoppeln, hat der Ribelmais eine grosse Zukunft. Deshalb sind Saatgut-Zuchtfirmen an den Ergebnissen unserer Versuche interessiert», ergänzt Menzi. Hans Oppliger erwähnt eine weitere positive Eigenschaft: der Ribelmais schmeckt gut.

Ökonomisch nicht interessant

Weil Ribelmais ein Selbstbefruchter ist und der Bauer das Saatgut selber herstellen kann, hatten Saatgutfirmen wenig Interesse an der Entwicklung dieser Sorten. «Deshalb ist es schwierig, Geld für die Züchtung aufzutreiben», sagt Hans Oppliger. Deshalb arbeitet der Verein mit massgeblicher Unterstützung des Landwirtschaftlichen Zentrums und mit finanzieller Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft.

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