Prognosen für Ostschweiz positiv

Auf Einladung der St. Galler Kantonalbank nahmen über 200 Gäste am Konjunkturforum teil. Allgemein herrscht eine positive Stimmung, allerdings erhält die Ostschweiz nicht in allen Belangen gute Noten.

Adi Lippuner
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Referent Peter Eisenhut und Moderatorin Eva Nietlispach vor der Karikatur über die ausbleibende Gewinnausschüttung der Nationalbank. (Bild: Adi Lippuner)

Referent Peter Eisenhut und Moderatorin Eva Nietlispach vor der Karikatur über die ausbleibende Gewinnausschüttung der Nationalbank. (Bild: Adi Lippuner)

BUCHS. Unter der Leitung von Eva Nietlispach diskutierten im Glashaus von Blumen Keusch am frühen Donnerstagabend Peter Eisenhut, Ecopol AG, Markus Probst, Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands Sarganserland-Werdenberg und Geschäftsführer der Micropool GmbH in Bad Ragaz, Stefan Metzker, Direktor und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Kliniken Valens und Walenstadtberg sowie Regierungsrat Martin Klöti. Karl Pareth, Leiter der Kantonalbank-Niederlassung in Buchs, zeigte sich erfreut, dass so viele Gäste der Einladung zum Kulturforum gefolgt sind. «Die Aussichten sind gut, an den Exportmärkten zeichnet sich eine Entspannung ab und auch die Prognosen bei den Ostschweizer Unternehmen stimmen uns positiv.»

Mehr Weg- als Zupendler

Während Peter Eisenhut fürs laufende Jahre beim BIP (Bruttoinlandprodukt) eine erfreuliche Prognose stellte sowie für Europa eine allgemeine Besserung ausmachte, äusserte er Bedenken bezüglich der Arbeitslosenrate der umliegenden Länder. «Vor allem die Rekordarbeitslosigkeit in Frankreich zeigt, dass nicht nur die südlichen Länder als <Sündenböcke> dastehen.» Komme dazu, dass Deutschland die tiefste Arbeitslosenquote seit Gründung der Europäischen Union (EU) habe und trotzdem kritisiert werde. «Es kann aber nicht sein, dass sich erfolgreiche Länder den weniger erfolgreichen anpassen müssen.»

Weniger gut kam die Ostschweiz bei der von Peter Eisenhut vorgestellten Arbeitsmarktstudie weg. «Die Mobilität hat massiv zugenommen, wir haben in der Ostschweiz mehr Weg- als Zupendler, wobei Zürich nach wie vor als Magnet bezeichnet werden muss.» Nebst den Wegpendlern sei auch die Zahl der Wegzüger höher als die der Zuzüger, «und das ist kein gutes Resultat». Eine Umfrage habe ergeben, dass einer der Gründe das Lohnniveau sei, welches rund 16 Prozent tiefer liege als in den wirtschaftlichen Ballungszentren.

Besondere Lage für Werdenberg

Bei der Podiumsdiskussion unter der Leitung von Eva Nietlispach brach Martin Klöti eine Lanze für die Ostschweiz. Die Lebensqualität sei um einiges höher als in den Ballungszentren und zudem weigere er sich, ins allgemeine Jammerlied einzustimmen. «Der Aufschwung beginnt bei jedem einzelnen und fällt ganz sicher nicht vom Himmel.»

Markus Probst wies auf die besondere Lage des Werdenbergs und Sarganserlandes hin. «Aus diesem Grund rekrutieren wir unsere Fachkräfte auch im nahe gelegenen Ausland und dürfen uns über eine treue Belegschaft freuen.» Als Rezept für die Arbeitszufriedenheit könne er zwar nicht hohe Löhne, dafür aber ein hervorragendes Umfeld mit bestens ausgerüsteten Arbeitsplätzen und einigen Sonderleistungen, wie einem reservierten Parkplatz in der Tiefgarage, bieten.

Mit hohen Fluktuationsraten muss Stefan Metzker klarkommen. «Bei uns im Gesundheitswesen arbeiten viele junge Menschen und die bleiben einige Jahre, um sich dann neu zu orientieren. Und dies, obwohl in den Kliniken Valens und Walenstadtberg Löhne wie in anderen Regionen bezahlt werden.

Auf die Frage, wie er als Arzt und Klinikleiter die Idee eines neuen Spitals in Rüthi sehe, zögerte Stefan Metzker mit der Antwort. «Theorie und Praxis sind bei diesem Thema nicht einfach zu vereinbaren und in dieser Struktur gibt es keine perfekte Lösung.» Aber es gelte, die politischen Wünsche und den Willen der Bevölkerung zu respektieren.