Probst löst Marquart ab

In der Flumserei wechselte am Wochenende das Präsidium des Arbeitgeberverbandes Sarganserland-Werdenberg von Urs Marquart zu Markus Probst.

Axel Zimmermann
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Der Wechsel: Markus Probst (links) folgt auf Urs Marquart (rechts). Andreas Hofmänner (Mitte) ist Gastgeber der Versammlung. (Bilder: Axel Zimmermann)

Der Wechsel: Markus Probst (links) folgt auf Urs Marquart (rechts). Andreas Hofmänner (Mitte) ist Gastgeber der Versammlung. (Bilder: Axel Zimmermann)

FLUMS. Die Grösse und Vielfalt der nutzbaren Brache der Textilindustrie haben sich die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes Sarganserland-Werdenberg an ihrer Hauptversammlung vor Augen führen lassen. Der Geschäftsführer der Flumserei, Andreas Hofmänner, erklärte ihnen die günstigen Mieten und die umfassenden Dienstleistungen auf dem riesigen Areal am oberen Rand von Flums. Hochzeiten für 500 Leute und grosse Hallenmärkte gehören zum Angebot. Eine Fülle von Kleinfirmen nutzt das Gelände. Das Konzept ist pfiffig umgesetzt, was an der richtungsweisenden Versammlung Eindruck machte.

Marquart bleibt Wirtschaft treu

In seinem letzten Grusswort sagte Urs Marquart, Grabs: «Der Fachkräftemangel bleibt ein Problem. Aber wir können mit Lehrstellen reagieren.» Nach zehn Jahren erfolgreichen Präsidentenwirkens gab er seinen Arbeitgeberkollegen auf den Weg: «Die Wirtschaft braucht eine Stimme, die gehört wird. Mut würde uns nicht schaden.» Marquart ist neu Vorstandsmitglied der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell.

Mit markigen Aussagen rundete Urs Marquart, Marquart Elektroplanung und Beratung AG in Buchs, seinen letzten Präsidentenbericht ab: «Die Nachfolgeregelung ist die Kunst des Loslassens», sagte er zur Unternehmensführung. «Der Siegeszug des Internets hat die Informationsflut rapide ansteigen lassen», bemerkte er zum gesellschaftlichen Wandel. «Das Erfolgsmodell Schweiz ist hochgradig gefährdet», erklärte er angesichts einer Häufung von Volksabstimmungen «mit fraglichen Stossrichtungen» zur eidgenössischen Politik. Weit über 200 Firmen sind durch ihre Chefs im Arbeitgeberverband Sarganserland-Werdenberg vertreten. Neuer Präsident ist Markus Probst, Geschäftsführer der Firma Micropool GmbH, Bad Ragaz. «Er kennt die Region, hat eine eigene Firma und engagiert sich politisch», hat ihn sein Vorgänger vorgestellt. Probst (FDP) ist gelernter Elektronikmechaniker und Betriebsingenieur.

Köppel will keine Nostalgie

Vor dem Nachtessen referierte Roger Köppel, Chefredaktor der «Weltwoche», in der Flumserei über die Lage der Schweiz. Sachlich, ruhig und bedacht, anders als bei seinen Fernsehauftritten, redete er den Arbeitgebern ins Gewissen. Als Querdenker sagte er: «Die Schweiz ist ein von Natur aus armes Land. Ein Rohstoff ist ihre zentrale geographische Lage. Der Wohlstand resultiert aus dem Fleiss und der Tüchtigkeit. Die Schweiz ist damit verdammt zur Weltoffenheit.» Mit Nachdruck zählte Köppel drei Erfolgsfaktoren für die Schweiz auf: direkte Demokratie, Föderalismus und Neutralität. Dies sei keine Nostalgie, betonte er, sondern bringe Stabilität. Zu schützen gelte es das erarbeitete Eigentum. Die wirtschaftliche Lage der Schweiz sieht Köppel «verhalten optimistisch». Angst habe er nach wie vor wegen der nicht gelösten internationalen Schuldenproblematik. Als «gewaltig und kafkaesk» bezeichnet er die überbordende Bürokratie im Banken- und im Bauwesen.

Kritik erhält die Entfremdung von Wirtschaft und Politik. Roger Köppel analysiert: «Unser Milizsystem verschwindet. Früher hatten wir viel mehr Leute aus der Wirtschaft in der Politik.» Folglich empfiehlt Köppel den Arbeitgebern: «Schauen Sie den Politikern misstrauisch auf die Finger.»

Die Referenten: Der abtretende Arbeitgeberpräsident Urs Marquart bringt Journalist Roger Köppel (links) nicht aus der Ruhe.

Die Referenten: Der abtretende Arbeitgeberpräsident Urs Marquart bringt Journalist Roger Köppel (links) nicht aus der Ruhe.