«Prävention ist das Wichtigste»

Die Mutterkuhhaltung weckt die natürlichen Mutterinstinkte der Kühe. Dadurch sind in den letzten Jahren immer wieder Wanderer auf Kuhweiden verletzt worden. Im Rheintal und Obertoggenburg gab es bisher keine Probleme.

Saskia Bühler
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Wenn Wanderer einen Weg benutzen, der durch eine Weide mit Mutterkuhhaltung führt, sollten sie die empfohlenen Verhaltensweisen einhalten. (Bild: Corinne Hanselmann)

Wenn Wanderer einen Weg benutzen, der durch eine Weide mit Mutterkuhhaltung führt, sollten sie die empfohlenen Verhaltensweisen einhalten. (Bild: Corinne Hanselmann)

REGION. In den letzten Jahren wurde vermehrt über Vorfälle berichtet, bei denen Wanderer auf markierten Wegen von weidenden Kühen angegriffen und verletzt oder sogar getötet wurden. Dabei handelte es sich vor allem um Tiere in Mutterkuhhaltung. Das heisst, dass Mutterkühe zusammen mit ihren Kälbern und teilweise auch mit einem Stier auf der Weide sind. Das entspricht der Natur der Tiere und weckt ihre Instinkte.

Menschen, vor allem wenn sie einen Hund dabei haben, werden von ihnen als Bedrohung für ihre Kälber angesehen. Der Mutterinstinkt der Kühe ist der Auslöser, dass die als friedfertig bekannten Tiere jemanden angreifen. Da Wölfe in der freien Natur häufig Kälber töten, nehmen Kühe die wolfsähnlichen Hunde als besonders bedrohlich wahr.

Tafeln mit Empfehlungen

Verschiedene Vereine, darunter der Dachverband Schweizer Wanderwege, haben sich inzwischen eingeschaltet und Schilder zur Sicherheit der Wanderer und Biker gestaltet. Diese Tafeln werden an die Bauern verteilt, die Weiden mit Mutterkuhhaltung unterhalten. Ihnen wird empfohlen, sie an den Zäunen anzubringen. Wanderer und Biker sollen so über das korrekte Verhalten auf der Weide informiert werden.

Laut Paul Knupp von der Organisation St. Galler Wanderwege habe man ein Auge darauf, ob die Bauern die Warnungen tatsächlich anbringen. Der Chef der Region Werdenberg erklärt: «Die Bauern wollen auch nicht, dass etwas passiert.» Deshalb werden die Schilder ziemlich zuverlässig aufgehängt. Auch Toni Grob, Chef der Region oberes Obertoggenburg der Organisation St. Galler Wanderwege, glaubt, dass Bauern die Schilder gerne aufhängen. Aber: «Es gibt meines Wissens keine Pflicht, sie aufzuhängen.»

Im Jahr 2014 wurde ein Wanderweg auf dem Boden der Ortsgemeinde Sevelen nicht ausgebaut, weil er direkt durch eine Weide mit Mutterkuhhaltung führt. Die Ortsgemeinde Sevelen fand es zu gefährlich, ihn einfach zugänglich zu machen.

Verlegung der Wege schwierig

Am Buchserberg wurde in der Vergangenheit ein Wanderweg, der durch eine Weide mit Mutterkuhhaltung führte, verlegt. Der Weg vom Farnboden zur oberen Tobelbrugg wurde aber nicht nur wegen der Kühe verlegt, sondern weil er häufig nass war und immer wieder repariert werden musste, erklärt Paul Knupp. Generell sei es schwierig, einen Wanderweg zu verlegen, ergänzt er. Der Aufwand ist sehr gross, da dafür neue Wegrechte eingeholt werden müssten. Deshalb wird bei Gefahr durch Mutterkühe das Gespräch mit den Bauern gesucht. Sie können die Weiden anders umzäunen, so dass der Wanderweg nicht mehr darüber führt. Generell sei der jeweilige Eigentümer für die Sicherheit der Weiden zuständig, erklärt Toni Grob. Wenn der Besitzer also weiss, dass eine seiner Mutterkühe besonders aggressiv ist, kann er passende Massnahmen ergreifen.

Richtiges Verhalten wichtig

In der Region Werdenberg gibt es in praktisch allen Gemeinden Weiden mit Mutterkuhhaltung, laut Knupp besonders viele im Gebiet Sevelerberg. «Tendenziell nimmt die Mutterkuhhaltung weiter zu», erklärt er. Im Obertoggenburg gibt es auf fast jeder Alp Mutterkuhhaltung, erzählt Grob. Doch in beiden Gebieten gab es noch nie einen blutigen Zusammenstoss zwischen Kühen und Wanderern. «Es ist zwar eine Gefahr vorhanden, die ist aber sehr klein», erklärt Toni Grob. Ihm zufolge passiert nichts, wenn Wanderer sich angemessen verhalten. Denn: «Wenn der Mensch Drohgebärden einer Kuh wahrnimmt und sich daraufhin zurückzieht, ist die Chance fast bei null, dass man angegriffen wird.»

Kühe an Menschen gewöhnt

Wenn man Fehlverhalten auf einer Kuhweide zeigt, können auch andere Kuhherden, wie zum Beispiel Milchkühe, Menschen angreifen. Am wichtigsten sei deswegen Prävention, betont Knupp. Wenn man sich den Empfehlungsschildern entsprechend verhalte, sei ein Kuhangriff nämlich sehr unwahrscheinlich.

Wenn eine Kuh tatsächlich angreift, sollte man ruhig bleiben. «Die meisten Kühe sind aber an Menschen gewohnt, dank den Bauern, die laufend in Kontakt mit den Tieren stehen», erklärt Knupp.