PRÄSIDIUM: Keller-Sutter kritisiert Ostschweiz-Debatte

Die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter fordert eine umfassende Standortoffensive für die Ostschweiz. Eine Bildungsoffensive sei zu wenig.

Andri Rostetter, Stefan Schmid
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Andri Rostetter, Stefan Schmid

Am Montag wird Karin Keller-Sutter turnusgemäss zur Ständeratspräsidentin gewählt. Die St. Galler FDP-Ständerätin will das Amt nutzen, um die Ostschweiz sichtbarer zu machen. Die Debatte über die Region gehe derzeit in eine völlig falsche Richtung, sagt Keller-Sutter im Interview mit unserer Zeitung. In der Ostschweiz werde zu viel gejammert.

«Wir müssen uns von unserer defensiven Haltung verabschieden.» Keller-Sutter fordert eine umfassende Standortoffensive, die sich auf die Stärken der Region konzentriert. Eine Bildungsoffensive, wie sie die St. Galler Regierung plant, genüge nicht. «Wenn wir nur auf die Bildung setzen, bilden wir nur wieder Leute für Zürich aus», sagt die Ständerätin.

Tadel für St. Gallen, Lob für den Thurgau

Das Verhältnis zwischen den Ostschweizer Kantonen sei fragil. Insbesondere der Kanton St. Gallen müsse lernen, sich zurückzunehmen. Keller-Sutter lobt zudem den Kanton Thurgau. Es gebe keinen Grund für St. Gallen, den Thurgau als Juniorpartner zu behandeln. Der Thurgau sei gut positioniert, im Lobbying sehr stark und erreiche seine Ziele. «Dass sich solche Kantone von einem grösseren Nachbarn nicht erklären lassen wollen, wie die Welt funktioniert, ist mehr als verständlich.»

Als Testfall für die Beziehung zu den Nachbarkantonen nennt Keller-Sutter die Neuorganisation der Fachhochschule Ostschweiz. Gelinge es den Kantonen nicht, sich hier zu einigen, wäre dies ein schlechtes Signal. Zusätzlich zum Ständeratspräsidium übernimmt Keller-Sutter den Vorsitz der EU-Efta-Delegation. Sie wolle die Doppelrolle nutzen, um der Delegation Zugang zu hochrangigen Gremien zu verschaffen. Im Gespräch äussert sich Keller-Sutter zudem zu ihren Ambitionen für den Bundesrat. Die FDP-Vertreterin gilt als aussichtsreiche Anwärterin für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann. Über den Abgang des freisinnigen Bundesrats wird seit geraumer Zeit spekuliert.13