Pöbelnde Frau war doch ein Mann

Das hiesige Kreisgericht hat einen Wachmann vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Er hatte einen Festbesucher überwältigt, weil der zuvor eine vorgebliche Frau geschlagen haben soll.

Reinhold Meier
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Ein Prügelei am letztjährigen Buchserfest, an der auch Sicherheitsbeauftragte involviert waren, endete mit einem Verletzten. (Bild: Susann Basler)

Ein Prügelei am letztjährigen Buchserfest, an der auch Sicherheitsbeauftragte involviert waren, endete mit einem Verletzten. (Bild: Susann Basler)

BUCHS. Es ist die Zeit für Zwielichtiges, nachts um 2.10 Uhr. So offenbar auch an jenem Sommersonntagfrüh letzten Jahres, am Buchserfest, als ein junger Mann von einer Person angepöbelt wird, die verdächtig nach einer Frau ausschaut. Sein Kollege wundert sich über die feminine Verbalattacke und will nachfragen, was da los sei. Darauf attackiert ihn die Dame jäh und stösst ihn in ein Schaufenster. Wenig ladylike pfeffert sie ihm dabei gleich noch ein paar Ohrfeigen. Spontan setzt sich der Angegriffene zur Wehr und haut der robusten Evastochter zweimal mit der Faust ins Gesicht.

Das wiederum bekommt ein Security-Mann mit, der auftragsgemäss nicht dulden kann, wenn einer geschlagen wird, schon gar keine Frau. Also geht er dazwischen und bringt den Angreifer zu Fall. Unterdessen entpuppt sich die Gnädige zwar als Mann, doch der Angreifer, inzwischen am Boden, wehrt sich heftig gegen die Security. Alsbald eilt darum eine zweite Sicherheitskraft zu Hilfe und fixiert die Beine des Zappelnden. Dabei verletzt sich dessen Meniskus und das Kreuzband reisst teilweise ab, wie die Anklageschrift abschliessend festhält.

Gewalt falsch eingeschätzt?

Die Staatsanwaltschaft fordert denn auch eine Bestrafung wegen Körperverletzung. Zwar sei die «Arretierung des Klägers», eine geeignete Form zur Beruhigung der Situation gewesen. Auch das «Zu-Boden-führen» gelte noch als angemessen. Im weiteren Verlauf sei aber die gebührende Dosis der Gewaltanwendung nicht mehr gewahrt worden. «Sie überstieg die Verhältnismässigkeit.» Die Verletzung belege offensichtlich, dass der zweite Security-Mann weder sein Handeln richtig einschätzte, noch die nötige Sorgfalt walten liess.

Ursache unklar

Nicht zuletzt unter Berücksichtigung mehrerer teils einschlägiger Vorstrafen sei er darum mit einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à 120 Franken zu bestrafen und müsse zudem die fälligen Gebühren tragen. Forderungen des Opfers wegen Lohnausfall und Behandlungskosten seien auf den Zivilweg zu verweisen. Den einschlägigen Strafbefehl akzeptiert der Beschuldigte aber nicht, darum kommt es zur mündlichen Verhandlung an Schranken. Das Gericht folgt in seinem Urteil nun jedoch der Verteidigung, die auf Freispruch plädiert hatte. Es begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass die Knieverletzung nicht klar dem Beschuldigten als Verursacher zugeordnet werden könne. Es gäbe keinen objektiven Beweis, dass jener eindeutig für den Bänderabriss verantwortlich sei, auch keine Zeugen.

Genauso gut hätte der zweite Sicherheitsmann die Verletzung herbeigeführt haben können, hiess es. Es sei aber auch denkbar, dass der Geschädigte sich selbst durch seine heftige Gegenwehr verletzt haben könnte. Kurz, es fehle die kausale Zuordnung der Verletzung zum Beschuldigten. Daher müsse ein Freispruch erfolgen. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 1840 Franken muss der Staat tragen. Zudem muss er dem zu Unrecht Beschuldigten für die Verteidigungskosten 3300 Franken ersetzen.