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Pilz-Apps sind umstritten

Apps versprechen Pilzsammlern Unterstützung bei der Bestimmung der Sorten. Die Pilzkenner warnen aber davor, sich allein auf die moderne Technik zu verlassen.
Chris Gilb / Carmina Wälti
Optisch lassen sich die Unterschiede zwischen Grauem Wulstling (links) und Pantherpilz nicht einfach erkennen. Der eine ist aber stark giftig, der andere nicht. (Bilder: fotolia)

Optisch lassen sich die Unterschiede zwischen Grauem Wulstling (links) und Pantherpilz nicht einfach erkennen. Der eine ist aber stark giftig, der andere nicht. (Bilder: fotolia)

Die Pilzsaison neigt sich langsam dem Ende zu und zeigt, dass das Sammeln wieder unter allen Altersklassen beliebt ist. Wie für vieles stehen auch fürs Pilzsammeln die passenden Apps bereit. Wer in einem App Store auf seinem Handy das Stichwort Pilze eingibt, erhält eine ganze Reihe von verschiedenen kostenlosen und kostenpflichtigen Apps angeboten. Einige davon suggerieren, das Bestimmen der Pilze sei ein Kinderspiel.

In Deutschland hat der Trend, sich solcher Programme zu bedienen, zu einer beunruhigenden Entwicklung geführt. Eine Nachfrage des Wochenmagazins «Spiegel» beim Giftinformationszentrum für Norddeutschland ergab, dass sich die Zahl der Notrufe wegen Pilzvergiftungen in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt hat. Auch ein Vergleich von sieben Pilz-Apps durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie kommt gemäss dem Magazin zu einem beunruhigenden Ergebnis: Ein Grossteil der Angebote kläre nicht einmal über einfache Merkmale wie die Hutoberfläche (schleimig, glatt oder schuppig) oder die Fleischverfärbung auf.

Nicht mehr Vergiftungsfälle in der Schweiz

Ein Blick auf eine aktuelle Statistik der Hotline «Tox Info Suisse» zeigt, dass in der Schweiz bisher noch keine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland festzustellen ist: Die Anzahl Anfragen wegen Pilzvergiftungen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht erhöht. Insgesamt melden sich in der Schweiz zwischen 300 und 350 Personen pro Jahr bei der Hotline deswegen, die meisten in der Hochsaison im Herbst.

Pilzsammler warnen vor Verwechslungen

Trotzdem warnen Pilzkenner davor, sich lediglich auf technische Hilfsmittel zu verlassen. «Ich selbst habe unzählige Bücher», erzählt Pilzkontrolleurin Notta Tischhauser aus Sevelen, welche für die Region Werdenberg zuständig ist. «Einen Pilz kann man nicht allein mit Bildern bestimmen», ist sie überzeugt. «Pilzkunde ist ein umfangreiches Fachgebiet.» Sich allein auf die moderne Technik zu verlassen, könne gefährlich werden. Ungeübte Sammler übersehen häufig wichtige Details, was zu verheerenden Verwechslungen führen kann. Es gibt nämlich viele essbare Pilze, die giftige Doppelgänger haben.

Auch das Klima hat einen Einfluss auf die Pilze. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL hat herausgefunden: Wegen der Klimaerwärmung wachsen hierzulande heute doppelt so viele Pilze wie noch in den 70er-Jahren. Dies bedeutet, dass noch mehr Pilzkenntnisse erforderlich sind. Tischhauser rät allen unerfahrenen Sammlern, die Pilze in jedem Fall von einem Pilzkontrolleur untersuchen zu lassen. Robert Neff ist Kontrolleur für das Obere Rheintal. «Obwohl derzeit viele Leute Pilze sammeln, kommen tendenziell weniger zur Kontrolle.» Dies könne auch damit zusammenhängen, dass sich die Sammler zunehmend auf technische Hilfsmittel verlassen würden, sagt Neff. Doch auch er warnt: «Der graue Wulstling beispielsweise ist nicht giftig, der Pantherpilz hingegen schon.» Die Unterschiede zwischen beiden könnten nur mit ausreichender Detailkenntnis erkannt werden. Ausserdem weist er daraufhin, dass für das Erkennen von Pilzen nicht nur die Optik, sondern auch der Geruch eine Rolle spiele.

Je nach eingenommener Menge des Pantherpilzes kann selten ein Koma oder sogar der Tod durch Atemlähmung eintreten. (Bild: (26159686))

Je nach eingenommener Menge des Pantherpilzes kann selten ein Koma oder sogar der Tod durch Atemlähmung eintreten. (Bild: (26159686))

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