Pflanzen ertrinken im Acker

Die Felder der Bauern sind aufgeweicht und können nicht mit Landmaschinen befahren werden. Auch die Reben des Weinguts Gonzen werden momentan in Handarbeit gepflegt.

Saskia Bühler
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In der Region gibt es dieses Jahr bisher weniger Schädlinge als in anderen Jahren. (Symbolbild: Reto Martin)

In der Region gibt es dieses Jahr bisher weniger Schädlinge als in anderen Jahren. (Symbolbild: Reto Martin)

REGION. Das Wetter der letzten Wochen wirft die Frage auf, ob in der nächsten Zeit eine Schädlingsplage über die Region hereinbrechen wird. Doch Daniela Marschall von der Fachstelle Pflanzenschutz des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez beruhigt: «Durch den Regen gibt es nicht unbedingt mehr Schädlinge. Die kommen eher bei warmem Wetter.»

Die derzeit häufigsten Schädlinge im Ackerbau seien Schnecken. Um die lästigen Gesellen loszuwerden, könne man sie unter anderem mit Schneckenkörnern bekämpfen.

Schnecken schaden vor allem Jungpflanzen, insbesondere Salat. Sie fressen die Jungblätter und können damit bewirken, dass die Pflanzen nicht mehr wachsen. Das kann zu Einbussen bei den Ernteerträgen führen.

Pilzerkrankungen sehr häufig

Stefan Hörner, Reb- und Kellermeister des Weinguts Gonzen in Sargans, geht noch etwas weiter als Marschall: «Im Rebbau gibt es dieses Jahr tendenziell weniger Schädlinge als in anderen Jahren.»

Bei Kirschessigfliegen könnte man das allerdings noch nicht mit Sicherheit sagen. Die kleinen Insekten sind zurzeit in ihrer Flugphase, ihre Anzahl verändert sich laufend. Ihre Vermehrung würde durch bleibend nass-warmes Wetter begünstigt und durch trockene Hitze gehemmt werden, erklärt Hörner.

Die Rebbauern sind zurzeit vor allem mit Pilzerkrankungen beschäftigt. Hörner: «Der Befallsdruck von Echtem und Falschem Mehltau ist im Moment sehr hoch.»

Auch im Ackerbau sind derzeit von der anhaltenden Nässe ausgelöste Pilzbefälle und bakterielle Erkrankungen häufig. Die Pflanzen sind wegen des durchnässten Bodens erheblich geschwächt. Sie können nicht genug Nährstoffe aufnehmen, beginnen zu faulen und können unter Umständen sogar darin ertrinken.

Bewirtschaftung von Hand

Die Reben des Weinguts Gonzen wurden durch den Regen nicht beschädigt. Jedoch steht die heikle Phase erst noch bevor: Die Reben befinden sich zurzeit in der Blütephase. Es kann Verrieselungen, also Einbussen, geben, wenn nicht alle Blüten befruchtet werden. Erst in ein bis zwei Wochen könne aber eine genauere Prognose abgegeben werden, erklärt Hörner, der auch Rebberge in Sax besitzt. Bis dahin ist auf dem Rebberg Vorsicht geboten: Der durchnässte Boden ist sehr rutschig und verunmöglicht teilweise eine Bewirtschaftung mit Maschinen. Deshalb müssen Hörner und sein Team in Handarbeit die Rebstöcke pflegen.

Wie viele Einbussen durch den Regen im Ackerbau entstanden sind, kann man derzeit auch noch nicht sagen. «Die Felder sind noch zu nass, um sie mit Maschinen zu befahren», erklärt Marschall. Erst wenn das Wetter etwa ein bis zwei Wochen trocken bleibt, seien die schweren Böden in der Region wieder trocken genug dafür. Dann kann man genauer sagen, welcher Anteil der Ernte dem Regen zum Opfer gefallen ist. ? DIE DRITTE