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PFÄFERS/TRÜBBACH: «Den Boden unter den Füssen verloren»

Für Betroffene bricht oft eine Welt zusammen, wenn sie dem Leistungsdruck nicht mehr standhalten können. Was ihnen dann hilft, sie fördert und unterstützt, suchte das jüngste Pirminsberger Gespräch zu klären.
Reinhold Meier
Sensibel zuhören und gemeinsam Lösungen suchen: Dr. Michael Kammer-Spohn, Thomas Pfiffner, Gordana Heuberger, Moderatorin Elisabeth Gross sowie Mirco Deflorin und Brigitte Fischer-Meng diskutierten das heikle Thema. (Bild: Reinhold Meier)

Sensibel zuhören und gemeinsam Lösungen suchen: Dr. Michael Kammer-Spohn, Thomas Pfiffner, Gordana Heuberger, Moderatorin Elisabeth Gross sowie Mirco Deflorin und Brigitte Fischer-Meng diskutierten das heikle Thema. (Bild: Reinhold Meier)

Reinhold Meier

redaktion@wundo.ch

Das schon traditionelle Podium der hiesigen Psychiatrie-Dienste Süd verblüffte mit einer über­raschenden Botschaft: Gerade bei Erschöpfung, Burn-out und Depression erweist sich Trans­parenz als ein wertvolles Instrument, sie muss aber sensibel gehandhabt und dem Einzelfall angepasst werden. «Denn natürlich kann es sein, dass man seinen Job verliert, wenn eine psy­chische Störung bekannt wird», sagte Thomas Pfiffner, Direktoriumsmitglied der Bündner SVA. Man sei zwar bei Krankheit per Gesetz geschützt, doch Betroffene seien eben oft in einer verletzlichen ­Situation und fänden dann nicht immer die Kraft, ihre Rechte durchzusetzen.

Einfach zum Arbeitgeber rennen und ohne Begleitüberlegungen alles zu erzählen, ist demnach ungünstig. «Das Timing muss stimmen», so Pfiffner an seiner ehemaligen Wirkungs­stätte. «Es kommt darauf an, wie das Vertrauen zum Arbeitgeber ausfällt», betonte denn auch ­Gordana Heuberger, Leiterin der Klinik St. Pirminsberg, vor den rund 70 Interessierten. Ein Gespräch mit dem Chef sei sorg­fältig vorzubereiten, idealerweise dann, wenn sich abzeichne, wie es langfristig weitergehen könne. Das Spektrum reiche von Wiedereingliederung, langsam steigenden oder gesenkten Pensen, einem neuen Werkplatz bis hin zu einer Reduktion der Aufgaben, Eintritt in die IV oder einer Kombination der Varianten. «Die Möglichkeiten sind sehr individuell und darum sind sie auch individuell zu erarbeiten», so Gordana Heuberger weiter.

«Zum Glück gibt’s gute Sozialarbeit»

Ihre Erfahrung zeige, dass Arbeitgeber bereit seien, sich auf solche Modelle einzulassen, wenn auch nicht alle. «Doch viele sind motiviert, eine neue Chance zu geben, oft sogar mehrere.» Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit der Beteiligten: Betroffene, Firmen, IV, RAV, Taggeldversicherung, ­allenfalls Kesb und Beistand. Oft sei der Behördendschungel zwar nur schwer zu durchschauen. Gerade deshalb müsse man auf eine gute Orchestrierung durch das Case-Management achten.

«Zum Glück haben wir eine kompetente Sozialarbeit», hielt Michael Kammer-Spohn fest, ­leitender Arzt der Klinik. Denn selbst Profis stünden schon mal etwas ratlos vor den zuweilen komplizierten Zuständigkeiten. Bei Patienten komme noch hinzu, dass sie vielfach Versagens­gefühle und Scham empfänden. «Das macht es noch schwerer, Transparenz zu zeigen.» Aus ärztlicher Sicht käme eine Offenlegung der Krankengeschichte nur in Frage, wenn der Patient das ausdrücklich wolle, etwa um seine Wiedereingliederung aktiv anzugehen.

«Wichtigeres als Geld und Erfolg»

Mit Brigitte Fischer-Meng und Mirco Deflorin beteiligten sich auch zwei Betroffene am Podium. «Mir stand der Drang, funktionieren zu müssen im Weg», so Deflorin rückblickend. Er habe Warnsignale überhört und sei ­immer tiefer in eine innere Leere gerutscht. «Einen Beinbruch sieht jeder, eine Depression nicht», appellierte er an die Öffentlichkeit, mehr Verständnis zu zeigen. Und: «Es gibt Wichtigeres als Geld und Erfolg.»

«Ich war dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen», so Brigitte Fischer-Meng, die spürte, wie sie einst den Boden unter den Füssen verlor. Der Konsum von Tabletten und Substanzen wäre eine Option gewesen. «Aber das ist eine ganz schlechte Idee.» Für sie sei zentral gewesen, dass sie sich Hilfe holen konnte. «Und hier habe ich sie sehr kompetent erfahren», ergänzte sie im Blick auf das breite therapeutische und sozialarbeiterische Wissen der Psychiatrie in Pfäfers und Trübbach.

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