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PFÄFERS: Ein guter Platz, um gesund zu werden

Psychiatrie hinter Mauern war gestern, heute steht Transparenz ganz oben. So konnten Interessierte die Psychotherapiestationen der Klinik St. Pirminsberg besuchen.
Reinhold Meier
Impulse für die innere Auszeit nehmen: Pflegeexpertin Selina Siegl präsentiert den sogenannten Skills- Koffer. (Bild: Reinhold Meier)

Impulse für die innere Auszeit nehmen: Pflegeexpertin Selina Siegl präsentiert den sogenannten Skills- Koffer. (Bild: Reinhold Meier)

Reinhold Meier

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«Zuerst habe mich als Versager gefühlt», erinnert sich Patient Rolf N.* an jene Phase, da er in die Klinik eintrat. «Ich dachte, ich ticke nicht mehr richtig und bin nichts mehr wert», so der 42-Jährige weiter, er habe ja plötzlich nicht mehr arbeiten können. Auch Sara K.* ging es so. «Ich dachte, ich stehe mit beiden Beinen fest im Leben, und dann kam der Tag meines Zusammenbruchs», erzählt die 26-jährige. Sie habe nach einer langen beruflichen Belastung keine Freude mehr empfunden und ihr Selbstwertgefühl sei im Keller gewesen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich so tief fallen könnte.»

Doch im Rückblick erwies sich ihr Eintritt als Glücksfall. Denn die Psychotherapiestationen in Pfäfers bieten ein gezieltes Angebot für Menschen, die an Erschöpfung, Depressionen oder Ängsten leiden oder auch an Essstörungen, ADHS oder Zwangsstörungen. Die eine Station richtet sich an Menschen in der ersten Lebenshälfte, die andere an jene in der zweiten und sie heisst denn auch 50-plus. «Neu hinzugekommen ist das Programm der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT)», betont Dr. Regula Meinherz, ärztliche Leiterin beider Stationen. DBT sei besonders geeignet für Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre Innenwelt in Balance zu halten und Gefühle angemessen auszuleben. Das gut etablierte Konzept helfe zu lernen, Probleme besser zu gewichten, Spannungszustände zu verstehen, Emotionen günstiger zu regulieren und das eigene Verhalten zu reflektieren.

«Wir behandeln auf Augenhöhe»

Der mit viel Liebe zum Detail vorbereitete Tag der offenen Tür belegte das Engagement der Beteiligten in dieser breiten Behandlungspalette. Kunst, Musik, Atmen, Achtsamkeit und Skills zählen ebenso hinzu wie Einzelgespräche mit Psychologie, Medizin und Pflege. «In Krisen ist es hilfreich und heilsam, sich wieder zu zeigen und auszudrücken», erklärte etwa Kunsttherapeut Christian Rostin. Auch der Umgang mit persönlichen, spirituellen Fragen gehört ins Angebotsspektrum. Bei all dem kommt es darauf an, dass die Patienten selbst viel Eigenverantwortung übernehmen, also eine aktive Rolle spielen.

«Darum ist das Indikationsgespräch sehr wichtig», hält Abteilungsleiter Roger Sperandio fest. Darin werde geklärt, welche Ziele der Patient sich setzen will und worum es ihm gehen soll. Autonomie sei gefragt. «Wir behandeln nicht einfach die Diagnose, sondern im Dialog und auf Augenhöhe.» Regelmässig würden Erfolge und Schwierigkeiten thematisiert und so ein persönlicher Lernprozess aktiviert. «Hier ist ein guter Platz, um gesund zu werden», hält denn auch Oberarzt Dr. Roland Stehr fest. «Wir schaffen ein Umfeld, das funktionales Verhalten stärkt und dysfunktionales schwächt.»

* Namen anonymisiert

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