Pendlerabzüge nicht für alle gleich

Pendler lassen sich die Autofahrt zur Arbeit teilweise üppig vergüten und machen fleissig Steuerabzüge. Im Kanton St. Gallen werden jährlich rund 400 Millionen Franken Fahrkostenabzüge geltend gemacht.

Nathalie Grand/sda
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ST. GALLEN. Weite Arbeitswege mit dem Auto können sich steuerlich lohnen. Es habe schon einmal einen Fall gegeben, bei dem ein Pendler rund 60 000 Franken an Fahrkosten von den Steuern abgezogen habe, sagt Raphael Schaub von der St. Galler Fachstelle für Statistik. «Aber das sind Einzelfälle», sagt er. Für 2011 ist eine Veranlagung mit einem Fahrkostenabzug fürs Auto zwischen 40 000 und 44 900 Franken verbucht, also etwa 3500 Franken im Monat, vier weitere zwischen 30 000 und 34 999 Franken. Für das Jahr 2012 sind die Ausreisser nach oben nicht bekannt. Immerhin: 403 steuerpflichtige Personen haben 15 000 Franken und mehr für Fahrten mit dem Privatauto zur Arbeit angegeben.

2012 wurden für private Motorfahrzeuge Abzüge in der Höhe von 420,5 Millionen Franken geltend gemacht. Beim öffentlichen Verkehr waren es 77,1 Millionen Franken. Insgesamt sind 2012 im Kanton St. Gallen 542,2 Millionen Franken an Fahrkostenabzügen gewährt worden.

Ungleiche Spiesse bei Abzügen

Wie es zu den ungleichen Spiessen zwischen Auto und öffentlichem Verkehr kommen kann, verdeutlicht der Vergleich der Kostenberechnung. Beim Auto können Pauschalkosten pro Kilometer abgezogen werden, beim öffentlichen Verkehr nur der effektive Billettpreis der zweiten Klasse. Wer etwa mit dem Zug von Sargans nach Zürich pendelt, kann ein Jahres-Streckenabo für 3105 Franken abziehen. Wer dieselben 94 Kilometer mit dem Auto pendelt, darf 13 295 Franken geltend machen.

Das Steueramt geht bei der Berechnung der Autokosten von einem Mittelklassewagen mit Anschaffungswert von 30 000 Franken aus. Wer mit dem Velo zur Arbeit fährt, darf jährlich maximal 700 Franken von den Steuern abziehen, unabhängig davon, wie lange die Strecke ist.

SVP ergriff Referendum

Der St. Galler Kantonsrat hatte im Rahmen des Entlastungspakets eine Begrenzung des Pendlerabzugs in der Steuererklärung auf noch 3655 Franken beschlossen. Der Betrag entspricht den Kosten eines Bahn-Generalabonnements zweiter Klasse. Gegen diesen Beschluss hat ein Komitee, hauptsächlich getragen von der SVP, das Referendum ergriffen, so dass es am 15. November zur Abstimmung kommt. Anders als im Kanton St. Gallen ist das Referendum im Thurgau gescheitert. Der Thurgauer Grosse Rat beschloss im Rahmen eines Sparpakets, den Steuerabzug für Pendler, die mit dem Auto vom Wohn- zum Arbeitsort fahren, auf 6000 Franken zu beschränken. Das Referendum dagegen scheiterte. Das Komitee aus Mitgliedern der Jungen SVP und des Bundes der Steuerzahler brachte die nötigen 2000 Unterschriften nicht zusammen.

In Innerrhoden kein Thema

Appenzell Ausserrhoden folgt dem Beispiel vom Kanton Thurgau und will den Abzug auf 6000 Franken beschränken, Graubünden auf 9000 Franken. In Appenzell Innerrhoden ist eine Begrenzung hingegen kein Thema. Der Halbkanton mit rund 16 000 Einwohnern weist den zweithöchsten Pendleranteil der Schweiz auf.