Paul-Grüninger-Stiftung verleiht Preise für «Gesten des Ungehorsams»

ST. GALLEN. Die Paul-Grüninger-Stiftung hat gestern drei Organisationen ausgezeichnet, welche die Situation der Migranten im In- und Ausland verbessern wollen.

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ST. GALLEN. Die Paul-Grüninger-Stiftung hat gestern drei Organisationen ausgezeichnet, welche die Situation der Migranten im In- und Ausland verbessern wollen.

Alt Bundesrätin Ruth Dreifuss erinnerte in ihrer Rede zur Verleihung des Paul-Grüninger-Preises im Hofkeller an Paul Grüningers «Akt des Ungehorsams», der vielen Flüchtlingen das Leben rettete. Im selben Geist würden auch die drei prämierten Organisationen handeln – mit Gesten des Ungehorsams. Der Paul-Grüninger-Preis des Jahres 2015 geht an die spanische Landarbeitergewerkschaft SOC-SAT (Sindicato de Obreros del Campo/Sindicato andaluz de los trabajadores).

Ausbeutung bei Gemüseernte

Sie setzt sich laut der Paul-Grüninger-Stiftung für papierlose Migranten und Saisonniers ein, die weitgehend rechtlos und unter skandalösen Bedingungen Gemüse ernten, das im Winter auch in den Schweizer Läden zum Verkauf angeboten wird. Der Preis ist mit 50 000 Franken dotiert. Ausserdem wurden zwei Anerkennungspreise im Wert von je 10 000 Franken verliehen. Der erste ging an die Autonome Schule Zürich (ASZ). Sie bietet unter anderem kostenlose Deutschkurse für Flüchtlinge an.

«Widersprüchliche Gesetze»

Den zweiten Anerkennungspreis erhielt eine Widerstandsbewegung von Asylbewerbern in Österreich, das Refugee Protest Camp Vienna.

Die Situation von Flüchtlingen sei nicht zuletzt widersprüchlichen Gesetzen geschuldet, sagte Ruth Dreifuss in ihrer Rede und ergänzte: «Sprachkenntnisse sind verlangt, aber Sprachkurse nicht zahlbar. Faulenzen ist verpönt, aber arbeiten dürfen die Menschen nicht.» Die Preisträger würden deshalb in eigener Regie handeln, «auf die Dringlichkeit der Probleme horchend». (av)