Ostschweizer Piloten suchen Flüchtlinge im Mittelmeer

ST. GALLEN. Wer dieser Tage ans Mittelmeer fliegt, dürfte vor allem Erholung und die schönen Seiten des Lebens im Sinn haben.

Adrian Vögele
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ST. GALLEN. Wer dieser Tage ans Mittelmeer fliegt, dürfte vor allem Erholung und die schönen Seiten des Lebens im Sinn haben. Das Gegenteil trifft auf eine kleine Gruppe von Ostschweizer Piloten zu: Ende Juni hat die Humanitäre Piloten-Initiative (HPI) begonnen, mit einem Kleinflugzeug nach Flüchtlingsbooten in Seenot zu suchen. Auf über fünfstündigen Flügen ab der italienischen Insel Lampedusa stiessen die Piloten bis zur libyschen Küste vor. Schon der erste Versuch war erfolgreich: Die Besatzung entdeckte zwei Flüchtlingsboote – über 100 Menschen wurden anschliessend mit Schiffen gerettet.

Hohe Nachfrage vor Ort

Die ersten Suchflüge, welche die HPI zusammen mit der zivilen Seenotrettung Sea-Watch aus Deutschland durchführte, lösten ein grosses Echo bei den Rettungsorganisationen vor Ort aus. «Alle warten darauf, dass wir die Flüge fortsetzen», sagt HPI-Pilot Fabio Zgraggen.

Grössere Maschine als Option

Das HPI-Team musste bereits früh improvisieren: Ursprünglich war die tunesische Insel Djerba als Basis für die Einsätze vorgesehen – doch die Behörden verlangten im letzten Moment eine zusätzliche Bewilligung, die bislang noch nicht vorliegt. Einstweilen beschlossen die Piloten, die Suchflüge ab Lampedusa zu starten – trotz der viel grösseren Distanz und der längeren Flugdauer. Die Einsätze sind laut Zgraggen sehr anstrengend und die finanziellen und personellen Ressourcen knapp. Dennoch will die HPI die Suchflüge demnächst wieder aufnehmen – und dafür allenfalls eine schnellere, zweimotorige Maschine chartern. ? OSTSCHWEIZ 8