OSTSCHWEIZ: Wiedergutmachung für Verdingkinder

Die Stiftung Opferhilfe unterstützt Betroffene, welche körperliche, psychische und sexuelle Gewalt durch eine Zwangsmassnahme oder Fremdplatzierung erleiden mussten. Gesuche können eingereicht werden.

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Am 1. April trat das «Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981» in Kraft. Mit dem Gesetz sol­len Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen Wiedergutmachung erfahren. Wie die Stiftung Opfer­hilfe berichtet, läuft die Beratungsarbeit gut und die Anzahl ein­gereichter Gesuche an den So­lidaritätsfonds steigt laufend. Auch die Regierung will jetzt ­einen Beitrag an die Wieder­gutmachung leisten. Dies schreibt die Staatskanzlei des Kantons St. Gallen in ihrer Mit­teilung.

Bis im Jahre 1981 wurden schweizweit Zehntausende Kinder und Erwachsene in Heime, in landwirtschaftliche Betriebe oder durch behördliche Entscheide in geschlossene Einrichtungen eingewiesen. Sie haben oft körper­liche und psychische Gewalt, Ausbeutung, Misshandlungen und sexuelle Missbräuche erlitten. Frauen waren im Rahmen solcher Massnahmen manchmal gezwungen, einer Abtreibung, einer Sterilisation oder einer Adoption ihrer Kinder zuzustimmen.

Mit dem Gesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen will der Bund dieses begangene Unrecht anerkennen. Die Betroffenen erhalten durch die neuen gesetzlichen Grund­lagen aber auch ein umfassendes Akteneinsichtsrecht und der Bund sorgt für eine umfassende Aufarbeitung. Zudem sieht das Gesetz die Ausrichtung von Solidaritätsbeiträgen vor – eine finanzielle Leistung zur Anerkennung des erlittenen Unrechts und als Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität.

Stiftung Opferhilfe als Beratungsstelle

Zur Unterstützung der Betroffenen wurden kantonale Anlaufstellen benannt. Im Kanton St. Gallen ist die Stiftung Opferhilfe der Kantone St. Gallen und der beiden Appenzell dafür zuständig. Sie berät die Betroffenen und unterstützt sie bei der Suche nach Akten und bei der Vorbereitung der Gesuche um Gewährung des ­Solidaritätsbeitrags. Damit eine Person einen Solidaritätsbeitrag erhält, muss sie insbesondere ihre Opfereigenschaft glaubhaft machen. Die administrativen Hürden sind aber tief und die Gesuchsformulare bewusst einfach gehalten. Laut Brigitte Huber, Geschäftsleiterin der Stiftung Opferhilfe, haben sich bis Mitte November 336 betroffene Personen gemeldet. Von diesen wurden 236 bei der Einreichung eines Gesuchs an den Solidaritätsfonds des Bundes unterstützt.

Gesuche können weiterhin eingereicht werden

Gesuche an den Solidaritätsfonds können noch bis zum 31. März 2018 eingereicht werden. Betroffene aus dem Kanton St. Gallen sind also weiterhin eingeladen, sich bei der kantonalen Anlaufstelle zu melden. Alle Opfer werden einen Beitrag in derselben Höhe erhalten – dieser wird je nach Anzahl der Gesuche zwischen 20 000 und 25 000 Franken betragen. Die Auszahlung beginnt ab dem 1. April 2018. (pd)