OSTSCHWEIZ: Schulstoff zum Teil veraltet

Am Konjunkturforum wurde das Berufsbildungssystem durchleuchtet. Fazit: Es ist gut, müsste aber noch besser werden.

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«Die Berufsbildung der Schweiz geniesst einen exzellenten Ruf. Doch wir dürfen uns nicht aus­ruhen.» Dies schreibt die Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell in ihrer Mitteilung. Am Konjunkturforum der IHK und der St. Galler Kantonalbank wurden die Resultate einer Umfrage zur Berufsbildung präsentiert und vorgeschlagen, die Berufsfachschulen künftig als Kompetenzzentren einzelner Berufsfelder zu organisieren.

Das diesjährige Konjunkturforum «Zukunft Ostschweiz» machte seinem Namen alle Ehre: Im Zentrum stand der Berufsnachwuchs und die Zukunft der Berufsbildung. Sabine Bianchi und IHK-Direktor Kurt Weigelt führten als Moderatoren-Duo durch den Abend und beleuchteten das Thema in Kurzinterviews mit der Thurgauer Regierungs­rätin Monika Knill, Peter Spenger (Präsident IHK St. Gallen-Appenzell), Christof Oswald (Head of Human Resources, Bühler AG) und Marco Frauchiger (Rektor Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil) von verschiedenen Seiten. Grundlegendes Fazit: Das System ist gut, könnte und müsste aber noch besser werden.

Berufsbildung: Zufrieden mit praktischer Ausbildung

Während der Veranstaltung wurden die Resultate eines von der IHK St. Gallen-Appenzell in Auftrag gegebenen FHS-Praxis­pro­jektes präsentiert. Dieses klärte in einer Umfrage die Zufriedenheit mit der Berufsbildung ab. Die drei Studienautorinnen, Nadine Moser, Sabrina Thürlemann und Andrina Weiler, erklärten auf der Bühne, dass der Rücklauf überdurchschnittlich war. Die Identifikation mit dem System der ­Berufsbildung ist offensichtlich nach wie vor hoch. Mehr als 1300 Lernende, ehemalige Lernende und Ausbildner aus den Berufsfeldern kaufmännische Berufe, technische Berufe, Detailhandel und Informatik nahmen an der Umfrage teil. Zu den wichtigsten Resultaten zählten die drei Studentinnen, dass die Zufriedenheit mit der praktischen Ausbildung in den Betrieben hoch ist. Deutlich weniger positiv äusserten sich die Befragten zu den beiden anderen Lernorten, den Berufsschulen und den überbetrieblichen Kursen.

Zwei unterschiedliche ­Geschwindigkeiten

Christof Oswald, IHK-Vizepräsident und Head of Human Resources bei Bühler in Uzwil, bestätigte den Befund des Praxisprojektes. Auch er stellt fest, dass die Arbeitswelt und die Berufsschule mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind. Die Schulen hätten aufgrund ihrer Organisation und Struktur Mühe, dem Tempo der Wirtschaft zu folgen. Die Konsequenz sei, dass der vermittelte Schulstoff zum Teil veraltet ist. Der konti­nuierliche Veränderungsprozess brauche vielmehr eine neu ausgerichtete, breitere und flexiblere Grundausbildung.

Kompetenzorientierte ­Berufsfachschulen

Ausgehend von dieser Analyse zeigte IHK-Direktor Kurt Weigelt auf, wie mehr Bewegung in das Berufsbildungssystem gebracht werden kann. Es sei notwendig, die fachlichen Schnittstellen stärker zu gewichten und die Unternehmen vor Ort vermehrt in die Schulentwicklung einzubinden. Gelingen soll dies, indem die Berufsfachschulen künftig nach Kompetenzen und nicht länger nach geografischen Gesichtspunkten organisiert werden. Ziel sei es, dass für jedes Berufsfeld eine Berufsfachschule gebildet wird, die in enger Zusammenarbeit mit einem Berufsfachschulrat und Fachlehrern aus der Praxis die Berufsbildung der entsprechenden Branche in die Zukunft führt.

Je nach Grösse eines einzelnen Berufes könne auch in Zukunft an verschiedenen Stand­orten ausgebildet werden. Eine der Voraussetzungen ist, dass die  einzelnen Berufsfachschulen eine hohe organisatorische Autonomie erhalten. So müsse sich die Ausbildung in IT-Berufen anders entwickeln können als ein handwerklicher Beruf. Die politische Führung der kompetenzorientierten Berufsfachschulen soll über Leistungsvereinbarungen erfolgen. (pd)