Ohne Strom nach Rom

Der pensionierte Grabser Lehrer Peter Hasler fuhr mit seinem Aargauer Campingkollegen Urs Rosenberg von Tenero in elf Tagen mit dem Tourenvelo samt Sack und Pack nach Rom.

Hanspeter Thurnherr
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Letzter Trinkhalt vor Assisi: Der Wallfahrtsort grüsst vom Hügel herunter.

Letzter Trinkhalt vor Assisi: Der Wallfahrtsort grüsst vom Hügel herunter.

GRABS/TENERO. «Wer meint, dass es nach Rom <hinunter> nur abwärts geht, täuscht sich gewaltig», zeigt sich Peter Hasler beeindruckt von der italienischen Topographie. Denn auf den 930 Kilometern bis zur «Heiligen Stadt» überwanden die beiden nicht weniger als 8500 Höhenmeter. «Vor allem die Überquerung des Apennins erwies sich als schweisstreibend und häufig geht es auf und ab, Hügel um Hügel», erzählt Hasler.

Start im Tessin

Doch der Reihe nach: Anfang 2016 begannen die beiden Campingkollegen mit den Vorbereitungen. Sie erstellten eine Packliste und einen Routenplan, probierten die zwei Fahrrad-Navigationsgeräte aus («die Apps Komoot und Garmin waren sehr hilfreich»), checkten die Übernachtungsmöglichkeiten, arrangierten ein Probepacken und testeten die Regenkleider, welche sie dann zum Glück nur auf dem Monte Ceneri montieren mussten.

Der Startort war Ende Juni der Campingplatz in Tenero am Lago Maggiore – und erster Fitnesstest gleich der Monte Ceneri. Mailand wurde grossräumig via Comersee und Bergamo umfahren. Durch die mehrheitlich flache Poebene mit ihren grossen Landwirtschaftsbetrieben und Fabriken führte der Weg nach Bologna. «Die Emilia-Romagna ist grüner, saftiger, lieblicher als die Poebene rund um Mailand», stellte Peter Hasler fest.

Lohn für Auge und Nase

Bald danach begann die Überwindung des Apennin in Richtung Florenz. Die hügelige Toscana und später Latium, das Umland von Rom, belohnte dafür Auge und Nase mit Olivenplantagen, Pinien und Zypressen, blühendem Oleander und leuchtend gelbem Ginster. «Auffällig sind die relativ sauberen Städtchen im Norden – im Gegensatz zu Rom, wo noch einiges zu machen wäre», stellte Peter Hasler fest.

Frühe Tagwache

Weil das Wetter immer schwül-heiss war und die Temperatur um die 30 Grad, machten die beiden «Velotramper» früh Tagwache, um die Morgenfrische zu nutzen. Bewusst schalteten sie Trinkhalte ein, um bis zu sieben Liter pro Tag einzunehmen, meist Wasser und manchmal ein gespritztes Bier. Als Zwischenverpflegung dienten Bananen oder Dörrfrüchte. «Den richtigen Rhythmus zu finden war anfangs nicht einfach», sagt Peter Hasler.

Viele löchrige Strassen

Von Schotterstrassen bis halbe Autobahnen, von grossem intensiven Verkehr in den Ballungszentren bis einsame Streckenstücken erlebten Hasler und Rosenberg «verkehrsmässig alle Schattierungen», meist aber Strassen mit vielen Rissen und Löchern («Zum Glück hatten wir Sattelfederung und Federgabeln»). Gegen die «Sitzhöckerschmerzen» halfen Pasten. Abendspaziergänge und frühe Bettruhe waren ebenso nötig wie Sonnencrème mit Faktor 50.

Hotelsuche per App

Als gute Übernachtungsmöglichkeiten erwies sich Agriturismo. Peter Hasler: «Der Nachteil: die Unterkünfte liegen abseits der Route und meistens auf einer Anhöhe.» Nach einem Tag mit rund über 80 Kilometern in den Beinen ist es leicht vorstellbar, dass dies in der Regel keine Freudenstürme auslöst.

Die beiden machten positive Erfahrung bei der Hotelsuche mit der App oder einfach durch Fragen. «Sogar die Polizei war hilfsbereit.» Und dies, obwohl Peter Hasler (Rosenberg konnte kein Italienisch) sich mit einigen Brocken der Landessprache – aber mit wenig Hemmungen – durchschlagen musste. «Es war eine unvergessliche sportliche Tour mit vielen Höhepunkten», zieht Peter Hasler zufrieden Bilanz.

Startklar für das Abenteuer: Peter Hasler (links) und Urs Rosenberg auf dem Campingplatz in Tenero. (Bilder: pd)

Startklar für das Abenteuer: Peter Hasler (links) und Urs Rosenberg auf dem Campingplatz in Tenero. (Bilder: pd)