Ohne ökologische Stimmen aus St. Gallen

Zuerst war es LdU-Nationalrat Franz Jaeger, später folgten Pia Hollenstein und Yvonne Gilli von den Grünen: Die «ökologische Stimme St. Gallens» tönte seit über vier Jahrzehnten im Politkonzert in Bern mit. Nun ist diese Stimme fast verstummt.

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ST. GALLEN. Durch die Abwahl von Yvonne Gilli (Grüne) und Margrit Kessler (Grünliberale) aus dem Nationalrat verliert die Umweltlobby zwei bekannte St. Galler Köpfe. Die Sitze gehen an die SVP und die FDP. Bleibt noch SP-Nationalrätin Claudia Friedl als St. Galler Ökologie-Fürsprecherin in Bern. Für die 55jährige Umweltnaturwissenschafterin haben Umweltthemen hohe politische Priorität, wie sie auf ihrer Homepage schreibt.

Grüne seit 1991 im Nationalrat

Während die Grünliberalen ihr Nationalrats-Mandat in St. Gallen nur für eine Amtsdauer halten konnten, geht für die Grünen eine Ära von 24 Jahren zu Ende: 1991 hatte die Partei mit Pia Hollenstein einen Sitz erobert. Hollenstein gehörte dem Parlament bis 2006 an. Nach ihrem Rücktritt rutschte Urs Bernhardsgrütter für ein «Gastspiel» nach. 2007 ging der grüne Sitz an die Wiler Ärztin Yvonne Gilli. Die Klimadiskussion stand oben auf der politischen Agenda. Die Grünen gewannen mit einem Wähleranteil von 9,6 Prozent 20 Nationalrats- und zwei Ständeratssitze. 2011 schaffte Gilli die Wiederwahl. Vergangenes Wochenende wurde ihr aber der landesweite Rechtsrutsch zum Verhängnis. Die Grünen verloren ihren St. Galler Sitz.

Der «grüne Franz«

Schon vor der Ära der Grünen hatte der Kanton eine ökologische Stimme in Bern: Franz Jaeger wurde 1971 für den Landesring der Unabhängigen (LdU) in den Nationalrat gewählt. Der heute 73jährige Ökonom und HSG-Professor gehörte dem Parlament bis 1995 an. Jaeger trat für autofreie Sonntage und den Atomausstieg ein. Die 1990er- Jahre brachten dem LdU den Niedergang bis zur Parteiauflösung. Seine Abschiedsvorlesung an der HSG 2007 hielt er zum Thema «Öffnen macht uns stark. Doch warum tun sich so viele schwer damit?» (sda)