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Oh, du unerbittliche Fortuna

Die Zusatzvorstellung des Chorwerkes «Carmina Burana» in der evangelischen Kirche war fast bis auf den letzten Platz besetzt, die Abendvorstellung ausverkauft. Rund 200 Sängerinnen, Sänger und Musikanten brachten das Orff-Werk zur Aufführung.
Katharina Rutz
Die Solistin Sigrid Plundrich mit ihrem hellen Sopran und Solist Christian Büchel mit seinem volltönenden Bariton begeisterten das Publikum in der vollbesetzten evangelischen Kirche Buchs. (Bild: Katharina Rutz)

Die Solistin Sigrid Plundrich mit ihrem hellen Sopran und Solist Christian Büchel mit seinem volltönenden Bariton begeisterten das Publikum in der vollbesetzten evangelischen Kirche Buchs. (Bild: Katharina Rutz)

Das musikalische Highlight dieses Herbstes zu bieten, war das Ziel des Gemeinschaftsprojektes «Carmina Burana» der drei Chöre Sängerbund Buchs, Männerchor Harmonie Mels und We are Family Chors Triesen sowie dem Orchester Liechtenstein-Werdenberg (der W&O berichtete). Dieses haben sie erreicht. Die Premiere in Vaduz war bereits ausverkauft. In Buchs musste gar am Samstagnachmittag eine Zusatzvorstellung gegeben werden, da der Abend ebenfalls ausverkauft war.

Offenbar wissen die «Vagantenlieder» aus dem Mittelalter über Frühlingsgefühle, Liebschaften und Ausschweifungen in der Taverne auch heute noch zu begeistern. Denn Carl Orff schrieb sein Libretto «Carmina Burana» zu Texten, die von im Mittelalter herumziehenden Studenten, Bettelmönchen und anderen Vagabunden geschrieben wurden. Sie stammen aus dem bayrisch-österreichischen Raum, sind in herabgekommenem Latein oder früher deutscher Vulgärsprache geschrieben und handeln entsprechend auch von den sehr weltlichen Dingen des Lebens.

«O fortuna» heute noch populär

Die «Carmina Burana» wurde im Jahre 1937 erfolgreich an der Oper Frankfurt am Main uraufgeführt. Der Chorsatz «O fortuna» zu Beginn und am Schluss des Werkes ist auch heute noch populär und wird in Werbespots von Film- und Fernsehproduktionen verwendet. Die Schicksalsgöttin, die unerbittlich am Rad des Lebens dreht, wird entsprechend imposant besungen, und so zeigen die drei Chöre und das Orchester von der ersten Sekunde an, was sie können. Dann wird es ruhiger, und Frühlingsgefühle keimen auf. Der Moderator Rainer Wolf übersetzt auf amüsante Weise die Texte. So erzählt er im ersten Teil, mit welchen Künsten, inklusive List und Tücke, die Mädchen hinter den Jungen her sind. Der «Geselle» – also der Geliebte – allerdings ist davongeritten. Die Mädchen versuchen ihn mit etwas Rouge vom Krämer zurückzuerobern. Bereits hat der Buchser Bariton Christian Büchel seinen ersten Einsatz. Im zweiten Teil erweckt er mit seiner Stimme die Tavernen-Lieder über das ausgelassene und zügellose Leben der damaligen Kleriker zum Leben.

Spanischer Tenor in Paraderolle

Der spanische Tenor Joaquín Asiain hat seine Rolle als der Schwan in «Carmina Burana» bereits über 200 Mal gesungen. Diese Rolle liegt ihm besonders gut, weil der Komponist Carl Orff sie in sehr hoher Tonlage geschrieben und darauf bestanden hatte, dass sie von einem Tenor in Vollstimme gesungen wird. Dies ist die Spezialität von Joaquín Asiain.

Im dritten Teil geht es dann um die höfische Liebe, jedoch nicht im Sinne der ritterlichen Minne. Die deutsche Sopranistin Sigrid Plundrich singt von der Zerrissenheit zwischen Keuschheit und liebendem Verlangen, und Bariton Christian Büchel verlangt es nach Küssen. In den Texten des Chores freilich verlangte es die Jungen und Mädchen gar nach noch mehr. Die beiden so gegensätzlichen Profistimmen in Abwechslung mit dem Chorgesang waren einer der Höhepunkte der Aufführung.

Der Applaus am Schluss ging in eine Standing Ovation über, die gar nicht mehr enden wollte. Chöre und Orchester wurden beklatscht und die Solisten bejubelt. Nach dem letzten Auftritt gestern in Unterägeri ist das «musikalische Highlight» dieses Herbstes nun genau wie die mittelalterlichen «Vagantenlieder» – Geschichte.

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