Offensive für «Bioland Rheintal»

Die Nachfrage an Schweizer Biogemüse für die industrielle Verarbeitung ist gross. Zum Beispiel an schockgefrorenem Gemüse und Beeren. Das Angebot deckt die Nachfrage nicht. Dagegen will Beni Dürr, Gams, etwas unternehmen.

Heidy Beyeler
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Beni Dürr mitten in einem Romanesco-Feld, umrandet von natürlichen Landstreifen, die eine breite Biodiversität ermöglichen. (Bild: Heidy Beyeler)

Beni Dürr mitten in einem Romanesco-Feld, umrandet von natürlichen Landstreifen, die eine breite Biodiversität ermöglichen. (Bild: Heidy Beyeler)

REGION. Die Nachfrage an landwirtschaftlichen Bioprodukten in der Schweiz steigt zusehends. Auf dem Gemüsesektor ist das nicht nur bei Frischprodukten der Fall. Auch verarbeitetes Bio-gemüse ist gefragt – am liebsten pfannenfertig geputzt und gerüstet. Kleinhaushalte, Singles und Leute, die gerne einen Vorrat an Gemüse haben und dieses deshalb im Tiefkühler bereithalten, möchten während zwölf Monaten die ganze Palette von Gemüse zur Verfügung haben. Zusehends wird in der Schweiz auch auf tiefgefrorenes Gemüse in Bioqualität – aus Schweizer Anbau – gesetzt.

Verteilung schafft Effizienz

Um die stark ansteigende Nachfrage abzudecken, startet Beni Dürr die Offensive «Bioland Rheintal», wie er seine Idee nennt. Dafür sucht er Landwirte vom Bodensee bis zum Walensee und ins Bündner Rheintal – die gewillt sind, im Auftrag Biogemüse anzubauen. Die Abnahme wird durch die Verdunova AG (verarbeitender Betrieb), Sennwald, gewährleistet. Der Schwesterbetrieb, die Conorti AG, Haag, übernimmt das Setzen der Pflanzen und das Ernten von Gemüse und Früchten.

Der Betrieb hat sich auf Kulturen spezialisiert, die nicht maschinell geerntet werden können. «Conorti übernimmt deshalb Teile der Personalkosten vor allem bei gemischtwirtschaftlichen Landwirtschaftsbetrieben. Sie können häufig solche Ernten nicht ausführen, weil sie nicht über einen Personalpool verfügen, wenn beispielsweise für die Blumenkohlernte ad hoc zehn Personen eingesetzt werden müssen», sagt Beni Dürr. «Wir suchen darum Landwirte, welche die Felder vorbereiten, diese nach Bio-Richtlinien düngen, die Kulturen von Unkraut freihalten und – falls notwendig – bei Trockenheit die Gemüsefelder wässern.»

Die klaren Arbeitsaufteilungen machen effizientes Produzieren möglich. Der Landwirt macht die Feldarbeit, Conorti stellt die Maschinen (setzen und ernten) zur Verfügung und wenn nötig auch das Personal; die Verdunova verarbeitet die Produkte erntefrisch.

Erfolgreiches Zusammenspiel

Die Verdunova, mit Beni Dürr an der Spitze, kauft bereits heute für rund zwei Mio. Franken Bio-gemüse und -früchte von Landwirten aus der übrigen Schweiz ein. Im Rheintal baut Conorti jetzt schon auf 160 Hektaren Gemüse und Früchte konventionell an. «Die Arbeitsaufteilung zwischen den beiden Unternehmen sowie den Landwirten bewährt sich», betont Dürr.

Auf dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb in Haag werden durch die Conorti vorerst Versuche zu Anbausystemen für Gemüse und Beeren vorgenommen», führt Beni Dürr im Gespräch mit dem «St. Galler Bauer» weiter aus. Die Erkenntnisse werden anschliessend den Landwirten weitergegeben, welche die gewonnenen Erfahrungen auf ihren Äckern in die Praxis umsetzen.

Bewährtes auf Bio ausbauen

Beni Dürr hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Zusammenarbeit mit Landwirten im Rheintal speziell im Bereich von Biogemüse zu intensivieren. «Im Rheintal haben wir – klima- und bodenmässig ausgezeichnete Bedingungen für den Biogemüse-Anbau. «Diese Situation möchten wir nutzen, um das von uns verarbeitete Biogemüse möglichst in der Nähe gedeihen zu lassen» betont Dürr. Das entspricht auch dem Bio-Gedanken, weil dadurch keine langen Transporte bis zum Verarbeitungsbetrieb anfallen. Und er sei aufgrund der guten Voraussetzungen überzeugt, dass sich das Rheintal als Bioland profilieren könne.

Landwirte talauf, talab, die bereit sind – mit Unterstützung des Haager Unternehmens – in den Biogemüse-Anbau einzusteigen, können dies ohne Zusatzinvestitionen tun. «Bei der Umstellung auf Bioanbau erhalten sie fachliche Beratung und können dann auch von höheren Direktzahlungen nach AP 14–17 profitieren, falls sie sich für diesen Weg entscheiden», argumentiert Dürr. Bei der Umstellung auf Bio sei fachliche Unterstützung insbesondere bei der Planung, bei der Umsetzung auf den Gemüsefeldern (inklusive Unkrautbekämpfung) und beim Absatz der Produkte nützlich und hilfreich.

Eine Informationsveranstaltung für Biobetriebe und Umstellungswillige findet am 3. September, um 20 Uhr, bei Verdunova AG, Simon FrickStrasse 22, 9466 Sennwald, statt.