OBERTOGGENBURG: «Für das gemeinsame Skiticket»

Die Toggenburger Bergbahnen wollen die Aktienmehrheit der Bergbahnen Wildhaus. Per Inserat bieten sie den Aktionären einen lächerlichen Preis an.

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Die Wogen rund um die Bergbahnen im Toggenburg gehen wieder einmal hoch. Es geht um ein überraschend publiziertes Inserat im «Toggenburger Tagblatt» vom Samstag, in dem die Toggenburg Bergbahnen AG (TBB) Namenaktien der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) kaufen wollen. Die TBB streben dadurch die Aktienmehrheit der BBW an. Dies geht aus dem Inserat hervor. Es wurde von der Verwaltungsratspräsidentin der TBB, Mélanie Eppenberger, in Auftrag gegeben und trägt den Titel «Rettung des gemeinsamen Skitickets im Obertoggenburg.» Die Aktionäre der BBW werden dazu aufgerufen, ihre Aktien zu einem Spottpreis an die TBB zu verkaufen. Die TBB ist gemäss Angaben im Inserat der Ansicht, dass der gebotene Preis den Wert der BBW widerspiegelt.

Im Winter 2016/17 hat es ein gemeinsames Winterticket der beiden Anbieter gegeben. Mélanie Eppenberger hatte aber offen gelassen, ob dieser Verbund langfristig bestehe. Der Vertrag, der mit Hilfe des Kantons zustande kam, läuft bis zur Saison 2018/2019, schreibt die «Ostschweiz am Sonntag». Schon einmal ist das gemeinsame Ticket beerdigt worden – schon damals aufgrund Querelen der Toggenburger Bergbahnen.

Niemand wusste etwas davon

Von den Plänen, die nun mittels Inserat verbreitet wurden, wusste niemand etwas. Weder Kanton noch Tourismusverband, auch nicht die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Auch die BBW selber erfuhren es durch das Inserat in der Zeitung. «Das ist eine feindliche Übernahme», sagt Verwaltungsratspräsident Jakob Rhyner gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Das sei rechtlich wohl korrekt, aber moralisch verwerflich. Für sein Unternehmen sei das Angebot der TBB ein Affront. Der Preis, den diese für eine Wildhauser Aktie zahlen wollen, lässt stutzen: 25 Franken. Oder den Tausch von zehn BBW- gegen eine TBB-Aktie, so das Inserat. Dabei hat eine Aktie der Wildhauser Bergbahn laut Steuerwert einen Wert von 200 Franken, wohingegen die der TBB mit lediglich 100 Franken gelistet werden.

«Die Offerte der TBB kommt einer Enteignung unserer Aktionäre gleich», sagt Rhyner. «Mélanie Eppenberger will für den Preis eines Pistenfahrzeugs ein gesamtes Bergbahnunternehmen kaufen.» 51 Prozent der Aktien zu je 25 Franken entsprächen rund 400000 Franken. Dafür hätten dann die TBB das Sagen. Und Zugriff auf die derzeit über drei Millionen Franken flüssige Mittel der BBW. «Das ist doch wie in einem Wirtschaftskrimi.»

«Die Aktion der Toggenburger Bergbahnen ist für uns unverständlich und schadet der Region», sagt der CEO der BBW, Urs Gantenbein. Man kämpfe seit über 20 Jahren für die Region, für ein gemeinsames Ticket, und nun das.

Die Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburger Bergbahnen, Mélanie Eppenberger, nimmt keine Stellung gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». «Der Ball liege nun bei den Aktionären», sagt sie lediglich. In Wildhaus ist man guten Mutes, dass «die allermeisten Aktionäre nicht verkaufen werden». Rund 2000 Aktionäre besitzen 31680 Aktien. «Mehrheitsaktionäre haben wir keine», sagt Rhyner. Die meisten seien Leute aus der Region, die Aktien aus Verbundenheit mit den Bergbahnen halten. Auf Facebook verkündeten denn auch viele ihren Unmut.

Die Bergbahnen Wildhaus wollen nächste Woche eine Verwaltungsratssitzung einberufen und ihre rund 2000 Aktionäre informieren. (wo/miz/mkn/aru)