OBERSCHAN: Fünf Millionen Schritte gewandert

Über 3700 Kilometer haben Yvonne und Sascha Frei auf ihrer Hochzeitsreise quer durch Deutschland zurückgelegt. Ein Abenteuer, das ihnen auch heute noch viel Kraft und Ruhe gibt.

Julia Kaufmann
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Während 229 Tagen wanderten die frisch Verheirateten durch Deutschland. (Bild: PD)

Während 229 Tagen wanderten die frisch Verheirateten durch Deutschland. (Bild: PD)

Julia Kaufmann

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Den Job künden, die eigene Wohnung aufgeben und das Auto verkaufen. Was im ersten Moment wohl unvorstellbar klingen mag, haben Yvonne und Sascha Frei aus Oberschan freiwillig und mit Freude gemacht, um ihren gemeinsamen Traum zu verwirklichen: während der Hochzeitsreise zu Fuss durch Deutschland wandern. Insgesamt waren sie 229 Tage unterwegs. Gestartet am 11. März 2014 auf der Insel Sylt, haben sie zehn Bundesländer durchlaufen, rund fünf Millionen Schritte gemacht sowie wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen sammeln können, bevor sie am 24. Oktober desselben Jahres wieder in Buchs eingetroffen sind.

Chance am Schopf gepackt und Traum verwirklicht

Entstanden ist die Idee aufgrund der gemeinsamen Wanderleidenschaft des Paares. Die Hochzeit kurz vorher ein guter Grund, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. So ist wohl eine der aussergewöhnlichsten Flitterwochen entstanden, die anfänglich aber nicht bei allen Familienmitgliedern und Freunden Anklang fand. «Viele fragten, was wir in Deutschland wollen. Wandern in Neuseeland, Kanada oder in den USA sei doch viel interessanter», erklärt Yvonne Frei. Doch von diesem Gerede liess sich das sportliche Paar nicht beirren. Uneingeschüchtert hielten sie an der Idee fest, ohne sich aber krampfhaft hineinzusteigern:«Grossartige Vorbereitungen haben wir nicht unternommen, ausser uns mit Versicherungen gut abzudecken. Wir wollten lediglich wieder zu Hause sein, bevor der erste Schnee fällt», so die Oberschanerin weiter. Eine grobe Route sei auf der Übersichtskarte Deutschlands eingezeichnet worden, die konkrete Planung habe aber erst während der Wanderschaft von Tag zu Tag stattgefunden.

«Es sollte eine Genusswanderung und keine Sportveranstaltung werden. Wir sind ungezwungen losgelaufen und haben uns von Anfang an gesagt, dass wir nicht auf Biegen und Brechen zu Fuss in Buchs ankommen müssen», ergänzt ihr Gatte Sascha Frei. Dass es dennoch geklappt hat, macht das Paar aber umso stolzer, obwohl einige Hürden erst überwunden werden mussten: Die Frischvermählten hatten mit der einen oder anderen Krankheit zu kämpfen, mussten Blasen an den Füssen ertragen und waren dem launischen Wetter Deutschlands schonungslos ausgesetzt. Zudem konnten sie sich nicht immer auf die Landkarten verlassen, weshalb sie Umwege in Kauf nehmen mussten.

Erlebnisse sind unbezahlbar und geben Halt

«Trotz alledem überwiegen die positiven Erlebnisse, die wir durch diese Reise erfahren durften», sind sich beide einig. Für Yvonne Frei ist einer der Höhepunkte gewesen, als sie auf einem einsamen Wanderweg im Oberpfälzer Wald gelaufen sind und plötzlich ein Berner Sennenhund vor ihnen stand. «Der Hund namens Beno ist dann acht oder neun Stunden mit uns bis zu unserer nächsten Unterkunft gelaufen. Dort musste die Rezeptionistin schliesslich den Besitzer anrufen, damit Beno wieder nach Hause kommt.» Da die Region an der Grenze zu Tschechien liegt und sie für Schmuggler ein beliebtes Gebiet ist, glauben die Oberschaner, dass der Hund sie beschützen wollte. Generell traten ihnen viele Wildtiere vor die Augen, die sonst eher selten von Menschen beobachtet werden können.

Für den aus Deutschland stammenden Sascha lag der Höhepunkt ihrer Reise unter anderem in der Vielfältigkeit der Landschaft und welche Gefühle er mit diesen verbindet. «Einfach unbeschreiblich. Ich kann heute noch von diesem Erlebnis zehren, und es hat mich als Mensch verändert. Allgemein lösen Langzeitwanderungen in uns ein Gefühl der Freiheit aus.» Körper, Geist und Seele seien auf einem neuen Level und er habe erkannt, was im Leben wirklich von Bedeutung sei. «Unterwegs waren die einzigen Sorgen, die wir hatten, die Wanderzeichen und jeweils eine Unterkunft zu finden sowie zu essen», sagt Frei.

Ritualisierter Tagesablauf entwickelt

Im Gepäck mit dabei war nur das Nötigste, so dass ihre Rucksäcke rund 12 Kilo wogen. Funktionskleidung für jede Witterung, eine Wäscheleine, die «man übrigens für sehr vieles verwenden kann», Hygieneartikel inklusive Reiseapotheke und ein Tagebuch. Letzteres gehörte zu einem Ritual, das sie täglich durchführten: Um 9.30 Uhr starteten sie jeweils zum nächsten Etappenziel, das stets ungefähr 20 Kilometer entfernt lag. Nach der täglichen Wanderung wurde geduscht, gegessen, ein Bier getrunken und das Erlebte ins Tagebuch geschrieben. Bis zum Schluss der Reise füllten sie 15 Stück mit Erlebnissen und Erinnerungen.

Einige Ausschnitte daraus werden auch in ihrem Buch enthalten sein, das die beiden gerade schreiben. Dafür motiviert wurden sie während der Tour von anderen Reisenden sowie von Freunden und Verwandten nach ihrer Rückkehr. «Wann das Buch erscheinen wird, ist noch offen. Ebenso die Frage, für wen die Publikation zugänglich sein wird», sagt Yvonne Frei abschliessend.