OBERSCHAN: «Das Timing ist sicher kein Zufall»

Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die internationale Anti-Atomwaffenbewegung Ican in Genf. Das honoriert auch das Engagement von Annette Willi aus Oberschan, Präsidentin von Ican Schweiz.

Ursula Wegstein
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Die Freude bei Annette Willi über den Friedensnobelpreis für die Anti-Atomwaffenbewegung Ican ist gross. (Bild: PD)

Die Freude bei Annette Willi über den Friedensnobelpreis für die Anti-Atomwaffenbewegung Ican ist gross. (Bild: PD)

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@wundo.ch

Da ist eine aus allen Wolken gefallen: Annette Willi aus Oberschan, Präsidentin von Ican Schweiz, hat nicht im Geringsten damit gerechnet, dass die internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, Ican, den Friedensnobelpreis erhalten würde. Völlig vergessen hatte sie, dass es Freitag, der 6. Oktober, sein werde, an dem der diesjährige Preisträger für den Nobelpreis bekannt würde. Gross war also die Überraschung, riesig die Freude. «Natürlich ist unser Beitrag nicht ausschlaggebend, aber wir gehören in der Tat zu den Preisträgern», freut sich die Präsidentin. «Wir sind überaus froh über die Anerkennung, für die über 400 Länderorganisationen, die sich seit Jahrzehnten für die Abschaffung von Atomwaffen einsetzen», so Annette Willi gegenüber dem W&O. «Insbesondere, weil wir häufig als Idealisten oder Naivlinge beäugt werden. Aber solche Organisationen, die sich für das Thema atomare Abrüstung einsetzen, sind in der heutigen Zeit besonders wichtig», so die Präsidentin von Ican Schweiz weiter.

Als Tochter von Lehrer Bruno Willi und Musiklehrerin Lisbeth Willi ist Annette Willi in Oberschan aufgewachsen.

Nach der Matura an der Kantonsschule Sargans im Jahr 2002 studierte sie Religionswissenschaften, Arabisch und Geschichte an den Universitäten Genf und Lausanne.

Seit vielen Jahren mit ­Abrüstungsthemen befasst

Nach ihrem Studium und Reisen nach Jemen und Syrien begann Annette Willi bei diversen Nichtregierungsorganisationen zu ar­beiten. Seit mehreren Jahren ist die 34-jährige mit verschiedenen Abrüstungsthemen befasst. «Zuerst war ich bei der internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen und Streubomben, später beim Friedensbüro IPB. So kam ich von einem zum anderen», erzählt sie weiter. Seit 2013 ist die Oberschanerin für Ican tätig, im Jahr 2014 hat sie zusammen mit Maya Brehm Ican Schweiz gegründet. Als Präsidentin für diese Organisation arbeitet Annette Willi in ihrer Freizeit, hauptsächlich abends und am Wochenende. ­Ehrenamtlich.

Ihr Fokus als Präsidentin der Schweizer Länderorganisation liegt auf der Sensibilisierung der Schweizer Politik, insbesondere des Bundesrates für das Thema atomare Abrüstung. Zu ihren weiteren Aufgaben zählen Lobbyarbeit sowie internationale Aktionen. Hauptberuflich arbeitet sie in Genf im Bereich Kommunikation und Fundraising für die Nicht­regierungsorganisation Geneva Call. Diese Organisation engagiert sich für den Schutz von Zivilpersonen in bewaffneten Konflikten.

Humanitärer Aspekt im ­Vordergrund

«Neu an der Idee der Dachorganisation Ican war, im Jahr 2007, die verschiedenen Aktivitäten zu koordinieren und die humani­tären Konsequenzen von Atomwaffen in den Mittelpunkt der Debatte zu stellen», sagt Annette Willi. «Davor ging es in den Abrüstungsdiskussionen mehr um militärische Aspekte, wie die atomare Abschreckung.»

In drei internationalen Konferenzen hat Ican die humani­tären Auswirkungen von Atom­waffen beleuchtet, auch die ­Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom ­Roten Kreuz haben dazu Stellung bezogen», erzählt Annette Willi weiter. «Das Risiko für die Menschheit ist einfach zu gross», fasst sie zusammen. «Unser Erfolg ist, dass es mit dem Atomwaffenverbotsvertrag eine neue internationale Norm gibt», freut sich die Oberschanerin. «Wir wollen erreichen, dass Atom­waffen als Massenvernichtungswaffen stigmatisiert und letztlich abgeschafft werden. Natürlich passiert das alles nicht über Nacht, durch diesen Vertrag erhalten die Staaten jedoch mehr Druck», so ihr Resumme.

«Dass wir nach 10 Jahren Arbeit genau jetzt diese Auszeichnung erhalten, ist angesichts der wachsenden internationalen Spannungen und der zunehmenden Bedeutung von Atomwaffen in der internationalen Rhetorik gewiss kein Zufall», ist Annette Will sich sicher.

Ändert sich durch diese hohe Auszeichnung etwas für Annette Willi? «Durch den Friedensnobelpreis erreichen wir mehr Aufmerksamkeit und auch Legitimität gegenüber den Politikern», ist die Präsidentin überzeugt. «Vielleicht hört man uns auch mehr und besser zu. Meine Hoffnung ist, dass diese hohe Auszeichnung für Ican auch beim Bundesrat zu einem Umdenken führt, zumal dies im Einklang mit den humanitären Werten der Schweiz stehen würde.»