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Nur Transparenz schafft Vertrauen

Leitartikel zum Bergbahnenstreit im Obertoggenburg
Thomas Schwizer

Eines vorweg: Zweifellos muss eine Fusion der beiden grossen Bahnunternehmen in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann das Ziel sein, um die grossen Herausforderungen gut meistern zu können. Das sehen alle Beteiligten so: die Toggenburg Bergbahnen AG (TBB), die Bergbahnen Wildhaus AG (BBW), die Standortgemeinde, Toggenburg Tourismus und die Regierung in St. Gallen.

Die Toggenburg Bergbahnen AG (TBB) haben nun eine neue Offensive lanciert: Sie haben ihr, bis 30. September 2019 verlängertes, Angebot zum Kauf/Tausch von Aktien der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) in alle Haushalte der Region verschickt. Darüber war der Kooperationspartner BBW ebenso wenig informiert wie über die Lancierung des Angebotes Anfang Juni.

Die erneute Fristverlängerung lässt nur einen Schluss zu: Die BBW-Aktionäre nehmen das Angebot aus Unterwasser nur in viel zu geringer Zahl wahr. Erstens weil die Bewertung der BBW-Aktien deutlich unter Wert liegt. Zweitens weil sie das «freche» Vorgehen einer feind­lichen Übernahme schlicht ablehnen. Und der wichtigste Aspekt: Weil sie den Verantwortlichen der Toggenburg Berg­bahnen AG nicht vertrauen.

Das mangelnde Vertrauen fusst auf fehlender Transparenz vonseiten der TBB-Verwaltungsrates, nicht nur gegenüber ihrem Verbundpartner. Es ist unbekannt, wer die grössten (Dritt-)Aktionäre der TBB sind. Auch ihre Kleinaktionäre klagen darüber, dass das Unternehmen ihnen nicht offenlegt, wer wirklich das Sagen hat. Kritische Medienfragen bleiben unbeantwortet. Die Jahresrechnung 2016/2017 wird schöngeredet. Trotzdem fällt auf, dass nur dank Auflösung stiller Reserven und einer nicht benötigten Rückstellung im Gesamtbetrag von 1,2 Millionen Franken ein kleines Plus ausgewiesen wird.

Die dem W&O vorliegende Beurteilung eines Steuer­experten kommt zum Schluss, dass die TBB per 31. Mai 2017 eine «völlig ungenügende Liquidität» ausweisen. Dies wegen hoher Verbindlichkeiten in Zusammenhang mit den in den letzten Jahren getätigten Investitionen. Das ist aber für niemanden ein Grund zur (Schaden-)Freude.

Für die Region ist es enorm wichtig, dass es den beiden Bergbahnen wirtschaftlich gut geht. Denn sie bilden das Rückgrat des Tourismus als wichtigstem Wirtschaftszweig im Obertoggenburg. Die Verwaltungsräte haben zwar in erster Linie eine betriebswirtschaftliche Verantwortung für ihr Unternehmen. Doch auch die Verankerung der Bahnen in der Bevölkerung, auch durch die vielen Kleinaktionäre, ist wesentlich. Der eskalierte Streit gefährdet diesen Rückhalt.

Einzig bei der Einnahmen­verteilung aus dem Ticket­verbund zeigen die TBB Transparenz. Doch auch diese hinkt. Denn dank der ausgebauten Beschneiung in Wildhaus kann dort auch bei wenig Naturschnee der Betrieb sichergestellt werden. Das ist für das Gesamtgebiet wesentlich, weil die Schneesicherheit auf der Achse Unterwasser ungenügend ist.

Fehlende Transparenz schafft Misstrauen. Und ohne Vertrauen ist ein Fusionsprozess auf Augen­höhe – die richtige Lösung für eine erfolgreiche Zukunft beider Bergbahnen – nicht möglich. Deshalb sollten die TBB ihr feind­liches Übernahmeangebot, das höchstwahrscheinlich eh ­erfolglos bleibt, zurückziehen. Dann müssen TBB und BBW an einen Tisch sitzen, auf dem beide alle Fakten ausbreiten und ge­meinsam analysieren. Und: all dies muss sehr rasch geschehen.

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