Nur auf den ersten Blick etwas mutlos

Die Kantonsschule bleibt im Toggenburg, aber nicht alle Schüler aus dem Linthgebiet gehen künftig dort in die Schule, lautet die Idee der St. Galler Regierung.

Armando Bianco
Drucken

Die Kantonsschule bleibt im Toggenburg, aber nicht alle Schüler aus dem Linthgebiet gehen künftig dort in die Schule, lautet die Idee der St. Galler Regierung. Genau das wollten beide Regionen vermeiden, weil sie in einer umstrukturierten Kanti grundsätzlich eine betriebswirtschaftliche und pädagogische Schwächung sehen.

Beide Regionen haben in den letzten Monaten öffentlich mehr oder weniger vehement den alleinigen Anspruch auf die Bildungsinstitution gestellt. Hüben wie drüben, also dies- und jenseits des Ricken, gibt es Argumente zuhauf, die für die eigene und gegen die andere Region sprechen würden. Aber wenige, die für den Ansatz der Regierung sprechen. Nach monatelangem Gezerre und Geplänkel hat die St. Galler Regierung nun so etwas wie ein salomonisches Urteil gefällt. Der einen Seite wird nicht allzu viel weggenommen, der anderen Seite eine valable Alternative präsentiert. Die Kantonsregierung war bemüht, keine eindeutigen Verlierer in dieser Geschichte zu hinterlassen. Umgekehrt heisst das aber auch, dass es keine richtigen Gewinner gibt. Am ehesten noch die Schüler aus dem Linthgebiet, die – je nach Wohnort – künftig nicht mehr den langen Weg nach Wattwil antreten müssen, stattdessen in der Nachbarschaft im Kanton Schwyz die Kanti besuchen könnten.

Auf kurze Sicht ist die Lösung der Regierung etwas mutlos, auf lange Sicht aber wegweisend. In Grenzregionen und Ballungszentren, die räumlich über einen langen Zeitraum ineinander verschmelzen, wird diese Form der Zusammenarbeit langfristig Schule machen.

Vorerst darf das Toggenburg jedenfalls erleichtert sein, dass der Region die grösste Bildungsinstitution nicht ganz weggenommen wurde.

armando.bianco@wundo.ch

Aktuelle Nachrichten