«Nimmt er aber auch Bargeld?»

Billettautomaten und Zonenbillette stellen für die Mobilitätsbedürfnisse älterer Menschen vielfach hohe Hürden dar. Unter dem Motto «mobil sein und bleiben» gab es in Buchs einen Kurs für Senioren, um Berührungsängste abzubauen.

Heini Schwendener
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Walter Schwendener erklärt die richtige Bedienung eines Billettautomaten, denn schon längst gibt es nicht mehr überall bediente Billettschalter. (Bilder: Heini Schwendener)

Walter Schwendener erklärt die richtige Bedienung eines Billettautomaten, denn schon längst gibt es nicht mehr überall bediente Billettschalter. (Bilder: Heini Schwendener)

BUCHS. Vielleicht kann ich ja nicht einmal die Schrift lesen? Und wo bitte ist die Tastatur? Und was passiert, wenn ich einen Fehler mache? Und eine Kreditkarte habe ich ja auch nicht. Solche Fragen und Gedanken beschäftigen viele Seniorinnen und Senioren, wenn sie am Automaten ein Bahn- oder Busbillett kaufen möchten. Berührungsängste – im wahrsten Sinne des Wortes – nehmen überhand. Also Hände weg! Und so suchen sie bediente Schalter auf. Solche gibt es allerdings nur noch in wenigen Bahnhöfen.

Senioren-Mobilitätskurs

Vielleicht wär's ja doch recht nützlich, diese verflixten Automaten bedienen zu können, haben sich 21 Seniorinnen und Senioren aus der Region gesagt. Sie wollen sich der Herausforderung des sich wandelnden öffentlichen Verkehrs stellen und besuchten am Dienstag in Buchs einen Senioren-Mobilitätskurs. Veranstaltet wurde er von der regionalen Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) in Zusammenarbeit mit der regionalen Pro Senectute, den SBB, Bus Ostschweiz, dem Tarifverbund Ostschweiz und der St. Galler Kantonspolizei.

Wie so häufig in Kursen gab es auch für die Senioren zuerst eine Dosis Theorie. VCS-Geschäftsleiter Daniel Rüttimann erläuterte die Ziele dieses Morgens: Ängste und Hemmschwellen sollen abgebaut und die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Aspekte der Mobilität vermittelt werden, «gemäss dem Kursmotto <mobil sein und bleiben>». Als er die Billettautomaten ansprach und vermutete, dass sich viele ältere Leute noch nie an sie gewagt hätten, nickte das eine und andere ergraute Haupt zustimmend.

Warum eigentlich Zonen?

In der Folge erzeugten Heinz Bänziger von der Kantonspolizei, Walter Schwendener als pensionierter SBBler und Thomas Tinner von Bus Ostschweiz mit ihren informativen und mit viel Humor gespickten Ausführungen zum Thema eine lockere Atmosphäre. Auch persönliche Geschichten hatten ihren Platz. Und kritische Fragen. «Warum wurden eigentlich die Zonen eingeführt, wenn sie doch so unbeliebt sind?», wollte ein Senior wissen. Das sei einerseits ein politischer Entscheid gewesen, sagte Tinner, andererseits hätten die Zonenbillette aber auch Vorteile, «denn sie geben den Nutzern mehr Freiheit, sich innerhalb der Zone frei zu bewegen», was bei Streckenbilletten so nicht möglich war.

Viele wertvolle Tips

Gertrud Burtscher von der Pro Senectute lud zu Kaffee und Gipfeli ein. Danach marschierten die Senioren zum Bahnhof, wo drei Praxisteile absolviert wurden. Die Polizisten Heinz Bänziger und Lothar Walser erklärten an einem Bancomaten, welche Sicherheitsvorkehrungen beim Geldbezug wichtig und wie Taschen beim Reisen am besten zu tragen sind, um nicht Opfer eines Diebstahls zu werden. Ausserdem zeigten sie auf dem vielbefahrenen Bahnhofplatz das richtige Verhalten im Strassenverkehr. Wichtige Tips für problemfreies Reisen mit Linienbussen gab es von Thomas Tinner. Wo kann der Kinderwagen für die Enkel parkiert werden? Was macht man, wenn die Billettentwertung nicht funktioniert? Fragen über Fragen, und alle wurden kompetent beantwortet.

Ran an den Automaten

Im Zentrum des Interesses stand jedoch der Billettautomat. Walter Schwendener, selber Pensionär, erklärte ihn seinen Alterskollegen behutsam. Als er nach einer Buchung stolz auf die Zahlungsmöglichkeiten mit vielen Kreditkarten verwies, meinte eine Seniorin: «Nimmt er aber auch Bargeld?» «Bargeld hat er am liebsten», konterte Schwendener. Die besorgte Frage zeigte, dass der Billettautomat die Herzen der Senioren noch nicht im Sturm erobert hatte. Immer wieder wurde den Senioren nämlich bewusst, dass es zuweilen viel Erfahrung und Hintergrundwissen braucht, um zum richtigen Billett zu kommen.

Viele Teilnehmer sagten aber am Kursende, ihre Berührungsängste seien nun kleiner und sie würden sich bei nächster Gelegenheit an die Touchscreens der Automaten heranwagen.

Thomas Tinner erläutert den Kursteilnehmern wichtige Verhaltenstips für Linienbusfahrten.

Thomas Tinner erläutert den Kursteilnehmern wichtige Verhaltenstips für Linienbusfahrten.