Niederlage für Umweltschützer

Oft in schöner Landschaft, ineffektiv und stark subventioniert: Kleinwasserkraftwerke werden kontrovers diskutiert, seit der Bund sie unterstützt. Beim Kraftwerk am Berschnerbach geben die Umweltschützer nun ihren Kampf auf.

Adrian Grzonka
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Der Berschnerbach unterhalb des geplanten Kleinwasserkraftwerks in der Gemeinde Walenstadt. (Bild: Urs Bucher)

Der Berschnerbach unterhalb des geplanten Kleinwasserkraftwerks in der Gemeinde Walenstadt. (Bild: Urs Bucher)

WALENSTADT. Bis zuletzt hat die Greina-Stiftung gegen das umstrittene Kleinwasserkraftwerk am Berschnerbach in der Gemeinde Walenstadt gekämpft – nun ist die Niederlage endgültig. 2013 lehnte das kantonale Baudepartement eine Beschwerde der Stiftung ab, 2014 blitzte die Umweltorganisation vor der Regierung ab. Und nun hat auch das kantonale Verwaltungsgericht ihre Klage abgelehnt.

Die Stiftung verzichtet darauf, die Klage ans Bundesgericht weiterzuziehen. «Aussichtslos» sei dies, sagt Gallus Cadonau, Geschäftsführer der Greina-Stiftung. Kleinwasserkraftwerke würden schliesslich vom Bund gefördert, da sei eine Beschwerde vor Bundesgericht wenig erfolgversprechend.

Hoher Gewinn dank Subvention

Das Kraftwerkprojekt am Berschnerbach ist ein Paradebeispiel für die Konsequenzen der Energiepolitik des Bundes. Seit 2009 wird Strom aus erneuerbaren Energien über die sogenannte KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) subventioniert. Wer Strom aus umweltfreundlicher Wind-, Kleinwasserkraft, Biomasse, Photovoltaik oder Geothermie produziert, wird für die Mehrkosten entschädigt. Bezahlen müssen die Zusatzkosten die Konsumenten: Die maximal 35 Rappen, welche die Betreiber der Kleinwasserkraftwerke für eine Kilowattstunde Strom erhalten, werden auf den Strompreis geschlagen.

Die Subventionen des Bundes decken aber nicht nur die Zusatzkosten für die Produktion, sondern ermöglichen den Betreibern hohe Gewinne: Die Gesamtinvestitionen für das Kleinkraftwerk Berschnerbach belaufen sich auf 16,6 Millionen Franken. Dafür erhalten die Betreiber während 25 Jahren eine KEV-Vergütung in der Höhe von 37,7 Millionen – dies entspricht 226 Prozent der Gesamtinvestitionen.

Subventionierte Geldmaschinen

Für Cadonau von der Greina-Stiftung ist klar: «Kleinwasserkraftwerke leisten keinen Beitrag zur Energiewende, sondern sind Geldmaschinen.» Seit dem Subventionsstart im Jahr 2009 seien schweizweit zwischen 500 und 900 neue Kleinwasserkraftwerke geplant, in Bau oder bereits in Betrieb genommen worden. Dies sei eindeutig auf die Subventionspolitik des Bundes zurückzuführen. «Da seit 2009 satte 50 Prozent der KEV-Mittel für Kleinkraftwerke vorgesehen sind, wurden diese Projekte geradezu mit Geld überschwemmt. Um die 50 Prozent zu erreichen, schmeisst der Bund das Geld aus dem Fenster», ergänzt Gallus Cadonau.

Energiegewinn ist gering

Als Naturschützer ist Cadonau nicht grundsätzlich gegen Subventionen. Er bemängelt lediglich die Verteilung der Bundesgelder: Laut Bundesrat würden bereits 95 Prozent aller Gewässer, die für die Stromgewinnung geeignet sind, intensiv genutzt. Die Gewässer, welche nun verbaut würden, seien nicht genügend ertragreich, sagt Cadonau. «Eine derart hohe Subventionierung der Wasserkraft ist deshalb verfehlt.» Darunter zu leiden hätte zum Beispiel die Solarbranche. Auch die Ertragsmenge sei bei den Kleinwasserkraftwerken viel zu gering: Mit dem Atomausstieg seien 25 Milliarden Kilowattstunden zu ersetzen. Neue Kleinwasserkraftwerke würden indes zusammen nur gerade eine Milliarde Kilowattstunden produzieren.

«Knapp wirtschaftlich»

Christian Dürr, Geschäftsführer des Wasser- und Elektrizitätswerks Walenstadt und zukünftiger Betreiber des Kleinkraftwerks Berschnerbach, wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe der Kraftwerk-Gegner: Die Kleinkraftwerke seien weit davon entfernt, eine blosse Geldmaschinen zu sein.

Dass die KEV-Vergütungen von 37,7 Millionen Franken die Investitionen von 16,6 Millionen bei weitem übertreffen, habe gute Gründe: «Mit Wasserzinsen, Betriebs- und Unterhaltskosten kommen erhebliche Belastungen auf», sagt Dürr. Zudem müssten jährlich 120 000 Franken Konzessionen für die Nutzung des Flusswassers an den Kanton gezahlt werden. «Das Kleinwasserkraftwerk ist so nur knapp wirtschaftlich», sagt Dürr.