Nico Semsrott begeisterte im Werdenberger Kleintheater

BUCHS. Am Freitag hatte das fabriggli mit Nico Semsrott eine Grösse der Slam-Poetry-Szene zu Gast. Der Hamburger begeisterte mit schlauen Wortspielen und kapitalismuskritischen Gedanken.

Johanna Senna
Drucken
Teilen
Bissig und verspielt: Nico Semsrott im fabriggli. (Bild: Johanna Senn)

Bissig und verspielt: Nico Semsrott im fabriggli. (Bild: Johanna Senn)

BUCHS. Am Freitag hatte das fabriggli mit Nico Semsrott eine Grösse der Slam-Poetry-Szene zu Gast. Der Hamburger begeisterte mit schlauen Wortspielen und kapitalismuskritischen Gedanken.

Das fabriggli ist voll. Bereits gut eine halbe Stunde vor Türöffnung tummeln sich Leute in der Eingangshalle. Der Gast, den das fabriggli für diesen Abend eingeladen hat, lockt nicht nur Menschen der Region in das Kleintheater «Wir sind extra von St. Gallen gekommen. Denn wir kennen Nico Semsrott schon lange und finden ihn sehr lustig», meinen zwei Besucher.

Smarter Auftritt

Der junge Mann, der die Bühne betritt, sieht völlig normal aus. Er trägt rote Sneakers, Jeans, einen schwarzen Kapuzenpulli. Die Kapuze ist tief ins Gesicht gezogen, und er trägt eine schwarze Brille. Doch so unscheinbar er auch auftritt, Nico Semsrott ist es nicht. Der Hamburger ist in der Slam-Poetry-Szene zu Hause, gewinnt jedoch auch vermehrt Beachtung als Comedian. Doch wer nun einen Auftritt à la Mario Barth erwartet, wird bitter enttäuscht sein.

Keine plumpen Wortspiele

Bei seinem Auftritt im fabriggli am Freitag begrüsst er das Publikum mit einer monotonen, traurigen Stimme und schraubt auch sogleich die Erwartungen unter den Nullpunkt. «Mein Programm besteht aus vielen schlechten Wortspielen.» Und meint dann: «Schmerz und Scherz sind ja auch nahe beieinander. Das werdet ihr die kommenden Minuten auch merken.» Doch das Publikum amüsiert sich prächtig. Vom ersten Moment an hat der 29-Jährige alle auf seiner Seite. Und seine Wortspiele sind wunderbar unterhaltsam. Doch bei lockeren Wortspielen bleibt es nicht. Denn auch seine kapitalismuskritischen Überlegungen haben es in sich und sind nicht minder scharfsinnig.

Publikum mit Selbstironie

Auch der Politik in der Schweiz geht es an den Kragen, als er erklärt, dass der Staat hier ja nicht nur Steuergeldern von den Bürgern, sondern auch von den Steuerflüchtigen erhalte. «Ihr habt da einfach das bessere Angebot. Ja, ihr habt Kapitalismus wirklich zu Ende gedacht.» Als es dann Zeit für eine kleine Pause ist, die Nico Semsrott als «Höhepunkt des Abends» angekündigt hatte, herrschen im Foyer des fabrigglis zwar rege Diskussionen. Doch der Höhepunkt? Weit gefehlt. Der Abend mit Nico Semsrott fliegt dann auch nur so dahin mit Pointen, die manchmal auch auf Kosten des Publikums gehen – indem er sich über die Unterschiede von Stadt und Land mokiert. Jedoch beweist das Publikum einen wunderbaren Sinn für Selbstironie, was die Stimmung nicht im mindesten dämpfte.

Aktuelle Nachrichten