Nicht alle Gemeinden bezahlen

In der Region Rheintal-Werdenberg-Sarganserland bezahlen nur fünf Gemeinden Beiträge an die Sozialberatung und knapp die Hälfte zahlt an die ambulante Haushilfe der Pro Senectute. Dass diese Angebote wichtig sind, zeigen die Zahlen.

Thomas Schwizer
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Den Haushalthilfedienst und die Sozialberatung bezeichnet die Pro Senectute Rheintal Werdenberg Sarganserland als ihre Kernkompetenzen. (Bild: Urs Jaudas)

Den Haushalthilfedienst und die Sozialberatung bezeichnet die Pro Senectute Rheintal Werdenberg Sarganserland als ihre Kernkompetenzen. (Bild: Urs Jaudas)

REGION. Ohne grosszügige Spenden und Legate (219 114 Franken) würde die Rechnung 2014 der Pro Senectute Rheintal Werdenberg Sarganserland schlecht aussehen. Bei einem Umsatz von 4,15 Millionen resultierte ein Minus von 27 906 Franken – bei 2,582 Millionen an finanziellen Leistungen, welche die Benutzer im Rahmen der Tarife bezahlen.

Bewusst moderate Tarife

In der W&O-Region leisten Buchs, Grabs und Wartau Beiträge an die Sozialberatung für Senioren und deren Angehörige. Pro Senectute führt diese im Auftrag des Bundes schweizweit flächendeckend durch. Die Bundesbeiträge reichten allerdings nicht aus, um mit dem Tarif die Vollkosten zu decken, sagt Christoph Zoller, Leiter der Regionalstelle Pro Senectute Rheintal Werdenberg Sarganserland.

Der Tarif sei bewusst moderat, weil ein Grossteil der Klienten wenig finanziellen Spielraum habe und Ergänzungsleistungen beziehe, so Zoller. Pro Senectute bleibe deshalb im Gespräch mit Gemeinden, die keine Beiträge leisten. Für 2014 klafft bei der Sozialberatung in der Region eine Lücke von 80 000 Franken für 1348 Beratungsstunden ohne Gemeindebeitrag. Für die restlichen 42 Prozent aller Beratungsstunden leisten sechs Gemeinden für ihre Einwohner Kostenbeiträge (siehe Tabelle).

Günstiger, wenn Gemeinde zahlt

Auch bei der Haushilfe der Pro Senectute gilt laut Zoller: Wer diese in Anspruch nehmen muss, ist finanziell oft nicht auf Rosen gebettet. 11 von 25 Gemeinden in der Region zahlen Beiträge an diesen Dienst. Hier beträgt der Deckungsanteil rund 86 Prozent. Dennoch verblieb der regionalen Pro Senectute im Jahr 2014 für rund 7450 nachgefragte Stunden, die nicht durch Gemeinden mitfinanziert werden, eine finanzielle Lücke von rund 110 000 Franken.

Im Werdenberg zahlen nur Buchs und Wartau einen Beitrag an die Haushilfeleistungen der Pro Senectute in ihrer Gemeinde. Eine Quersubventionierung in Gemeinden, die keine Beiträge an die Haushilfe entrichten, gibt es laut Zoller nicht. Klienten in Grabs, Sevelen, Gams und Sennwald würden deshalb für eine Stunde 9 Franken mehr zahlen als in Wartau und in Buchs. Das reicht aber nicht zur Kostendeckung. Die verbleibende Lücke wird laut Zoller aus einem befristeten Projekt der Pro Senectute finanziert.

Haushilfe als Kernkompetenz

Die Non-Profit-Organisation Pro Senectute habe ihren organisatorischen, fachlichen und personellen Schwerpunkt, also ihre Kernkompetenz, bei der ambulanten Haushilfe zu Hause. «In diesem Bereich ist sie der grösste Dienstleister in der Region», betont Christoph Zoller. 230 Mitarbeitende – gesamthaft rund 30 Vollzeitstellen – stehen für sie im Einsatz, meist in Pensen von einigen Wochenstunden. Sie würden «die vielen Morgeneinsätze zur gleichen Zeit und eine sehr gute Dienstleistung auch bei intensiven Einsätzen ermöglichen». Die Bedeutung der Haushilfe werde unterschätzt, betont er. Gemeinden, die keine Beiträge leisten, will er überzeugen, «dass Pro Senectute damit einen zukunftsorientierten und wesentlichen Beitrag an die ambulante Altersversorgung leiste oder leisten könne». So helfe man der Gesellschaft, Kosten für die teurere stationäre Unterbringung in Heimen zu sparen.

«Mit Spitex im gleichen Boot»

Die Kernkompetenz der Spitex liege in der Hauspflege, also der Pflege der Klienten zu Hause. Diese bietet die Pro Senectute nicht an. Den Haushilfedienst bietet neben der Pro Senectute auch die Spitex an. Dass einzelne Gemeinden der Spitex Beiträge an diese Leistung ausrichten, der Pro Senectute aber nicht, stört Zoller. Seine Organisation könne diesen Dienst günstiger und für Klienten flexibler anbieten.

Er sieht aber Spitex und Pro Senectute im gleichen Boot. Beide seien nicht gewinnorientiert, dadurch nachfrageorientiert und hätten den Anspruch an gute Qualität und Service public. Laut Zoller macht man in der Zusammenarbeit durchwegs gute Erfahrungen, auch dort, wo die Spitex und die Pro Senectute den Bereich Haushilfe abdecken.

Dubiosen Angeboten vorbeugen

Hilfe und Betreuung zu Hause sollte nach Christoph Zollers Überzeugung für die ganze Bevölkerung in guter Qualität für unter 30 Franken pro Stunde verfügbar sein – kostendeckend seien für die Pro Senectute derzeit 38 Franken pro Stunde.

Bei höheren Tarifen gehe «der Schuss nach hinten los» und der Druck für teure Heimplätze werde noch grösser. Oder manchmal würden sonst «dubiose private Angebote in Anspruch genommen». Hilfe und Pflege zu Hause würden durch ältere Menschen generell eher zu spät und in zu kleinem Umfang wahrgenommen, hält Christoph Zoller fest. Ein zu hoher Preis für Haushilfe wirke sich auf die ganze Altersbetreuung sehr negativ aus, betont der Regionalstellenleiter.

In der Region Unterrheintal-Rorschach würden sämtliche Gemeinden Beiträge an die Leistungen der Pro Senectute entrichten, überall im Kanton seien es mehr als in der Region Rheintal-Werdenberg-Sarganserland.

Grabs: Gleichbehandlung

Grabs hat eine Vereinbarung mit Pro Senectute. Die Gemeinde bezahlt ihr für die Sozialberatung einen Grundbeitrag von 60 Rappen pro Einwohner und einen Beitrag pro Stunde Sozialberatung in der Gemeinde. «Wir zahlen aber nichts an die Haushilfe, auch nicht an jene der Spitex», unterstreicht Gemeindepräsident Rudolf Lippuner die Gleichbehandlung. Nur für Pflegeleistungen zu Hause durch die Spitex übernehme Grabs die Differenz zu den Vollkosten.

Das Prinzip laute: «Wir finanzieren mit, was auf Grund des Leistungsauftrages des Bundes Pflicht ist» – bei der Pro Senectute also die Sozialberatung. Den Rest müsse und könne sie selber finanzieren, stellt Lippuner fest.

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