Neue Runde im Bahn-Tarifstreit

Skigebiete in der Schweiz und dem Ausland setzen auf Zusammenschlüsse und Kooperationen. Ganz anders im Toggenburg: Da finden die Unternehmen keine Einigung. Unverständnis und harsche Kommentare sind die Reaktion.

Adi Lippuner
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Das neue Vorzeigeobjekt auf dem Chäserrugg, das aus Sicht der Toggenburg Bergbahnen diesem Unternehmen mehr Einnahmen aus dem Ticketverbund Obertoggenburg bescheren soll. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das neue Vorzeigeobjekt auf dem Chäserrugg, das aus Sicht der Toggenburg Bergbahnen diesem Unternehmen mehr Einnahmen aus dem Ticketverbund Obertoggenburg bescheren soll. (Bild: Hanspeter Schiess)

WILDHAUS-ALT ST. JOHANN. Seit Beginn der Sommersaison gehen die Wogen im obersten Toggenburg hoch. Damals wurde bekannt, dass die TBB (Toggenburg Bergbahnen AG) die gemeinsame Sommersaison- und Wanderkarten aus dem Angebot gekippt hat. Die Hoffnung auf eine Einigung für den Winter blieb, schmilzt aber mit fortschreitender Zeit wie der berühmte Märzenschnee an der Sonne.

Nun ist der Streitgrund klar: Die TBB wollen mehr Geld. «Es geht um sehr viel», so Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus. «Aufgrund der neuen Bewertung als Folge des Ersatzbaus für den Stöfelilift würde den TBB aus dem Pool zwischen 300 000 und 500 000 Franken mehr zustehen, und dagegen ist nichts einzuwenden. Die von der TBB verlangte Zusatzforderung betrachtet Rhyner als ruinös und «könnte gegenüber den verantwortlichen Organen zu Verantwortlichkeitsansprüchen führen».

«Hoher sechsstelliger Betrag»

Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus AG, spricht von «einem hohen sechsstelligen Betrag», den die TBB zusätzlich zum Pool beansprucht. «Wir haben bereits Ende Juni den Vorschlag gemacht, den Verteilschlüssel von einem unabhängigen Experten prüfen zu lassen, damit wir den Gästen für kommende Wintersaison die gewohnten Karten für das ganze Skigebiet anbieten können.» Dieser Vorschlag sei abgelehnt worden, «obwohl wir gleichzeitig anboten, dass der durch den Experten berechnete Verteilschlüssel rückwirkend für die Saison 2015/16 gelten werde».

Mélanie Eppenberger, TBB-Verwaltungsratspräsidentin, zur Frage, ob sie für kommenden Winter die Chance für eine Einigung sehe: «Die TBB war in den letzten Monaten bemüht, dem Tarifverbund faire und zukunftsorientierte Lösungen vorzuschlagen. Wir werden sehen, was der Verein Bergbahnen Toggenburg entscheidet. Wir sind zuversichtlich, dass die zuständigen Gremien eine gute Lösung finden.» (Mit dem Verein Bergbahnen Toggenburg ist das Gremium gemeint, welches den Tarifverbund der Region betreut und die Verteilung der Gelder überwacht.) Mélanie Eppenberger spricht in diesem Zusammenhang die Tatsache an, dass der Tarifverbund eigentlich auf dem Papier weiterbesteht und noch für zwei Jahre gültig wäre.

Nationales Thema

Der Tarifstreit ist inzwischen für verschiedene Fernsehstationen und Printmedien ein Thema. Diese führt zu harschen Kommentaren, bei «20 Minuten» waren es bis Donnerstagnachmittag gegen 100 Wortmeldungen. Da ist unter anderem zu lesen: «Wenn die im Toggenburg keine Einigung finden, gehen wir halt nach Österreich oder in den Kanton Graubünden zum Skifahren.» Auch Mélanie Eppenberger wird direkt angegriffen – ihre Stellungnahme dazu: «In meiner Rolle als Präsidentin muss es mir um die Zukunft der Unternehmung im Toggenburg gehen und nicht um meine persönliche Befindlichkeit.»

Für Jack Rhyner wäre der Wegfall der gemeinsamen Wintersaisonkarte eine Katastrophe für die Region. Und Urs Gantenbein betont: «Seit mehr als zwanzig Jahren setzen wir alles dran, um die Region vorwärtszubringen. Im Interesse der Gäste muss der Tarifverbund erhalten werden.» Kritische Töne auch vom Präsidenten der Obertoggenburger Hotelkooperation (OHK), Michael Müller. «Seit Juni wissen wir, dass für kommenden Winter regionale Billett-Kombinationen zugunsten lokaler Tageskarten ins Auge gefasst werden. Die OHK hat mehrmals mit Nachdruck auf die elementare Bedeutung von gebietsübergreifenden Angeboten für den Aufenthaltsgast hingewiesen. Unseres Erachtens führt ein Verzicht des Tarifverbunds zu einem grossen Imageverlust.»

Zurückhaltung beim Schweizer Seilbahnverband. Der Leiter Kommunikation, Andreas Keller: «Die Tarifgestaltung und der Auftritt am Markt liegt voll in der Verantwortung der Seilbahnunternehmen. Dazu gehört auch die Frage, ob und zu welchen Konditionen ein Tarifverbund für eine Seilbahnunternehmung Sinn macht. Wir als Branchenverband können und wollen uns deshalb in keiner Weise einmischen.»

Mélanie Eppenberger Verwaltungsratspräsidentin Toggenburg Bergbahnen AG (Bild: Jakob Ineichen)

Mélanie Eppenberger Verwaltungsratspräsidentin Toggenburg Bergbahnen AG (Bild: Jakob Ineichen)

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