Neue Frist hilft St. Gallen wenig

Künftig müssen Autos und Motorräder erst nach fünf Jahren erstmals geprüft werden. Die neuen Regeln gelten ab Februar 2017. Der Kanton St. Gallen wird die Frist dennoch nicht von Anfang an einhalten können.

Jana Rutarux
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Zur Entlastung des Strassenverkehrsamts führt auch der TCS im Kanton St. Gallen Fahrzeugprüfungen durch. (Bild: Urs Jaudas)

Zur Entlastung des Strassenverkehrsamts führt auch der TCS im Kanton St. Gallen Fahrzeugprüfungen durch. (Bild: Urs Jaudas)

Der Bundesrat hat gestern beschlossen, die Frist für die erste Nachprüfung von Personenwagen und Motorrädern um ein Jahr zu verlängern. Neu sollen Personenwagen und Motorräder erst fünf Jahre, spätestens aber bis zum sechsten Jahr nach der ersten Inverkehrsetzung beim Strassenverkehrsamt nachgeprüft werden. Die zweite Prüfung folgt nach weiteren drei Jahren, danach sind Prüfungen alle zwei Jahre vorgeschrieben. Mit dem Entscheid trage der Bundesrat dem technischen Fortschritt Rechnung, schreibt das Bundesamt für Strassen (Astra) in einer Mitteilung.

Georges Burger, Leiter des Strassenverkehrsamtes St. Gallen, nimmt dies gern zur Kenntnis: «Es ist erfreulich, dass der Bundesrat die Idee der Strassenverkehrsämter umgesetzt hat.» Der Kanton St. Gallen konnte die Frist bis zur ersten Prüfung bisher nicht für alle Motorfahrzeuge einhalten. Der Rückstand liegt inzwischen bei 110 000 Fahrzeugen. Bis Februar 2017 hat das Strassenverkehrsamt nun Zeit, diese Zahl so weit wie möglich zu reduzieren.

Alle Massnahmen umgesetzt

«Mit diesem Entscheid sind nun alle möglichen Massnahmen für die Verringerung der Rückstände umgesetzt», sagt Burger. In den vergangenen Jahren wurde die Prüfungszeit bereits von 25 auf 20 Minuten reduziert. Ausserdem wurde die computerunterstützte Prüfung und das sogenannte Reparaturbestätigungsverfahren eingeführt. Damit können entsprechend eingerichtete Autogaragen die Nachprüfung selber durchführen. Auch der Touring Club Schweiz (TCS) führt seit Jahren Prüfungen durch und entlastet damit das Amt. «Nun hat der Kantonsrat sechs zusätzliche Verkehrsexperten bewilligt», sagt Burger. Damit dürfte sich der 30prozentige Rückstand im Kanton nach und nach verringern. Im vergangenen Jahr erlebte der Kanton St. Gallen eine überraschende Trendwende: Erstmals seit Jahren reduzierte sich der Rückstand – von 125 000 auf 110 000 Fahrzeuge.

«Im Moment können wir die Rückstände nachhaltig abbauen. Mit der neuen Frist sind dennoch nicht alle Probleme gelöst», sagt Burger. Denn an den aktuellen Zahlen ändere sich vorderhand wenig. Ausserdem würden durch die neuen Regeln bald klare Einschränkungen herrschen. Burger rechnet damit, dass der Abbau des Rückstands noch rund fünf Jahre dauert. Damit kann der Kanton St. Gallen die geforderte Einhaltung der Fristen ab 2017 nicht erfüllen. Der Leiter des Strassenverkehrsamtes ist dennoch zuversichtlich: «Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Bund eine Lösung finden werden.»

Verbot für lärmige Motorräder

Die Fristverlängerung ist nicht die einzige Neuerung, die der Bundesrat gestern bekanntgegeben hat. So kann ab 2017 die Zulassung von Motorrädern verboten werden, wenn diese mit Systemen ausgerüstet sind, die nur dazu dienen, mehr Lärm zu erzeugen. Bereits ab April 2015 wird bei der Erteilung von Kontrollschildern für Autohändler auch die Zahl der verkauften Personenwagen (leichten Motorfahrzeugen) berücksichtigt. Damit könnten auch reine Autohändler-Betriebe mehrere Händlerschilder für Probefahrten beziehen.