Neue Formen der Pflege entwickeln

Trügerische Pflegeheim-Idylle Ausgabe vom 25. November 2015

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Ich habe Elektroniker gelernt und später Sozialpädagoge. Das erste, das ich im Heim gelernt habe, war: jammern. In dieser Jammerzeit fiel mir der Satz von Pestalozzi in die Hände: «Alles Lernen ist nicht einen Heller wert, wenn Mut und Freude dabei verlorengehen.» In meinen Studien zur Umsetzung dieses Satzes kam ich zum Schluss, dass nur Freiheit, Freiraum und eine Fehlerkultur Mut und Freude ermöglichen. Wenn Hilti, Hilcona und viele andere Unternehmen nicht innovativ wären, würden sie vom Markt verschwinden. Beste Werkzeuge und beste Lebensmittel sind heute gefragt. Wenn die Mitarbeiterinnen dieser Firmen ihren Kunden tagtäglich vorjammern würden, dass sie keine Zeit hätten, wären Tausende von Menschen in unserer Region arbeitslos. Wir brauchen keine neuen Verträge, GAVs, Schule und Pflege in noch mehr Ketten.

Was wir brauchen, sind Mut und Freude, neue Formen der Begleitung und Pflege zu entwickeln. Wir müssen uns von alten Anstalts-, Heim- und Vertragsstrukturen verabschieden. Sie werden den Menschen, die gepflegt werden möchten, den Menschen, die pflegen, den Pflegenden nicht mehr gerecht. Wir müssen innovativ werden auch im Gesundheits- und Sozialbereich. Betriebe wie Buurtzorg mit 8000 motivierten Spitex-Mitarbeiterinnen in Holland oder die Klinik Heiligenfeld in Deutschland – um hier nur zwei Beispiele zu nennen – sind diesen Weg der Selbstführung, der Mitarbeiterführung und der Unternehmensführung nach demokratischen Prinzipien gegangen.

Das Lukashaus hat sich von der fürsorglichen Anstalt zu einem innovativen Unternehmen in der Begleitung von Menschen gewandelt. Wir gehen neue Wege – Pflege und Begleitung im Dorf, im Quartier. Innovation braucht Freiraum, Mut und Freude, damit das Lernen Freude bereitet und das Arbeiten Sinn macht. Innovation hat im Lukashaus einen Namen: Tolle Mitarbeiterinnen, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern lernen. Sie stellen jeden Tag die Frage: Was kann ich für MICH, für DICH und für das Unternehmen tun. Arbeitstage in der Pflege und Begleitung, auch in der Führung, sind anstrengende Tage – aber sie machen Mut und Freude.

Hubert Hürlimann Geschäftsleiter Lukashaus-Stiftung, 9472 Grabs