Naturschützer informieren sich über Politik

Welche neuen ökologischen Anreize bringt die Agrarpolitik 2014 bis 2017 den Landwirten? Und was verändert sich beim Beitragswesen für die von den Naturschutzvereinen bewirtschafteten Flächen? Diese beiden Fragen versuchte die Präsidententagung von BirdLife St. Gallen am Samstag zu beantworten.

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FLAWIL. Die Naturschützer am Landwirtschaftlichen Zentrum sind vielleicht ein etwas ungewöhnlicher Anblick. Doch das Thema der diesjährigen Präsidententagung von BirdLife St. Gallen, dem Kantonalen Verband der lokalen Natur- und Vogelschutzvereine, war die Agrarpolitik 2014–2017 und die Auswirkungen davon auf die Beiträge aufgrund des Gesetzes über die Abgeltung von ökologischen Leistungen (GAöL). Viele der örtlichen Naturschutzvereine bewirtschaften Flächen mit dem Ziel, darauf die Biodiversität zu fördern. Dafür konnten auch sie GAöL-Beiträge nach Bundesgesetz beantragen. Diese laufen über das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF).

Mehr Geld für Ökologie

Da die Agrarpolitik 2014–2017 (AP 14–17) jedoch vermehrt Projekte im ökologischen Bereich sowie zur Förderung der Landschaftsqualität mit Direktzahlungen belohnt, laufen die Vernetzungsprojekte ab diesem Jahr neu über das Landwirtschaftsamt. Mit dem Ziel, das landwirtschaftliche und das nichtlandwirtschaftliche Beitragssystem für ökologische Leistungen zu vereinheitlichen, wurde auch das GAöL einer Revision unterzogen. Über die Neuerungen, Schnittstellen und Chancen der AP 14–17 und der GAöL-Revision informierten am Samstag im Landwirtschaftlichen Zentrum Mattenhof Flawil Nicole Innauen, zuständig für Beratungen bei Landschaftsqualitätsprojekten am Landwirtschaftlichen Zentrum, und Guido Ackermann, Leiter Abteilung Natur und Landschaft beim ANJF.

Nicole Inauen zeigte auf, wo die ersten Landschaftsqualitätsprojekte gestartet wurden. Der Vorreiter ist Neckertal mit den Gemeinden Hemberg, Neckertal und Oberhelfenschwil. Auch im Werdenberg (Grabs, Gams, Sennwald) sowie in Eschenbach/Rapperswil-Jona läuft ein entsprechendes Pilotprojekt. Ziel sei es, dass irgendwann jede St. Galler Gemeinde bei einem solchen Landschaftsqualitätsprojekt beteiligt ist. Sie machte die Naturschutzvereine darauf aufmerksam, dass es für sie durchaus Chancen bieten würde, in einem solchen Projektteam Einsitz zu nehmen oder sich an weiterführenden Aktionen, wie beispielsweise Baumschnittkursen, zu engagieren.

Gleiches Beitragssystem

Guido Ackermann erklärte, dass künftig Landwirte und Nichtlandwirte aus GAöL-Verträgen die gleichen Beiträge erhalten würden. Dass aber auch beim GAöL vermehrt die Qualität der Flächen und nicht mehr die blosse Leistung an sich vergütet wird. Über die Qualität einer Fläche bestimmt dann beispielsweise die Anzahl an verschiedenen Blumenarten, und es werden hier die gleichen Regeln gelten wie für die landwirtschaftlichen Ökoflächen.

Jerry Holenstein, Präsident von BirdLife St. Gallen, begrüsste über 40 Präsidenten und Vorstände von St. Galler Natur- und Vogelschutzvereinen zum Anlass. Den beiden Referaten folgte eine angeregte Diskussion, bei der sogleich Fragen der Naturschützer bezüglich Vernetzungsprojekten, Landschaftsqualitätsprojekten sowie den Neuregelungen im GAöL geklärt werden konnten.

Schliesslich rief René Güttinger vom Verein Fledermausschutz St. Gallen, Appenzell, Liechtenstein zur aktiven Mitarbeit auf, und Jürg Kolb vom Natur- und Vogelschutzverein Uzwil informierte über das Projekt Garten Charta, bei der sich Gartenbesitzer moralisch dazu verpflichten, so zu gärtnern, dass Igel, Vögel und Schmetterlinge besser überleben können. (kru)